Roger Liebi der Kreationist [Update]
21.12.08 15:08 abgelegt unter: Gretchenfrage
Roger Liebi ist ein Scharlatan*. Die Rede ist allerdings
nicht vom SVP-Stadtratskandidaten sondern
von seinem Namensvetter, über den der
Tages-Anzeiger neulich gestolpert ist.
Dieser andere, parteilose, Roger Liebi ist Theologe mit “akademischen” Titeln vom privaten US-Amerikanischen Whitefield Theological Seminary, welches gemäss Selbstdarstellung (PDF) folgende Lehrsätze verficht:
Roger Liebi hält regelmässig Referate bei evangelikalen Gruppen. Eines handelte von der Entstehung der Sprachen (Teil 1, Teil 2, total 110 Minuten). Liebi argumentiert, die menschliche Sprache hätte sich nicht etwa graduell entwickelt, sondern sei ganz gemäss Genesis-Darstellung dem Menschen gleich zu Anbeginn in vollendeter Form von Gott eingehaucht worden. Danach kam nur noch ein schleichender Zerfall, ausgelöst durch den sündigen Menschen.
Aus Sicht der Evolutionstheorie haben sich die Hirnareale, die uns zum Sprechen und Verstehen von Sprache befähigen, graduell entwickelt. Urformen der menschlichen Sprache bestanden wohl aus kurzen Äusserungen, deren Bedeutungen sich erst allmählich festigten. Nach und nach entwickelten sich Regeln zum Satzbau und grammatikalische Zeiger, beispielsweise um verschiedene Zeitformen zu bezeichnen.
Liebis “Beweisführung”, dass die Bibeltreuen und nicht etwa die Wissenschaft mit ihren Annahmen über die Entstehung der Sprache richtig liegen, geht ungefähr so: Die ältesten Sprachen, von denen wir schriftliche Fundstücke haben, also beispielsweise Sanskrit, Sumerisch oder Griechisch, haben alle eine hochkomplexe Grammatik. Also sind sie Beweis dafür, dass die ursprünglichen Sprachstämme, diejenigen nämlich, die es unmittelbar nach der gottwollten babylonischen Sprachverwirrung gab, hochkomplex waren. Das war selbstredend kein Zufall sondern göttliche Vorsehung. Gott war ja sein eigener Qualitätssicherer und pflegte das Gelingen seiner Schöpfungsakte persönlich zu bezeugen «Und Gott sah, dass es gut war». Bei allen Sprachstämmen kann beobachtet werden, dass grammatikalische Formen verloren gehen, also findet gemäss Liebi lediglich eine Degeneration statt. Liebi führt zudem noch aus, dass auch Sprachen von primitiven Kulturen - er führt als Beispiele nord- und südamerikanische Indianerstämme auf - hochgradig komplex sind, wie eifrige Missionare beim Bibelübersetzen jeweils freudig überrascht zur Kenntnis nahmen.
Was Liebi da - «durch Deduktion», wie er selbst beteuert - zusammenbastelt, ist, um es mit dem anerkannten Fachbegriff für religiöse Durchgeknalltheit auszudrücken, apeshit crazy nuttiness1.
Auch wenn aus wissenschaftlicher Sicht weiterhin unklar bleibt, wann sich die menschliche Sprache zu entwickeln begann, deren Beginn mit dem Einsetzen der Schriftsprache gleichzusetzen, ist absoluter Schwachsinn. Und selbstredend gibt es auch in modernen Sprachen das Phänomen der Grammatikalisierung. Im Deutschen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Kurzformen wie «meinste» und «weisste», die sich aus «meinst du» beziehungsweise «weisst du» ableiten, auch in der Standardsprache als grammatisch korrekt gelten. Dass Formen wegfallen, ist, wie in der Biologie, nichts aussergewöhnliches. Wer schon mal auf sein Steissbein gefallen ist, wird durch dieses Schwanzrudiment unsanft an seine evolutionäre Herkunft erinnert. Ob dies Herrn Liebi schon mal passiert ist oder ob er allenfalls auf andere Körperteile gefallen ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
Für seine Arbeit erhielt Liebe vom Whitefield Theological Seminary übrigens ein Summa cum laude, wie er zu Beignn seiner Audio-Aufnahme stolz verkündet. Deren Lehrsätze hat er schliesslich meisterhaft befolgt.
1 Für ein weiteres Beispiel siehe Bei Allah! Greenwich Mean Time ist schuld an Blutkreislaufstörungen
Update 10.01.2009: Die Verwendung des Begriffs «Scharlatan» wurde von einem Blog-Leser kritisiert. Er passt bestens, scheint aber für einzelne erklärungsbedürftig. Deshalb gibt’s hier einen separaten Beitrag dazu.
Dieser andere, parteilose, Roger Liebi ist Theologe mit “akademischen” Titeln vom privaten US-Amerikanischen Whitefield Theological Seminary, welches gemäss Selbstdarstellung (PDF) folgende Lehrsätze verficht:
(1) Biblical Inerrancy; (2) Biblical Creationism; (3) Justification by Faith alone; (4) Bodily resurrection and (5) Presbyterian form of government.
Roger Liebi hält regelmässig Referate bei evangelikalen Gruppen. Eines handelte von der Entstehung der Sprachen (Teil 1, Teil 2, total 110 Minuten). Liebi argumentiert, die menschliche Sprache hätte sich nicht etwa graduell entwickelt, sondern sei ganz gemäss Genesis-Darstellung dem Menschen gleich zu Anbeginn in vollendeter Form von Gott eingehaucht worden. Danach kam nur noch ein schleichender Zerfall, ausgelöst durch den sündigen Menschen.
Aus Sicht der Evolutionstheorie haben sich die Hirnareale, die uns zum Sprechen und Verstehen von Sprache befähigen, graduell entwickelt. Urformen der menschlichen Sprache bestanden wohl aus kurzen Äusserungen, deren Bedeutungen sich erst allmählich festigten. Nach und nach entwickelten sich Regeln zum Satzbau und grammatikalische Zeiger, beispielsweise um verschiedene Zeitformen zu bezeichnen.
Liebis “Beweisführung”, dass die Bibeltreuen und nicht etwa die Wissenschaft mit ihren Annahmen über die Entstehung der Sprache richtig liegen, geht ungefähr so: Die ältesten Sprachen, von denen wir schriftliche Fundstücke haben, also beispielsweise Sanskrit, Sumerisch oder Griechisch, haben alle eine hochkomplexe Grammatik. Also sind sie Beweis dafür, dass die ursprünglichen Sprachstämme, diejenigen nämlich, die es unmittelbar nach der gottwollten babylonischen Sprachverwirrung gab, hochkomplex waren. Das war selbstredend kein Zufall sondern göttliche Vorsehung. Gott war ja sein eigener Qualitätssicherer und pflegte das Gelingen seiner Schöpfungsakte persönlich zu bezeugen «Und Gott sah, dass es gut war». Bei allen Sprachstämmen kann beobachtet werden, dass grammatikalische Formen verloren gehen, also findet gemäss Liebi lediglich eine Degeneration statt. Liebi führt zudem noch aus, dass auch Sprachen von primitiven Kulturen - er führt als Beispiele nord- und südamerikanische Indianerstämme auf - hochgradig komplex sind, wie eifrige Missionare beim Bibelübersetzen jeweils freudig überrascht zur Kenntnis nahmen.
Was Liebi da - «durch Deduktion», wie er selbst beteuert - zusammenbastelt, ist, um es mit dem anerkannten Fachbegriff für religiöse Durchgeknalltheit auszudrücken, apeshit crazy nuttiness1.
Auch wenn aus wissenschaftlicher Sicht weiterhin unklar bleibt, wann sich die menschliche Sprache zu entwickeln begann, deren Beginn mit dem Einsetzen der Schriftsprache gleichzusetzen, ist absoluter Schwachsinn. Und selbstredend gibt es auch in modernen Sprachen das Phänomen der Grammatikalisierung. Im Deutschen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Kurzformen wie «meinste» und «weisste», die sich aus «meinst du» beziehungsweise «weisst du» ableiten, auch in der Standardsprache als grammatisch korrekt gelten. Dass Formen wegfallen, ist, wie in der Biologie, nichts aussergewöhnliches. Wer schon mal auf sein Steissbein gefallen ist, wird durch dieses Schwanzrudiment unsanft an seine evolutionäre Herkunft erinnert. Ob dies Herrn Liebi schon mal passiert ist oder ob er allenfalls auf andere Körperteile gefallen ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
Für seine Arbeit erhielt Liebe vom Whitefield Theological Seminary übrigens ein Summa cum laude, wie er zu Beignn seiner Audio-Aufnahme stolz verkündet. Deren Lehrsätze hat er schliesslich meisterhaft befolgt.
1 Für ein weiteres Beispiel siehe Bei Allah! Greenwich Mean Time ist schuld an Blutkreislaufstörungen
Update 10.01.2009: Die Verwendung des Begriffs «Scharlatan» wurde von einem Blog-Leser kritisiert. Er passt bestens, scheint aber für einzelne erklärungsbedürftig. Deshalb gibt’s hier einen separaten Beitrag dazu.








