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SVP : Seit den Nationalratswahlen auf dem Rückzug

Die SVP hat im Kanton Thurgau abgeräumt: Sie ist noch klarer stärkste Partei und hat nun 51 der 130 Sitze. Sitze abgeben mussten SP, FDP und Grüne. Für Toni Brunner die Quittung für die Inszenierung der Blocher-Abwahl. Dass diese 'Analyse' zu kurz greift, stellt Antonio Cortesi im Tages-Anzeiger klar: Die CVP konnte ihre Sitzzahl halten, ausserdem ist die Thurgauer SVP eine der vergleichsweise moderaten Sektionen.

Doch um die Wirkung der Blocher-Abwahl wirklich einschätzen zu können, greift ein Vergleich der gestrigen Ergebnisse mit den kantonalen Wahlen vor vier Jahren zu kurz. Es waren die vergangenen Nationalratswahlen, bei denen die SVP mit dem Slogan "Blocher stärken, SVP wählen" in den Kampf stieg. Aussagekräftiger ist deshalb ein Vergleich der aktuellen Wähleranteile mit denjenigen vom vergangenen Herbst. Und hier zeigt sich: Die SVP ist auf dem Rückzug:
SVP CVP FDP SP Grüne EVP EDU GLP andere
NR 2008 42.3 15.2 12.1 11.7 10.2 2.8 2.6 - 3.0
KR 2008 35.8 15.9 14.0 13.0   9.2 5.2 4.0 2.5 0.3

Wähleranteile eingebüsst haben im Thurgau seit dem vergangenen Herbst nur zwei Parteien: Die SVP (6.5 Prozentpunkte) und die Grünen (1).

Bei der SVP wiederholte sich, was bereits in St Gallen und Schwyz geschah: Ihre Spitzenresultate vom vergangenen Herbst konnte sie nicht annähernd halten (auch wenn sie überall unangefochten stärkste Partei bleibt):
(Auf hohem Niveau) im Abwärtstrend: Die SVP
Quellen: Kanton Thurgau, Bundesamt für Statistik, zoonpoliticon.ch)

Das Thurgauer Resultat bekräftigt, worauf Claude Longchamps bereits am 18. März in seiner Analyse zu den Kantonsratswahlen in St Gallen und Schwyz verwies: Die SVP hat seit dem vergangenen Herbst - auf hohem Niveau - Wähler verloren (berücksichtigt man die geringere Teilnahme an den kantonalen Wahlen, verstärkt sich dieser Effekt sogar). Als Quittung für die Blocher-Abwahl können die kantonalen Ergebnisse daher nicht interpretiert werden. Wenn ein Zusammenhang mit Blocher hergestellt werden kann, dann eigentlich nur dieser: Ohne ihn sinkt der Marktwert der Partei.

Bei den Grünen dürfte zweierlei zum Wahlresultat geführt haben: Dass sie bei den Kantonsratswahlen nicht in allen Wahlkreisen angetreten sind und dass die GLP nun erstmals ins Rennen stieg. (Die GLP verfehlte ihr Wahlziel von 5 Sitzen klar, zusammengezählt haben beide Parteien dennoch einen höheren Wähleranteil erreicht als die Grünen im Herbst.)