Der Abstimmungskrampf zur Fremdspracheninitiative
18.11.06 12:11 abgelegt unter: Politix
Bei Bildungsfragen hat es schon fast Tradition: Die
Grünen sind sich uneins, so auch in Sachen
Fremdspracheninitiative. Es gibt in der Partei
BefürworterInnen der Initiative, welche Französisch
in die Oberstufe verbannen will, weil sie besorgt
sind, dass der Leistungsdruck in der Schule zu stark
erhöht wird - für Schüler wie Lehrer - oder weil sie
eine Benachteiligung anderer Fächer befürchten. Und
es gibt nicht wenige, die nichts davon halten, ein
Lernverbot im Bildungsgesetz zu
verankern. Es kann schwerlich argumentiert
werden, dass Grüne Gründsätze nur eine Haltung
zuliessen, die grüne Parole "Stimmfreigabe" mag
denn Insider nicht sonderlich überraschen.
Sämtliche anderen Parteien brachten eine Ja- oder Nein-Parole zustande, man könnte also vermuten, dass deren Parteiprogramme zu Bildungsfragen vielleicht eher als Handlungsleitfaden taugen. Doch ein Blick in die lokalen Pro- und Kontra-Komitees und über die Kantonsgrenzen hinaus zeigt, dass die Meinungen genauso geteilt sind.
Im Kanton Zürich hat es sie SP als einzige Partei auf sich genommen, eine eigene Kampagne für ihre (ablehnende) Parole zu führen. Doch im Initiativkomitee finden sich nicht wenige GenossInnen und bei der Initiative mit identischer Stossrichtung in Schaffhausen war die SP federführend und der Parteitag beschloss mit deutlichem Mehr die Ja-Parole. Denselben Spagat - ja in Schaffhausen, nein in Zürich - machten auch AL (SH/ZH) und CVP (SH/ZH). Nur die EVP blieb ihren Werten - welche auch immer diese genau sind - treu und sagte sowohl in Schaffhausen wie auch in Zürich Ja.
In Schaffhausen bestand das Initiativpräsidium aus einer «unheiligen Allianz» von SP und SVP. Anders als die SP ist die SVP jedoch auch im Kanton Zürich bei den Befürwortern - und legt sich damit mit dem Gewerbeverband an, der die Initiative bekämpft. Doch die Parolen verdecken, dass auch die SVP gespalten ist. In Schaffhausen war ihre Kantonsratfraktion klar gegen die Initiative, die Basis kippte den Parolenvorschlag jedoch knapp um.
Bleibt noch die FDP. Eine selbsternannt liberale Partei, die sich zudem gerne als Schrittmacherin in Bildungspolitik sieht, kann einer so restriktiv formulierten Initiative doch sicherlich nichts abgewonnen? Schaut man nur die Zürcher und Schaffhauser Parolenfassungen so scheint die FDP nicht zu den Bremsern gehören zu wollen - ganz anders allerdings in Glarus und Nidwalden.
Eine seltene Chance, sich von den Grünen und ihrer Stimmfreigabe auf liberale Art abzusetzen, haben die Grünliberalen verpasst: Die Fäden des Zürcher Initiativkomitees laufen bei ihnen zusammen, an ihrer Mitgliederversammlung haben folgerichtig auch die Initiativbefürworter eine deutliche Mehrheit hinter sich scharen können. Nun lehnt sich Bäumles Hauspartei halt an die SVP statt an die FDP.
Bei all dieser Uneinheitlichkeit selbst innerhalb von Parteien stellt sich natürlich für viele die Frage, welche Position denn nun Unterstützung an der Urne verdient. Meine Position hab ich bereits früher dargelegt: Frühes Fremdsprachenlernen entspricht am ehesten dem natürlichen Spracherwerb. Selbstverständlich ist ein Erlernen im Klassenunterricht nicht dem Lernen im Sprachgebiet gleichzusetzen (und es gibt in der Tat kaum Untersuchungen zur Nachhaltigkeit des Fremdsprachenunterrichts), aber aus neuropsychologischer Sicht gilt sehr wohl "je früher desto besser". Ausserdem sind drei Jahre Französisch in der Sekundarschule zu knapp, um mit fundierten Kenntnissen in die Arbeitswelt einzusteigen. Die Schweiz soll nicht auf den europäischen Standard "Muttersprache + deutsch" herabsinken. Sprachkompetenz soll als Wettbewerbsvorteil gepflegt werden.
Unentschlossenen empfehle ich noch zwei Texte, einer von der Grünen Kantonsrätin Lilith C Hübscher, die erzählt, wie sich ihre Position von Stimmenthaltung in der Fraktion zur klaren Ablehnung der Initiative entwickelt hat. Und dann noch ein Interview mit Lutz Jäncke, dem Leiter der Neuropsychologie an der Uni Zürich. Das Interview ist interessanterweise auf der Homepage der Initiativbefürworter zu finden, wohl weil Jäncke sich für eine hohe Intensität im Fremdsprachenunterricht ausspricht, die so nicht geplant ist. Aber bei einem Ja zur Verbotsinitiative bleibt es dem Kanton verwehrt, weitere Erfahrungen zu sammeln und z.B. mittels Immersionsunterrichts (dem Unterrichten von nicht sprachbezogenen Inhalten in einer Fremdsprache) die Intensität des Sprachunterrichts zu erhöhen, ohne dass bei anderen Fächern inhaltliche Abstriche gemacht werden müssen.
Sämtliche anderen Parteien brachten eine Ja- oder Nein-Parole zustande, man könnte also vermuten, dass deren Parteiprogramme zu Bildungsfragen vielleicht eher als Handlungsleitfaden taugen. Doch ein Blick in die lokalen Pro- und Kontra-Komitees und über die Kantonsgrenzen hinaus zeigt, dass die Meinungen genauso geteilt sind.
Im Kanton Zürich hat es sie SP als einzige Partei auf sich genommen, eine eigene Kampagne für ihre (ablehnende) Parole zu führen. Doch im Initiativkomitee finden sich nicht wenige GenossInnen und bei der Initiative mit identischer Stossrichtung in Schaffhausen war die SP federführend und der Parteitag beschloss mit deutlichem Mehr die Ja-Parole. Denselben Spagat - ja in Schaffhausen, nein in Zürich - machten auch AL (SH/ZH) und CVP (SH/ZH). Nur die EVP blieb ihren Werten - welche auch immer diese genau sind - treu und sagte sowohl in Schaffhausen wie auch in Zürich Ja.
In Schaffhausen bestand das Initiativpräsidium aus einer «unheiligen Allianz» von SP und SVP. Anders als die SP ist die SVP jedoch auch im Kanton Zürich bei den Befürwortern - und legt sich damit mit dem Gewerbeverband an, der die Initiative bekämpft. Doch die Parolen verdecken, dass auch die SVP gespalten ist. In Schaffhausen war ihre Kantonsratfraktion klar gegen die Initiative, die Basis kippte den Parolenvorschlag jedoch knapp um.
Bleibt noch die FDP. Eine selbsternannt liberale Partei, die sich zudem gerne als Schrittmacherin in Bildungspolitik sieht, kann einer so restriktiv formulierten Initiative doch sicherlich nichts abgewonnen? Schaut man nur die Zürcher und Schaffhauser Parolenfassungen so scheint die FDP nicht zu den Bremsern gehören zu wollen - ganz anders allerdings in Glarus und Nidwalden.
Eine seltene Chance, sich von den Grünen und ihrer Stimmfreigabe auf liberale Art abzusetzen, haben die Grünliberalen verpasst: Die Fäden des Zürcher Initiativkomitees laufen bei ihnen zusammen, an ihrer Mitgliederversammlung haben folgerichtig auch die Initiativbefürworter eine deutliche Mehrheit hinter sich scharen können. Nun lehnt sich Bäumles Hauspartei halt an die SVP statt an die FDP.
Bei all dieser Uneinheitlichkeit selbst innerhalb von Parteien stellt sich natürlich für viele die Frage, welche Position denn nun Unterstützung an der Urne verdient. Meine Position hab ich bereits früher dargelegt: Frühes Fremdsprachenlernen entspricht am ehesten dem natürlichen Spracherwerb. Selbstverständlich ist ein Erlernen im Klassenunterricht nicht dem Lernen im Sprachgebiet gleichzusetzen (und es gibt in der Tat kaum Untersuchungen zur Nachhaltigkeit des Fremdsprachenunterrichts), aber aus neuropsychologischer Sicht gilt sehr wohl "je früher desto besser". Ausserdem sind drei Jahre Französisch in der Sekundarschule zu knapp, um mit fundierten Kenntnissen in die Arbeitswelt einzusteigen. Die Schweiz soll nicht auf den europäischen Standard "Muttersprache + deutsch" herabsinken. Sprachkompetenz soll als Wettbewerbsvorteil gepflegt werden.
Unentschlossenen empfehle ich noch zwei Texte, einer von der Grünen Kantonsrätin Lilith C Hübscher, die erzählt, wie sich ihre Position von Stimmenthaltung in der Fraktion zur klaren Ablehnung der Initiative entwickelt hat. Und dann noch ein Interview mit Lutz Jäncke, dem Leiter der Neuropsychologie an der Uni Zürich. Das Interview ist interessanterweise auf der Homepage der Initiativbefürworter zu finden, wohl weil Jäncke sich für eine hohe Intensität im Fremdsprachenunterricht ausspricht, die so nicht geplant ist. Aber bei einem Ja zur Verbotsinitiative bleibt es dem Kanton verwehrt, weitere Erfahrungen zu sammeln und z.B. mittels Immersionsunterrichts (dem Unterrichten von nicht sprachbezogenen Inhalten in einer Fremdsprache) die Intensität des Sprachunterrichts zu erhöhen, ohne dass bei anderen Fächern inhaltliche Abstriche gemacht werden müssen.








