GSoA will erneut Bundesrat stellen
Schmid überzeugte in sämtlichen Zuständigkeitsbereichen: Er entlarvte das höhere Kader als unfähig, bewies, dass die Armee nicht nur zur Kriegsführung ausserstande ist sondern bereits an einfachen logistischen Aufgaben wie dem Bereitstellen von Unterkünften scheitert und pazifistisch korrekt auf kriegsuntaugliche Ausrüstungen setzt. Zudem schaffte er es wie keiner seiner Vorgänger, die verschiedenen Regionen der Schweiz gegeneinander aufzuwiegeln.
Die GSoA will die KandatInnen für die Nachfolge im VBS einer genauen Prüfung unterziehen, denn aus ihrer Sicht ist klar: «Es muss wieder einer von uns sein.»
Rationalisierung bei der Armee: Piloten werden durch Bleiklumpen ersetzt
Jüngste Akquisition für die Sammlung waren 20 Eurocopter, die umkippen und deshalb nur geflogen werden dürfen, wenn der Co-Pilotensitz besetzt ist. Doch den professionellen Fliegergewichten droht nun die Wegrationalisierung: Sie sollen durch Bleiklumpen ersetzt werden.
Als Gegenmassnahme baut Eurocopter bei den zwei Maschinen, die für VIP-Flüge eingesetzt werden, ein Ausgleichsgewicht ein. [..] Dieselbe Korrektur soll auch bei den 18 Truppenhelikoptern vorgenommen werden.
Nicht einmal mehr vor der Armee machen Rationalisierungsmassnahmen Halt...
Blocher - der nächste «halbe Bundesrat»?
Eine interessante Nomination. Die SVP hat immer betont, dass zur Führung des VBS nur ein «halber Bundesrat» nötig sei (womit sie angesichts des Mangels an Aufgaben für die Armee durchaus recht hat). Offenbar passt das Profil «halber Bundesrat» aus SVP-Sicht am besten zu Blocher. Ist das vielleicht ein spätes Zugeständnis, dass er für ein Vollamt nicht tragbar war?
Traumjob «Überzähliger der Armee» (II)
Die Abgangsentschädigung für Knutti ist geringfügig kleiner als diejenige von Nef. Rechnet man grosszügig mit durchschnittlichen 250’000 Franken pro VBS-Mitarbeiter, für den «eine Weiterbeschäftigung weder möglich noch zumutbar» ist, liesse sich der ganze Laden mit seinen 12’500 Mitarbeitern für gut drei Milliarden Franken liquidieren ohne Härtefälle zu verursachen. Das ist deutlich weniger als die operativen Kosten eines einzigen Betriebsjahres. Worauf warten wir eigentlich noch?
Traumjob «Überzähliger der Armee»
Als sozial verantwortungsvoller Betrieb bietet das VBS natürlich auch Personen eine Anstellung, die den brutalen Bedingungen des freien Arbeitsmarktes aus verschiedenen Gründen nur bedingt gewachsen sind. Haben sie ihre Sporen und Dienstgrade abverdient, können sie sich im Sinne eines abgefederten Outplacement zum «Überzähligen der Armee» befördern lassen. In schönem Einvernehmen mit dem Bundesrat kommt auch Roland Nef zu dieser Ehre. Rund 25’000 Franken Monatssalär erhält der Überflüssige während des nächsten halben Jahres - nebst einer Abgangsentschädigung von 275’000 Franken für seine herausragenden Leistungen.
Das VBS setzt damit seine Personalstrategien 2008-2011 (PDF) auf vorbildliche Weise um. Steht doch bei den Visionen folgendes:
- Das VBS ist ein attraktiver Arbeitgeber
- Das VBS bereitet seine Mitarbeitenden für künftige Anforderungen und Veränderungen vor und fördert deren Flexibilität und Mobilität
Und natürlich soll Nef kein Einzelfall sein, kündigt das VBS doch heute an:
Der Bundesrat wird in nächster Zeit über die Weiterverwendung von KKdt Walter Knutti beschliessen.
Das Ende der Wehrpflicht (III)
Zwangsrekrutierung wird zum Auslaufmodell (Bild: eigene Grafik basierend auf diversen aktuellen Quellen)
Zwei Drittel aller europäischen Staaten haben diesen Schritt bereits hinter sich oder werden bis spätestens 2010 folgen. Russland dürfte ebenfalls nachziehen, allerdings hat die dortige Regierung noch keinen verbindlichen Zeitplan angekündigt. Es sind nur wenige Regionen, in denen die Debatte tabuisiert wird: In den Staaten des östlichen Mittelmeerraums, auf Festlandskandinavien, in Deutschland - und der Schweiz. Aber vielleicht ist nach dem Gedankenspiel von Karl W. Haltiner auch Helvetien für die Debatte bereit? An der Zeit wäre es, denn zur Bestätigung meiner eigenen Prognose verbleiben nur noch dreieinhalb Jahre...
Keine Chance für neue Kampfflugzeuge (update)
Die ganze Übung dürfte allerdings für die Katz sein: Zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer wollen gemäss einer heute vom Blick publizierten repräsentativen Umfrage nichts von neuen Kampfjets für die Luftwaffe wissen - und dies, obschon der Blick bei den wahren Kosten tief stapelte und nur die eigentlichen Beschaffungskosten erwähnte und nicht etwa die voraussichtlichen Gesamtkosten von rund sechs Milliarden Franken.
Die GSoA vermutete schon lange, dass die Kampfjetvorlage nicht mehrheitsfähig ist. Für ihre vor knapp zwei Monaten gestartete Initiative sind bereits um die 30’000 Unterschriften zusammen gekommen. Der Unterschriftenbogen ist hier als PDF erhältlich. Wer beim Sammeln mithelfen möchte, findet hier die Kontaktangaben.
Quelle: Blick
Nachtrag 04.08. 23:47: Michael Jäger sorgt sich um die Luftwaffe an und für sich (s. seinen Kommentar). Dazu ein hoffentlich klärendes Bildchen. Es zeigt die Anzahl Kampfjets pro 1000 km2 Landesfläche der Schweiz und drei weiterer bündnisfreier Staaten in Europa. Die CH-Zahlen basieren auf den F/A-18, die zu ersetzenden Tiger sind nicht eingerechnet. Wer findet die sechs Unterschiede zwischen der Schweiz und den anderen Staaten?
Das Ende der Wehrpflicht (II)
«Ich würde die Prognose wagen, dass wir – wie fast in allen europäischen Ländern – innert fünf Jahren die Wehrpflicht abschaffen.»
Nein, das ist kein GSoAt, der dies sagt, sondern Karl W. Haltiner, Dozent für Soziologie und Militärsoziologie an der ETH-Militärakademie. Nachzulesen in einem Interview im Sonntagsblick von heute. Diese Prognose machte ich bereits vor eineinhalb Jahren - (der Misanthrop griff den Text vor ein paar Tagen neu auf):
Ganz unabhängig davon, ob die Schweiz sich ihre Armee zur Volksbelustigung erhalten will oder nicht, die Zwangsrekrutierung muss ein Ende haben. Die grosse Mehrheit der Staaten Europas hat diesen Schritt schon längst gemacht. Meine Prognose: Die Schweiz zieht innert maximal 5 Jahren nach.
Aber in der Schweiz dauern die Dinge halt hin und wieder etwas länger... Abschaffen will Haltiner die Armee nicht. Aber ihm schwebt eine in ihren Beständen drastisch reduzierte Armee vor, die vielleicht noch 30’000 Personen umfassen würde. Ein angenehmer Kollateralnutzen seines Szenarios:
Mein System würde die volkswirtschaftlichen Nettokosten für die militärische Sicherheit halbieren – von heute gesamtwirtschaftlich etwa acht auf vier Milliarden – und zu Kostenwahrheit führen.
Armeeabschaffung von oben - ein Zwischenstand
Dabei ist es viel effizienter, wenn die Sache von oben angepackt wird. Ein Zwischenstand:
Von Dienstwaffen, Restrisiken und Privatsphären
Ob dies auch für die Dienstwaffe gilt, ist unklar. «Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt», meint [Armeesprecher Christoph] Brunner. Man sei sich aber der Problematik einer Selbst- oder Fremdgefährdung des Armeechefs bewusst.
Wie soll man dies nun verstehen? Es gibt hier eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Die erste: Es wird mit gutem Grund angenommen, dass Roland Nef psychisch stabil genug ist und mit seiner Dienstwaffe nichts anstellt. Dann ist die Aussage des Armeesprechers untolerierbar. Es ist angesichts Nefs Amtes richtig, dass die Öffentlichkeit erfuhr, was er seiner Partnerin im Privatleben offenbar angetan hat. Das ist aber kein Grund, gegenüber Medien ohne Indizien über mögliche Eskalationen zu spekulieren.
Die zweite Möglichkeit ist, dass Brunner die Position einnimmt, die sein Chef Felix Endrich bereits nach dem Amoklauf in Baden im November vergangenen Jahres als offizielle VBS-Position zum Besten gab:
Egal, welches Szenario zutrifft: Es gibt einen dringenden Handlungsbedarf für den obersten VBS-Chef. Aber Schmid ist zur Zeit wohl gerade anderweitig beschäftigt...«Die Armee ist nicht zuständig, wenn ein Zivilist im Privatleben mit seiner Armeewaffe um sich schiesst und jemanden tötet.»
Abtreten, Sämi! (II)
Im Grunde ist es mir einerlei, ob sich die Armee gerne mit derartigen Aushängeschildern schmückt. Für Samuel Schmid ist es aber definitiv Zeit abzutreten. Die Sonntagszeitung hatte ihm offenbar bereits vor drei Wochen die Details, die sie erst heute veröffentlicht, unterbreitet. Schmid mag bei der Nomination Nefs ursprünglich dessen Persönlichkeitsschutz mit gutem Grund höher geiwchtet haben als die vollständige Information seiner Ratskollegen. Doch spätestens nach Unterbreitung der Details hätte er zu seinem Fehlentscheid stehen müssen. Stattdessen hat getan, was er in schwierigen Situationen immer tut: nichts.
Auch wenn’s für Mittelinks zur Zeit bequem wäre, Schmid im Amt zu behalten, ist es ein gutes halbes Jahr nach der Abwahl von Christoph Blocher an der Zeit, dass sich das Parlament zu einem erneuten Personalentscheid durchringt.
Schicksal? Nein, grobe Fahrlässigkeit
Die Äusserung Nefs lässt Zweifel aufkommen, ob die Militärjustiz in der Lage ist, den Fall unvoreingenommen aufzuarbeiten.
Keine Staatsgelder für Bubenträume - Jetzt Initiative gegen neue Kampfflugzeuge unterschreiben!
Wer Samuel Schmid ohne Abschiedsgeschenk in den Ruhestand schicken möchte, unterschreibe die «Volksinitiative gegen neue Kampfflieger». Sie wurde heute lanciert.
Kampfjets zurück nach Dübendorf? Aufhören mit dem Unsinn!
Vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten initiierte ich zusammen mit einer Handvoll weiterer Personen aus der Region einen Ideenwettbewerb. «Der Flugplatz Dübendorf wird geschlossen» stand in grossen Lettern auf Mehr...
Kurswechsel in der Afghanistanpolitik? - Nato liefert Waffen an Taliban
Sollen sie vielleicht bei einer gemeinsamen Invasion Irans mithelfen? Mitnichten, es war offenbar nur ein Versehen. Kann ja beim besten Soldaten vorkommen, dass er sich mal in der Tür irrt.
(via gonorrea.ch)
Rekrutenschule nur zugedröhnt zu ertragen?
Türkische Okkupation 2.0
Eine vergleichbare Siedlungspolitik wird im kurdisch dominierten Nordirak unmöglich sein, da die seltsame Allianz der religiös-fundamentalistischen Regierung und der Atatürk-Anbeter des Militärs ihre eigene unterdrückte kurdische Minderheit dafür nicht wird einsetzen können. Also wird es bei Militärstützpunkten auf fremden Boden bleiben. Aber auch dies kann eigentlich nur als sofortiger Rückzug des EU-Beitrittsgesuchs durch die Türkei verstanden werden.
Tatbeweis statt Gewissensprüfung - mutloses Reförmchen
Im gleichen Zug soll die Zwangsabgabe für so genannt Untaugliche erhöht werden, in der Hoffnung, dass sich künftig weniger Schweizer Männer Mehr...
Schützenhilfe für Waffeninitiative
Das Parlament, das sich in alter Zusammensetzung noch gegen jede Verschärfung der Waffengesetzgebung gewehrt hatte, wird seine Beschlüsse während einer Sonderdebatte im März überdenken dürfen. Die wichtigsten Einzelanliegen der Initiative sind in der Form von parlamentarischen Vorstössen traktandiert.
Die Initianten, die bereits bei der Lancierung argumentierten, dass das Parlament bei dieser Frage am Volk vorbei politisiert, haben nun von unerwarteter Seite Schützenhilfe im wahrsten Sinn des Wortes erhalten! Der Schweizer Schiesssportverband veröffentlichte heute die Ergebnisse einer Umfrage, die er in Auftrag gegeben hatte (s. NZZ).
Die Zahlen sprechen für sich: 51% der Befragten sind für eine Gesetzesverschärfung, nur 29% votierten für die Beibehaltung der aktuellen Gesetzgebung. Neben der Deponierung der Ordonnanzwaffen in Zeughäusern ist die Einführung eines zentralen Waffenregisters eine der wichtigsten Forderungen der Initiative. 90% der Befragten stimmten ihr zu! Hört das Parlament auf das Volk, müsste es dem Vorstoss von Jo Lang (Grüne ZG) mit überwältigender Mehrheit zustimmen.
(Unterschriftenbogen als PDF).
FDP-Kriegsgurgeln: Affront gegen den Verstand
Die Debatte führte bei einzelnen Kriegsgurgeln im Rat offenbar zu reichlich stereotypem Verhalten: Ein - in der Berichterstattung namentlich nicht genannter - FDP-Vertreter erklärte das Postulat gleich zum «Affront gegen die Armee». Es ist immer die gleiche Leier. Jede Detailkritik an der Armee ist gleich ein Affront, ein heimlicher Abschaffungsversuch.
Der freisinnige Volksvertreter sollte sich an die Idee gewöhnen, dass in einer Demokratie die Armee der Zivilbevölkerung zu dienen hat und nicht umgekehrt. Und vielleicht liest er mal den Kommentar von NZZ-Redaktor und Generalstabsoberst Bruno Lezzi. Auch Kriegsgurgeln wird darin klargemacht, dass der Wachtdienstentscheid sicherheitspolitisch nicht zu rechtfertigen ist.
Abtreten, Sämi!
Deshalb hat er angeordnet, dass Soldaten den Wachtdienst neuerdings mit durchgeladener Waffe absolvieren müssen. Felix Endrich, der Mann, der als Armeesprecher für Schmid ganze Sätze formuliert, begründete dies gegenüber 10 vor 10 folgendermassen (Video): "Müsse ein Soldat im Ernstfall zuerst noch laden und entsichern, verliere er Zeit, die ihn das Leben kosten könne." (s. a. NZZ-Beitrag).
Ein, zwei Tote durch überforderte Soldaten an der EURO08 - und die Schweiz kann wohl nach Schmids Vorstellungen ihren Wehrwillen wieder mal so richtig demonstrieren...
Es wird Zeit, dass Schmid abtritt und durch jemanden ersetzt wird, der beim Wort "Bevölkerungsschutz" nicht nur an die Jungs in ihren Vierfrucht-Pijamas denkt.
Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?
Erfreulich, dass die Diskussion versachlicht wird. Es ist gut, dass der Fokus zuerst auf die Bewältigung eigener Konfliktherde gelegt wird. Vielleicht kann die Schweiz aber dereinst sogar Friedensstifter ins Ausland entsenden, z.B. wenn sich in Bethlehem zur Weihnachtszeit wieder einmal Priester gegenseitig die Nasen einschlagen...
N.B. Nachdem ich nun die letzte wichtige Pendenz im alten Jahr abgehakt habe,
Rassismusbekämpfung nach Armeeart
Was macht nun die Armee folgerichtig? Exakt: Sie verbietet das Filmen im Militär, wie die NZZ berichtet: «Ab Anfang kommenden Jahres wird das Filmen und Fotografieren im Dienst ohne Einwilligung des militärischen Vorgesetzten verboten.»
Gegen sexistisches, rassistisches und gewaltverherrlichendes Agitieren im Dienst vorzugehen wäre schliesslich ungleich aufwändiger...
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Zum Schluss noch ein offtopic-Hinweis, nicht gehaltvoll genug für einen eigenen Blog-Eintrag, aber durchaus eine Darwin-Awards-Nomination wert - und erst noch günstiger als bei Dignitas.
Militärwaffen: Die Armee muss endlich ihre Verantwortung wahrnehmen!
Noch völlig unklar ist, was den Militärangehörigen zu dieser sinnlosen Tat veranlasst hat. Klar hingegen scheint: Sie hätte vermieden werden können. Spekulationen einzelner Medien, dass die Biographien von Opfer und Täter irgendwie verwoben sein könnten, scheinen sich nämlich nicht zu bewahrheiten. Rein zufällig soll der Todesschütze sein Ziel ausgesucht haben.
Doch der Täter brauchte für die berserke Tat nicht nur ein Opfer, er benötigte vor allem auch eine Waffe. Und die gab ihm das Militär praktischerweise nach Hause mit. Weils hat Tradition ist. Und irgendwie praktisch.
Die Armee wäscht die Hände - einmal mehr - in Unschuld. Für Bundesrat Schmid scheint der wichtigste Aspekt in diesem Fall der zu sein, dass der Schütze nach der RS erst nach Hause ging bevor er dann mit Tarnjacke und Sturmgewehr auf die Strasse ging. Schmid versteckt sich formaljuristisch hinter der Abgrenzung der Zuständigkeiten von Militär- und ziviler Justiz. Sobald ein Soldat seine Haustür erreicht hat, fühlt sich das Militär für seinen Zustand und seine Handlungen in keiner Form mehr zuständig. Am deutlichsten (und geschmacklosesten) formulierte es diesen April Armeesprecher Felix Endrich, der den Amoklauf in Baden folgendermassen kommentierte:
«Die Armee ist nicht zuständig, wenn ein Zivilist im Privatleben mit seiner Armeewaffe um sich schiesst und jemanden tötet.»
So kann und darf es nicht mehr weitergehen!
Es geht nicht an, dass die Armee weiterhin unbedarft Waffen für die Zeit ausserhalb des Militärdienstes aushändigt. Sie ist es schliesslich, die (zwangsrekrutierte) Soldaten mit der Waffe und zur Überwindung der Tötungshemmung ausbildet. Die Armee aber scheint weder bereit noch in der Lage, mit den Risiken, die von ihren Angehörigen ausgehen, umzugehen. Der einzige Ausweg bleibt deshalb die Verbannung der Armeewaffen in die Zeughäuser. Die Initiative, die dies fordert, kann hier runtergeladen werden.
Sudan einfach!
«Ich füge mich aber dem politischen Willen, solange die Waffe Teil der persönlichen Ausrüstung bleibt.»
Und was will der der abtretende Armeechef tun, wenn Volk und Stände in ein paar Jahren die Initiative Schutz vor Waffengewalt annehmen? Putschen, vielleicht? Besser wäre, baldmöglichst einen Crash-Kurs in Staatsrecht zu belegen. Alternativ kann er natürlich auch selbst in den Sudan, wohin er jüngst zwei VBS-Leute auf Erkundungsmission schickte. Dort findet er als alternder Krieger vielleicht die Mitgestaltungsmöglichkeiten, die ihm in der Schweiz hoffentlich verwehrt bleiben.
Militärjustiz: Erstaunlicher Sieg der Vernunft
Am heutigen Prozess in St Gallen kam es nun überraschenderweise zu vollumfänglichen Freisprüchen. Das Militärgericht, welches in eigener Sache urteilen musste, folgte der Argumentation der Verteidigung, die deutlich machte, dass der veröffentlichte Fax nichts mit der Schweiz sondern mit einem internationalen Skandal zu tun habe.
Bild: Keystone - s. Berichterstattung des Tages-Anzeigers
Der angekündigte Gang an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte blieb den Angeklagten somit erspart - ganz im Sinn der Vertreter der Mediengewerkschaft Comedia, der GSoA und der Juso, die vor Prozessbeginn für einen Freispruch demonstriert hatten.
Den internationalen Waffenhandel eindämmen - die Schweiz soll mitmachen
Etliche Staaten unterstützen diesen Aufruf, erfreulicherweise auch die grossen europäischen Kriegsmaterialexportländer Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.
Von der Schweiz ist im Artikel nicht die Rede. Aber die Schweiz kann zu eben diesem Schritt gezwungen werden - dank der aktuell laufenden Initiative für ein Export-Verbot von Kriegsmaterial. Nach vier Monaten Laufzeit sind rund 43'000 Unterschriften zusammen. Ziel ist, am 4. November, der zum nationalen Sammeltag erklärt wurde, die 50'000er-Grenze zu überschreiten. amnesty international, christlicher Friedensdienst, GSoA, Juso, Grüne und andere mehr sammeln an diesem Tag an verschiedenen Orten in der Schweiz. Wer sich anschliessen will, soll sich beim Initiativ-Sekretariat melden oder - für einen Einsatz im Raum Zürich - bei mir.
Mit der Dienstwaffe auf Einbrecher- und Terroristenjagd?
Offenbar bestärkt durch den bundesrätlichen Feuerschutz hat am Montag nun auch noch die sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates nachgedoppelt...Mehr...
Steilpass aus dem Aussendepartement für Initiative gegen Kriegsmaterialausfuhren
Das Timing für eine solche Forderung von offizieller Seite hätte nicht besser sein können, beginnt doch heute der Sammeltermin für die Initiative für ein Verbot von Kriegsmaterial-Ausfuhren.Mehr...
Sicherheitspolitische Kommission: Nichts gelernt aus all den Waffenexportskandalen
Militärgerichtsbarkeit: Hobbyjustiz im Grossen wie im Kleinen
Wie es scheint, bewegt sich die Militärjustiz auch dann auf Hobbyniveau, wenn gegen noch bösere Feinde als unbequeme Soldaten ermittelt werden soll. Bei der Einleitung des Strafverfahrens gegen Sonntagsblick-Chefredaktor und «Ägypten-Fax»-Veröffentlicher Christoph Grenacher (51) wurde erst mal der falsche vorgeladen, ein Dieter Christoph Grenacher (43), seines Zeichens Sonderschullehrer im Emmental.
Dieser Rohrkrepierer alleine ist wohl schon Grund genug, die Militärjustiz nicht ernst zu nehmen. Christoph Grenacher erklärt - nachvollziehbarerweise - die Militärjustiz aber aus noch viel grundsätzlicheren Gründen für nicht zuständig:
«Wenn es ein Land zu dieser Zeit noch nötig hat, Journalisten aufgrund ihrer zivilen und durchaus auch zivilisierten Tätigkeit durch die Militärgerichtsbarkeit zu verfolgen, dann fehlt mir, auch mit speziellem Blick auf die beanstandete Causa, jegliches Verständnis.»
Diese Stellungnahme gab er heute im Gerichtssaal ab und entschwand mit der Zusatzbemerkung, dass er sich diesem Verfahren nicht stellen werde. Dazu kann man ihm nur gratulieren!
Davos: Auf 2 Einwohner 1 Soldat
Deshalb kommt das WEF für die Armee alle Jahre wie gerufen. Auch diesmal wollen sie mit bis zu 6500 Armeeangehörigen vor Ort sein, nicht nur im 13000-Seelen-Dorf Davos sondern überall im «Gastkanton» Graubünden.
Mit ihrem Einsatz praktiziert die Armee (unterstützt durch Bundesrat und Parlament) einen «kreativen» Umgang mit der Verfassung, welche festhält, dass die Armee nur zur Abwehr schwerwiegender Bedrohungen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung anderer ausserordentlichen Lagen eingesetzt werden darf.
Dass diese Voraussetzungen beim jährlich stattfindenden WEF nicht gegeben sind und dass die schlecht ausgebildeten Soldaten ein Sicherheitsrisiko darstellen, haben heute Vertreter des Soldatenkommitees gegen Innere Einsätze an einer Medienkonferenz dargelegt.
Bild: Soldatenkomitee
Ruag schiesst Grosskaliberproduktion ab. Wird sie nun zivil(isiert)er?
Ein erster Schritt zum Ausstieg aus dem Rüstungsgeschäft? Angesichts der Vergangenheit ihres CEO Toni Wicki ist dies nicht zu erwarten.
Auf fantasievolle Art bei der Neufokussierung hilft der Ruag allerdings die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA): Am letzten Absolventenkongress für Studierende verteilte sie in der Messe Zürich Flyer im RUAG-Look mit dem Titel «Deadly Engineering» (PDF), welche aufzeigten, in welche Geschäfte der Konzern, der sich als Aerospace-Unternehmen präsentierte, verwickelt ist. Vielleicht findet das Umdenken ja doch noch statt, wenn der Nachwuchs ausbleibt.
Ägypten-Fax: Imageschaden für wen genau?
Das Dokument landete beim Sonntagsblick, der gestern die Geschichte gross rausbrachte.
Und was was meint die Classe Politique dazu? Die SVP - so der Tagi - spricht von Verrat und sieht den Handlungsbedarf vor allem darin, dass das Leck gefunden wird - und kann dabei auf volle Zustimmung der SP zählen! Der mögliche Imageverlust für die Nachrichtendienste scheint die sozialdemokratische Pressesprecherin heftig zu beschäftigen...
Sonst geht's noch? Da bringt eine Zeitung den Mut auf, den CIA-Skandal zu dokumentieren und Sozialdemokratie und Volkspopulisten wissen nicht besseres, als vom eigentlichen Inhalt der Enthüllungen abzulenken und den Imageschaden für die Nachrichtendienste zu beweinen. Nicht ein Wort darüber, dass staatliche Geheimniskrämerei und Kollaboration dem Image der Schweiz weitaus mehr schaden dürften.
Weitaus geniessbarer die Stellungnahme der Grünen Schweiz:
«Nach der gestrigen Veröffentlichung des Geheimpapiers durch den Sonntagsblick, das die Existenz von CIA-Gefängnissen in Europa bestätigt, fordern die Grünen erneut, dass der Bundesrat eine entschlossenere Haltung gegenüber den Aktivitäten der US-Geheimdienste einnimmt. Die Schweizer Regierung soll endlich sagen, was sie weiss. Die Grünen wollen, dass die Schweiz aktiv mit dem Sonderbeauftragten des Europarates zusammenarbeitet und verlangen die Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts».
Dem ist eigentlich nichts beizufügen.
(Update: Nach der Veröffentlichung des Blog-Eintrags brachte der Tagi eine revidierte Fassung des online-Artikel heraus. Nun klingt die SP-Stellungnahme weitaus angebrachter. Unter anderem wird die SP-Haltung nun folgendermassen wiedergegeben:
«Im Hinblick auf das Freihandelsabkommen mit den USA seien Zweifel angebracht. Es sei zu hinterfragen, ob mit einem Staat, der rechtsstaatliche und demokratische Grundsätze verletze, eine enge Zusammenarbeit anzustreben sei.»
2005: Das Jahr der Mobilmachung für "nationale Feste"
Grund für die Zunahme waren - so die sda - das Seebeben in Asien, das Augusthochwasser, Botschaftsschutz, WEF und nationale Feste. Nicht einmal der Armee selbst fällt also auch nur ein einziger militärischer Grund ein, der ihr Dasein rechtfertigen würde. Die Hilfswerke, das Schweizerische Korps für Humanitäre Hilfe der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit und der Zivilschutz kommen gut ohne die subsidiären Einsätze der Armee zurecht, ebenso die kantonalen Polizeien.
Bleiben also als mögliches Tummelfeld die nationalen Feste: Vielleicht gibt es zwischen Trachtenvereinen und Puurezmorge-Organisatoren ja tatsächlich noch eine unbesetzte Nische, hat doch die Armee gemäss eigenen Angaben "alleine für das Jodlerfest in Aarau und das Schützenfest in Frauenfeld über 10 000 Diensttage geleistet."
Soll doch die Armee ihren Kriegskrempel von der RUAG verschrotten lassen und die zivil nutzbaren Güter an geeignete Organisatoren abtreten. Das VBS könnte dann in einem 20%-Pensum unter dem neuen Namen "Departemäntchen für Hoselupf, Hudeligägeler und Sport" geleitet werden. Der geschützte Arbeitsplatz von Sämi Schmid sollte dabei aus sozialpolitischen Gründen erhalten bleiben.









