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Wege aus der Krise (I): Abzocken als Geistheiler

Die Wirtschaft schrumpft. Sogar Doris «Wir sehen null Indizien für eine Rezession» Leuthard postuliert inzwischen Konjunkturprogramm um Konjunkturprogramm.

Dabei geht es doch auch mit Eigeninitiative. Arbeitslose Banker können sich beispielsweise zu Geistheilern ausbilden lassen. Zwei, drei Kurse in Transbioenergie - einer Technik zur Transformation von Geschwurbel in harte Währung - und schon lassen sich ansehnliche Stundensätze erwirtschaften, wie der Quacksalber Rubens Faria morgen und übermorgen in Pfäffikon SZ beweisen wird:

Heilertage mit Geistheiler Rubens Faria aus Brasilien [...]
Eine Behandlung kostet Fr. 130,- und dauert 10 Minuten.


Das ergibt immerhin einen Stundentarif von CHF 780.- oder - bei acht Stunden «Arbeit» - einen Tagessatz von CHF 6240.-. Wer braucht da noch Konjunkturprogramme?
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Bern: FDP und GFL go religulous

Das Wort zum Sonntag

Die Stadtberner Parlamentarier der Grünen Freien Liste und der EVP, die zusammen eine Fraktionsgemeinschaft bilden, haben ein gravierendes gesellschaftliches Problem entdeckt: Viele Schüler wissen nicht, wieso sie an Feiertagen frei haben. Dies ist ihnen ungeheuer und sie lieferten in der Form einer dringenden Motion eine Lösung: Die Lehrer - wer denn sonst? - sollen’s richten. Sie wollen die Lehrkräfte aller Klassen der Volksschule dazu verpflichten, «jedes Jahr vor jedem gesetzlichen Feiertag die Schülerinnen und Schüler kurz über den Sinn und Inhalt des Feiertages zu informieren».

Die Motionäre stören sich an der Verweltlichung der ehemals christlichen Feiertage und meinen, es könne nicht angehen, «dass Schulabgänger Ostern in erster Linie mit Osterhasen und Eiern assoziieren.» Die Schule soll also zwangskorrigieren, was die Aussenwelt vermittelt. Die Motion wurde am vergangenen Donnerstagabend tatsächlich mit 32 zu 29 Stimmen überwiesen - unter anderem dank der fleissigen Unterstützung der Freisinnigen. Liebe GFL- und FDP-Parlamentarier: Nehmt doch den geschenkten Feiertag zum Anlass, darüber zu sinnieren, was das Wort «frei» in Euren Parteinamen eigentlich bedeutet. Wenn es nur noch in der Zusammensetzung "sinnfrei" Verwendung findet, solltet Ihr vielleicht mal über das Streichen des Begriffs nachdenken.

Adäquat auf das Überweisen der Motion reagierten die beiden Grünliberalen Michael Köpfli und Claude Grosjean: Sie verlangen in einem Postulat, in diesem Darwin-Jubiläumsjahr an der Schule einen Evolutionstag einzuführen, denn es könne nicht angehen, «dass Schulabgängerinnen und Schulabgänger das Leben und dessen Entwicklung und Vielfalt mit irrationalen wissenschaftlich nicht begründbaren Theorien in Verbindung bringen.»

Schöne Pfingsten allerseits - aus welchem Grund auch immer. Zur Einstimmung ein Lied von Christoph und Lollo:

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CVP-Richter bei der Arbeit: Rechtsbehinderung, Pornokonsum und Schlamperei

Der Vorwurf wiegt schwer: Martin Ziegler, Präsident des Schwyzer Kantonsgerichts, soll die Ermittlungen im Fall Lucie Trezzini durch eine Intervention behindert haben. Der Untersuchungsrichterin wurde dadurch der Zugang zu den Verbindungsdaten von Lucies Handy verweigert. Was in der Berichterstattung unerwähnt blieb, ist Zieglers Parteihintergrund: Zu Amt und Würde kam er durch die CVP. Und dieser neuerliche Fall bestätigt einen Verdacht: Die Christdemokraten scheinen bei der Nomination von Kandidaten für Justizämter öfter mal kein gutes Händchen zu haben.

Erst Tage zuvor hatte der jurassische Kantonsrichter Pierre Boinay seinen Rücktritt eingereicht. Der Grund in schönstem Beamtendeutsch: Die «Nutzung nicht-beruflicher Sites im Internet». Im vergangenen Herbst war bereits der Solothurner Untersuchungsrichter Rolf von Felten öffentlich gerügt worden, weil er beim tödlichen Raserrennen in Schönenwerd darauf verzichtet hatte, am Unfallort zu erscheinen und für die Täter eine Untersuchungshaft anzuordnen. Auch in diesen Fällen blieb die Parteibindung in der Berichterstattung unerwähnt – beide sind sie Christdemokraten.

Von Felten wirbt übrigens auf der Website der CVP Grenchen mit dem Slogan «Mein Job ist Ihre Sicherheit». Es scheint, die öffentliche Sicherheit könnte viel eher erhöht werden, wenn die Findungskommissionen der CVP nicht nur ans Pfründe verteilen denken würden.
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Fall Comagic: Regierungsrat wird von allen Seiten heftig kritisiert

comagic-zwillinge
Das Quartier Zürich-Enge gibt nicht auf: Im Schulhaus Lavater zeigen aktuell SchülerInnen, LehrerInnen und Nachbarn an einer Medienveranstaltung, dass sie die angedrohte Ausweisung der beiden Sekundarschülerinnen Aleksandra und Tijana Comagic und deren Mutter Olivera nicht hinnehmen wollen. Ronny Stocker der Väterinitiative Zürich 2 und Daniel Schafroth, Co-Leiter der Schuleinheit Lavater verlesen Grussbotschaften der neu gewählten Stadträtin Corine Mauch (SP) und des Schulvorstehers Gerold Lauber (CVP). Bereits am Vortag hatten Noch-Stadtpräsident Elmar Ledergerber (SP) und Stadträtin Kathrin Martelli (FDP) den Medien gegenüber deutlich gemacht, dass sie die neuerliche Ablehnung des Härtefallgesuchs der Familie Comagic durch den Regierungsrat nicht nachvollziehen können.

Dass der regierungsrätliche Entscheid von der Politik nicht getragen wird, ist seit langem klar. Im Juni 2008 hatten sämtliche Fraktionen der zuständigen Kreisschulpflege meinen Antrag unterstützt, bei Regierungsrat Erich Hollenstein für ein Bleiberecht für Comagics einzutreten. Im Monat darauf folgten persönliche Erklärungen der Kantonsrätinnen aus dem Quartier, Françoise Okopnik (Grüne) und Sabine Ziegler (SP). Und diesen Januar sprachen sich in der Quartierzeitung Zürich 2 die beiden SVP-Gemeinderäte Rolf Stucker und Mauro Tuena ebenfalls deutlich dafür aus, der Familie den Verbleib in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen.

Geprägt ist die Medienveranstaltung allerdings nicht von politischen Stellungnahmen sondern vom Engagement der Schülerinnen und Schüler. Sie drücken mit Gedichten, Liedern und Ansprachen ihre Solidarität aus. Der mehrheitlich aus Landvertretern zusammengesetzte Regierungsrat interessiert sich allerdings nicht für das Gemeinschaftsleben in der Stadt Zürich. Es ist an der Zeit, dass das urbane Zürich ein eigenständiger Kanton wird!

Foto: Timothy Stocker
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Katholische Moraltheorie: Holocaustleugner gut, Vergewaltigungsopfer schlecht

Der misogyne Altherrenclub, der unter dem Namen «Katholische Kirche» auftritt, schlägt wieder einmal zu: Der brasilianische Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho teilte am Mittwoch mit, dass die Mutter eines neunjährigen Mädchens, welches von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde, von der Kirche ausgeschlossen wird. Der Grund: Die Tochter wurde durch dieses Verbrechen mit Zwillingen schwanger, die Mutter folgte dem Rat der Ärzte und stimmte einer Abtreibung zu.

Die Exkommunion, so der alte Mann in der Narrenkappe, musste gar nicht extra angeordnet werden, die sei nämlich zwingend für alle, die an einer
Katholischer Erznarr Jose Cardoso Sobrinho
Abtreibung beteiligt sind, die leitende Ärztin und weiteres Spitalpersonal eingeschlossen. Das sei ein Gesetz Gottes, und dieses stehe immer über von Menschen definierten Regeln.

Nicht betroffen vom kirchlichen Rauswurf ist selbstredend der Täter. Für ihn gilt dasselbe wie für den Holocaust-Leugner Williamson: Er ist ein braves Schaf, wie es der Oberhirte im Himmel gerne hat.

Cardoso:
Die Narrenkappe ist Programm

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Ein Fall für den Presserat: Der Tages-Anzeiger als Werbeplattform

Der Tages-Anzeiger (TA), Hauptorgan des Fastmonopolisten* TA-Media, macht ungehemmt Werbung für die die One-woman-Scharlatanin Monica Kissling. Unter dem Titel «In der Not schauen die Banker in die Sterne» lässt die TA-Journalistin Susanne Loacker, Kissling behaupten, dass sie die Bankenwelt berate, aus Diskretionsgründen aber natürlich nicht mit Namen rausrücken könne.

kissling_werbung
Das Interview besteht ausschliesslich aus Steilpässen der Journalistin, die es Kissling ermöglichen, ihre Plattitüden völlig unkritisiert von sich zu geben. Angereichert wird die Publi-Reportage mit dem Link auf Kisslings kommerzielle Website und einer Übersicht ihrer «Geschäftstätigkeit».

Dieser Gefälligkeitsbeitrag ist ein klarer Verstoss gegen die Pflichten der JournalistInnen, wie sie der Schweizerische Presserat definiert hat. Punkt zehn besagt:

Sie vermeiden in ihrer beruflichen Tätigkeit als Journalistinnen und Journalisten jede Form von kommerzieller Werbung und akzeptieren keinerlei Bedingungen von seiten der Inserenten.


Die Online-KommentatorInnen sind ziemlich einhellig der Meinung, dass der Beitrag verantwortungslos ist. Mal schauen, ob es der Presserat auch so sieht. Wir bleiben dran...

s.a. 11.01.2009 Von Gauklern, Scharlatanen und Scheinwissenschaftlern

* Online erscheint der Artikel zeitgleich bei tagesanzeiger.ch, bazonline.ch, derbund.ch, bernerzeitung.ch und thurgauerzeitung.ch
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Luzern: Radikale Christen drohen mit Anschlägen

In Luzern drohen radikale Christen damit, Busse abzufackeln, sollten die Verkehrsbetriebe VBL die geplanten Inserate der Freidenker-Vereinigung annehmen. Im weiteren wurden VBL-Kadermitarbeiter beschimpft. «Geniess das Leben» scheint für gewisse Spinner eine unerträgliche Botschaft darzustellen.

Die VBL haben Strafanzeige eingereicht, lassen sich aber dennoch einschüchtern. Sie wollen gemäss 20 Minuten die Plakate nun ablehnen.
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Die Welt verstehen - heute mit Pius-Bruder Franz Schmidberger

Es gibt unterschiedliche Schweregrade der Sünde. Die schlimmste ist die Gotteslästerung. Weniger schlimm ist die Beleidigung seiner Geschöpfe. Deshalb ist das Abreissen eines Armes einer Jesus-Statue «objektiv eine schwerere Sünde als der Terroranschlag von New York».

Diese Klärung verdanken wir Pater Franz Schmidberger, CEO der der deutschen Niederlassung der Priesterbruderschaft St. Pius X und gemäss dem SWR-Magazin Report Mainz ein enger Vertrauter von Gründervater Marcel Lefebvre. So hatte er diesen bei der Weihe der kürzlich vom Vatikan rehabilitierten vier Bischöfe assistiert.

Da stellt sich die Frage, wieso sich die Pius-Brüder überhaupt die Mühe machen, den Holocaust zu leugnen. Denn der war ja nur gegen Menschen, nicht gegen ihren Gott gerichtet. (via hpd.de.)

27.05.2008 Die Welt verstehen - heute mit Sharon Stone
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Philippe Welti, PR-Blogger und Stoehlker-Mitarbeiter geht unter die Spammer

Gestern Abend trudelte ein seltsames Mail ein. Ein Tami Welti lud zu einer Facebook-Gruppe ein, die kommerzielle Ferien in Portugal anpreist. Der Absender gehört nicht etwa zu meinen Facebook-«Freunden». Nein, der mir unbekannte Sender bediente sich eines Tricks, um via Facebook einen Massenversand an nicht verlinkte Personen zu schreiben. Er nutzte gleich hundertfach die Möglichkeit, dass man aus Facebook heraus Personen auch über ihre email-Adresse kontaktieren kann:



102 mal Spam via Facebook: So macht Stoehlker-Mitarbeiter Philippe Welti Werbung für sein Familienunternehmen


Beim Anschauen der Gruppe wurde sofort klar, wie ich in den Adressverteiler kam. Der eigentliche Urheber ist das einzig andere Mitglied dieser Gruppe, Philippe Welti, PR-Blogger und Stoehlker-Mitarbeiter. Dieser Welti ist auch Inhaber der Domain, mit dem sich das Fereinresort auf dem Web präsentiert. Welti kam einzig und allein zu meiner email-Adresse weil ich ihm vor einem halben Jahr mal auf ein technisches Problem bei seinem Blog hingewiesen hatte. Das war der einzige Kontakt zwischen uns. Als Freipass zum Spammen - dazu noch über eine Drittperson und via Facebook - war dies sicher nicht gedacht. Ein Kommentar, den ich gestern auf seinem Blog abgesetzt hatte, mit der Aufforderung, dies künftig zu unterlassen, verschwand in Windeseile. Welti, der sein Blog mit der Catchline «Medien und Kommunikation: Verstehen, was ist» versehen hat, will offenbar beim Fernmeldegesetz selbiges auf die harte Tour erreichen.
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Religulous - aktuelle Fallbeispiele

Das Wort zum Sonntag

Ob’s an der Jahreszeit liegt? Religiöse Wirrköpfe bemühen sich aktuell mit besonders absurden Verlautbarungen um Schlagzeilen. In England verspricht der von Sozialhilfe lebende Imam und Rechtsanwalt Anjem Choudary seinen muslimischen Glaubensbrüdern die Verdammung in der Hölle, sollten sie an Weihnachtsfeiern teilnehmen. Und in der Schweiz betet Ex-Junkie und SVP-Aktivist Daniel Regli mit seiner putzigen Familienlobby für Regen während der nächstjährigen «Euro Pride», da er Homosexualität als Sünde betrachtet.

Selbstredend begründen sowohl Choudary wie auch Regli ihre Positionen mit Verweisen auf ihre jeweiligen religiösen Lieblingstexte. Entsprechend lau blieb die gesellschaftliche Unterstützung für die Sektierer.

Vielleicht sollten sie’s mal mit der Strategie des Leipziger Theologieprofessors Peter Zimmerling versuchen. Er empfiehlt seinen Schäfchen, beim Missionieren eine nicht-religiöse Alltagsprache zu verwenden und an populäre Kultur, etwa an Kinofilme, anzuknüpfen.

Hervorragend dazu geeignet wäre beispielsweise der Film «Religulous», in dem der US-Amerikanische Satiriker und Bill Maher eine ganze Palette an religiösen Wirrköpfen präsentiert. Damit sollte ihnen sogar das gelingen, wonach sich Zimmerling so sehr sehnt: Mit Atheisten ins Gespräch zu kommen.

(Teile via SideEffects und humanistischer Pressedienst)
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Wenn Kieselsteine und Neuronen sich verschränken

Am vergangenen Montag luden der Hochschulableger Life Science Zurich, die Stiftung Science et Cité und das PR-Büro advocacy in die Buchhandlung und Bar sphères zur diesmonatigen Science Bar ein. Hier eine leicht verspätete Rückschau auf den Abend zum Thema «Spukt es in der Welt oder im Hirn, an dem der Neuopsychologe Peter Brugger und der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou auftraten.

Peter Brugger geht davon aus, dass sich scheinbar übersinnliche Erlebnisse am besten dadurch erklären lassen, dass unser Hirn uns gelegentlich einen Streich spielt. Er interessiert sich deshalb vornehmlich für neuronale Strukturen und deren Funktionieren und erforscht Unterschiede zwischen Menschen, welche als skeptische Denker gelten und denjenigen, die sich schnell für übersinnliche Deutungen erwärmen. Die zweite Gruppe neigt unter anderem eher dazu, Ereignisse, die kurz hintereinander auftreten, in einen bedeutungsvollen Zusammenhang zu stellen, beispielsweise wenn jemand anruft, an den man eben gedacht hat. Das Bilden solcher Assoziationen wird durch Prozesse in der rechten Hirnhälfte begünstigt. Und die scheint bei Menschen mit einem Hang zum Paranormalen überdurchschnittlich aktiv zu sein.

Auch Walter von Lucadou geht von neuronalen Unterschieden zwischen den beiden Gruppen aus. Dennoch sucht er Erklärungen am liebsten in der Aussenwelt. Und da spielt er zuweilen gerne den nüchternen Physiker. Eine Geschichte, die er zwar an diesem Abend nicht erzählte, die aber in Interviews gerne zum Besten gibt, ist diejenige eines Mannes, der sich an ihn wandte, weil aus seinem Teekessel scheinbar Stimmen kamen. Von Lucadau erkannte, dass der Teekessel auf der Herdplatte im Strahlungsfeld eines Mittelwellesenders zum Lautsprecher wurde, die Stimmen waren also nichts anderes als das Radioprogramm. Doch nicht immer weiss er seltsame Vorkommnisse ebenso leicht zu deuten. So berichtete er von einem Haus, in dem Kieselsteine scheinbar aus dem Nichts auf den Boden zu fallen pflegten, wenn die Hausbewohner zugegen waren. Auch hier vermutete er den Spuk, den er selbst erlebt hatte und mit einem Schächtelchen solcher Kieselsteine zu illustrieren suchte, in der Aussenwelt und nicht in den Gehirnen der Beobachter.

Auf die Frage - ich konnte sie mir nicht verkneifen - ob er sich denn erklären könne, wie sich denn die Steine offenbar selektiv denjenigen vor die Füsse werfen, deren Gehirn so beschaffen ist, dass sie den Spuk tatsächlich wahrnehmen, wurde von Lucadou, der bereits den grössten Teil der Redezeit für sich beansprucht hatte, noch einmal so richtig redselig. Schwache Quantentheorie ist seine Erklärung. Damit lässt sich aus seiner Sicht nicht nur gefühlte Gedankenübertragung erklären sondern eben auch das Auftauchen von Kieselsteinen aus dem Nichts. Die Quantenmechanik besagt, dass unter gewissen Umständen zwei subatomare Teilchen nur als Gesamtsystem beschrieben werden können, eben dann, wenn sie so genannt verschränkt sind. Und diese Verschränkung führt nun offenbar zu einer Koordination zwischen Kieselsteinen und Gehirnstrukturen. Kaum wünscht sich die Tochter der Familie, die von Lucadou als wahrscheinliche Ursache des Spuks darstellte, Kieselsteine herbei, kommen sie - quantenphysikalischer Verschränkung sei dank - heran geflogen. Für Ausführungen, wie denn diese Verschränkung konkret zustande komme und was denn genau passiert, wenn die Wünsche verschiedener Anwesender einander ausschliessen, reichte die Diskussionszeit leider nicht mehr.


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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der egomanste im ganzen Land?

Alt Bundesrat Christoph Blocher befragt täglich sein Spieglein an der Wand, wer der Fähigste sei im ganzen Land. Und, oh Wunder, das Spieglein gibt dem alten Herrn treu und zuverlässig die Antwort, die er erwartet - wie er heute stolz der NZZ vermeldet.

«Niemand in der SVP bestreitet, dass ich der Fähigste bin.»


Tragisch daran ist eigentlich nur, dass er diese Art der Datenerhebung wohl für repräsentativ hält.
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Raufende Priester zum Dritten

Die Geschichte ist zwar schon sechs Tage alt, aber da die Berichterstattung über derlei Ereignisse hier schon fast Tradition hat und es ausserdem gleich Sonntag und schon bald Weihnachten ist, kriegt dieser kleine Bericht aus Jerusalem doch noch einen Eintrag:

Griechisch- und Armenisch-Orthdoxe Christen haben wieder mal auf gute alttestamentarische Art auszuloten versucht, wer in der so genannten Grabeskirche wann und wo das Sagen hat. Die Polizei schritt ein, bevor die Frage abschliessend geklärt werden konnte.



siehe auch:

20.04.08 Die Botschaft der Liebe - mit Fäusten überbracht
29.12.07 Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?
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Rationalisierung bei der Armee: Piloten werden durch Bleiklumpen ersetzt

Die Schweizer Armee führt seit Jahrzehnten voller Stolz eine Sammlung von Gefährten und Geräten mit beschränkter Nutzung™. Inspiriert durch den Panzer 68, der beim Einschalten der Heizung die Kanone abfeuerte, wurden nach und nach weitere Skurrilitäten erworben, z.B. nicht funktionierende Panzerabwehrwaffen, zehn Kilogramm schwere Funkgeräte, Drohnen, die aus Sicherheitsgründen nur in Begleitung von Helikoptern in die Lüfte steigen dürfen, oder Schützenpanzer, die in seichten Gewässern stecken bleiben.

Jüngste Akquisition für die Sammlung waren 20 Eurocopter, die umkippen und deshalb nur geflogen werden dürfen, wenn der Co-Pilotensitz besetzt ist. Doch den professionellen Fliegergewichten droht nun die Wegrationalisierung: Sie sollen durch Bleiklumpen ersetzt werden.

Als Gegenmassnahme baut Eurocopter bei den zwei Maschinen, die für VIP-Flüge eingesetzt werden, ein Ausgleichsgewicht ein. [..] Dieselbe Korrektur soll auch bei den 18 Truppenhelikoptern vorgenommen werden.


Nicht einmal mehr vor der Armee machen Rationalisierungsmassnahmen Halt...
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Grünliberale bremsen öffentlichen Verkehr aus

Seit Neuerem gibt es die Grünliberalen in der halben Deutschschweiz. Ihre eigentliche Heimbasis ist aber nach wie vor Dübendorf. Dort, im Zürcher Vorort, dem es kaum gelingen will, als eigenständige Kleinstadt wahrgenommen zu werden, wohnen GLP-Gründer Martin Bäumle und sein politischer Ziehsohn Thomas Maier, seines Zeichens Präsident der grünliberalen Kantonsratsfraktion.

Beide sind dort auch Kommunalpolitiker, Bäumle ist Finanzvorstand und Maier Parlamentsmitglied. Und gestern Abend hatten er und seine Gemeinderatsfraktion mal wieder einen richtig medienwirksamen Auftritt: Im Verbund mit der SVP und einzelnen Freisinnigen haben sie den Ausbau des Bahnhofs Stettbach verhindert. Zu teuer seien die Pläne der Verkehrsbetriebe Glattal, die zusammen mit den VBZ Schirmherrin sind über die oberirdisch verkehrenden öffentlichen Verkehrsmittel - die neue Glattalbahn eingeschlossen. (Die SBB sind für die S-Bahn zuständig, die Stettbach unterirdisch erschliesst.) Und der Verteilschlüssel sei nicht gerecht, monierten die Grünliberalen. 6.6 Millionen Franken hätte die Stadt Dübendorf an die Gesamtkosten von gut 40 Millionen Franken bezahlen sollen, 5.5 Millionen hatte die Stadt Zürich beitragen wollen - hätte Dübendorf mitgemacht.

Stettbach nimmt heute schweizweit in Sachen Reisendenzahlen bereits Rang 15 unter allen Bahnhöfen ein - hat aber etwa den Charme der unterirdischen Tramhaltestelle «Tierspital» in Zürich. Mit der Glattalbahn werden die Frequenzen weiter zunehmen. In erster Linie werden die Arbeitsplatzgebiete auf Dübendorfer Boden besser erschlossen. Die Stadt ist also hauptsächliche Nutzniesserin des verbesserten Angebotes. Dank des verkrampften Versuchs der Grünliberalen, sich als antietatistische Partei zu positionieren, wird es in Stettbach nicht einmal zu einem Ausbau der Veloabstellplätze kommen.

Einziger Ausweg ist eine Volksinitiative, die den Dübendorfer Beitrag doch noch sichern soll. Die SP will schnellstmöglich eine lancieren, wohl zusammen mit der CVP, den Grünen und anderen lokalen Partnern.
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Einbunkern und auf den Atomkrieg warten - wenn Lobbyisten den 1. August feiern

«Käme es wirklich zu einem Atomkrieg, dann wären die Überlebenden die US-Administration, ausgewählte Israeli, einige Insektenarten und die gesamte Schweizer Bevölkerung. Zeit für eine Würdigung eines echten Nationalheiligtums.»



So klingt es, wenn sich die «Arbeitsgemeinschaft Schutz + Sicherheit» zum schweizerischen Nationalfeiertag zu Wort meldet (PDF), ein Verbund von sechs «Zivilschutztechnik»-Anbietern, welcher sich vom PR-Büro Stoehlker beraten lässt. Die Firmenvertreter haben Angst, grosse Angst. Nicht vor einem Atomkrieg, Terrorismus oder einer AKW-Havarie, nein, gegen all dies sind sie ja dank ihrer Bunker geschützt, wie sie in ihrem Communiqué betonen. Angst haben davor, dass die Schutzraumpflicht fällt und so ihr staatlich garantierter Absatzmarkt zusammenbricht. Und das Szenario ist nicht unrealistisch: Vor zwei Jahren hatte der Nationalrat eine entsprechende parlamentarische Initiative gestützt, im Ständerat kommt die Vorlage in absehbarer Zeit auf die Traktandenliste.

Die Arbeitsgemeinschaft preist deshalb den persönlichen Schutzraum wohl überlegt auch für den zivilen Gebrauch an:

«In Friedenszeiten ist er vielfältig nutzbar als Lagerraum für selbstgemachte Konfitüre, brandsicheres Archiv, Musikraum für pubertierende Rockstars und Weinkeller für wertvolle Flaschen.»



Natürlich wollen auch Konfitüren und Weinflaschen durch Panzertüren und ABC-Filter geschützt sein. Doch die vielleicht wichtigste Anwendung lassen die Lobbyisten in ihrer Mitteilung unerwähnt: In den Bunkern herrscht das richtige Mikroklima, um das helvetische Reduit-Denken am Leben zu erhalten. An der freien Luft hingegen verflüchtigt es sich unkontrolliert.

Lieber Frédéric Venetz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft, das Bunkerklima behagt Ihen sichtlich. Dennoch, und auch wenn’s heute regnet: Trauen Sie sich mal nach draussen. Sie werden angenehm überrascht sein. Allerseits einen frohen 1. August.

(via welti.ch)
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Befreit Moritz Leuenberger aus seiner Zeitschleife!

Vor beinahe eineinhalb Jahren entdeckte Moritz Leuenberger das Bloggen. Als erster im Bundesrat. Und weil er so ein tifiger1 ist, glaubt er offenbar, ständiger Trendsetter zu sein. Jedenfalls verkündet er heute stolz und amtlich, den weltweit ersten 1.-August-Blog-Eintrag verfasst zu haben - und die Presse plappert ihm dies brav nach.

Eine kurze Suche bestätigt, was eigentlich klar war: Darauf sind nun wirklich schon andere gekommen - vor Jahren. Christian Schenkel titelte seinen edemokratie.ch-Beitrag vom 1. Juni 2006 unzweideutig «Meine Rede zum 1. August». Die verlinkten Damen und Herren haben allerdings allesamt darauf verzichtet, ihre Worte auch noch über Lautsprecher hinauszutröten - was durchaus nicht gegen sie spricht. Aber selbst wenn dies für Leuenberger ein Kriterium gewesen sein sollte: Leuenberger muss dennoch hinten anstehen. Letztes Jahr sprachen z.B. Bastien Girod in Wald ZH und Balthasar Glättli in Bubikon und veröffentlichten pflichtbewusst ihre Reden in ihren Blogs. Ja, wozu wird denn Glättli vom Staatsschutz überwacht, wenn nicht einmal derlei essentielle Information zu den richtigen Bundesstellen gelangt?


1 helvetisch für fleißig
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«Brutale atheistische Aggression» - der kreuz.net-Zug gegen das kleine Ferkel und seinen Schöpfer

Die Macher des online-Portals für ultraorthodoxen Katholizismus, kreuz.net, lesen gerne bei der säkularen Konkurrenz mit. Beim Humanistischen Pressedienst entdeckten sie, dass der Autor des Kinderbuches «Das kleine Ferkel», Michael Schmidt-Salomon, gegen einen Regensburger Bischof klagt.

Kath.net berichtet unter dem Titel «brutale atheistische Aggression» von der Klage des «notorischen deutschen Gottlosen» und «Haßpredigers» Schmidt-Salomon, die von seinem «rabiaten Verleger» Gunnar Schedel, der kommunisitische Schlächter rechtfertige (weil er das faschistische Franco-Regime anprangerte) voll und ganz gestützt wird. Weil Schmid-Salomon sich für ein Recht auf Abtreibung ausspricht, ist er in den Augen der kath.net-Sektierer «ein Verfechter der Kindstötung».

Was war überhaupt vorgefallen? Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig hatte in einer Predigt den Inhalt des Kinderbuches völlig verzerrt wiedergegeben und Schmidt-Salomon unterstellt, ethische Werte grundsätzlich abzulehnen:

Man brauche doch gar keine Ethik, keine humanistische Auswirkung unseres christlichen Gottesglaubens. Der Mensch sei doch verfügbar für den anderen Menschen. Warum sollten Kindstötung, Abtreibung oder therapeutisches Klonen verboten sein?



Die Aussagen sind allerdings frei erfunden, Schmidt-Salomon vertritt klare ethische Prinzipien, die sich in seinem Manifest des evolutionären Humanismus nachlesen lassen.

Nach der Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, tauschte das Bistum Regensburg die online verfügbare Rede durch eine entschärfte, «autorisierte» Fassung aus, sieht aber Sermone als «persönliche Verkündigung des Predigenden» und, so Schmidt-Salomon, die Glaubensfreiheit offenbar als Freibrief für Verleumdungen aller Art. Kath.net scheint das dringende Bedürfnis zu verspüren, diese Annahme zu untermauern. Eines sollten sich deren Schreiber aber vielleicht merken: Schmidt-Salomon dürfte das Etikett «notorischer Atheist» eher als Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes denn als Beleidigung verstehen.

Michael Schmidt-Salomon ist übrigens diesen Herbst zu Gast bei öffentlichen Veranstaltungen der Schweizer Freidenker:
  • Montag, 27. Oktober, Bern (Ort noch offen), 20 Uhr
  • Dienstag, 28. Oktober, Solothurn, Konzertsaal, 20 Uhr
  • Mittwoch, 29. Oktober, Basel, Merian Saal, Hotel Merian/Café Spitz, 20 Uhr
  • Donnerstag, 30. Oktober, Winterthur, Hotel Wartmann, 20 Uhr
  • Freitag, 31. Oktober 2008, Zürich, Zentrum «Karl der Grosse», 20 Uhr.

Zur Auseinandersetzung um das Kinderbuch siehe auch die früheren Einträge
When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches
Kein Maulkorb für Igel und Ferkel
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Liebe Libyer, wenn schon protestieren, dann aber richtig

Die Schweiz kerkert Hannibal Qadhafi für zwei Tage ein. Grund genug für dessen Papa, den alten Tyrannen, durchzudrehen. Zum Staatsprotest gehört auch eine würdevoll inszenierte Demo des gesunden libyschen Volksempfindens.


Quelle: Keystone / Tages-Anzeiger

Liebe Staatsdemonstranten, könnt Ihr dies nicht so handhaben, wie damals, als Ihr gegen die Verurteilung der Lockerbie-Attentäter aufbegehrt habt?

Two Libyans have slashed themselves during a demonstration in the capital, Tripoli, against the conviction of a Libyan for the Lockerbie bombing.One man took out a razor-blade and slashed his throat, falling to the ground with blood spurting from his neck before being taken away in an ambulance. A second man stabbed himself in the stomach.



Es würde so irgendwie noch authenischer wirken. Herzlichen Dank im Namen der helvetischen Zaungäste.
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Die Welt verstehen - heute mit Sharon Stone

Die Welt scheint oftmals unergründlich. Aber da sind ja die Religionen, die es uns ermöglichen, verborgene Zusammenhänge zu sehen. Zum Beispiel, dass die Erdbeben in China wohl die Folge eines schlechten Karma sind, wie Sharon Stone vermutet:

"I’m not happy about the way that the Chinese are treating the Tibetans. [...] Then all this earthquake and all this stuff happened, and I thought, is that karma? When you’re not nice, that the bad things happen to you?"

Mehr...
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Don Camilotto im Kampf gegen das Böse

Don Camilotto ist Pfarrer und Religionslehrer am Liceo 1 in Lugano. Und er unterrichtet offenbar mit mehr Hand als Herz und Verstand. Jedenfalls schlug er auf dem Pausenplatz auf zwei dreizehnjährige Schülerinnen ein, da er meinte, von ihnen ein "porco dio" gehört zu haben.

Gemäss Berichterstattung tauschten die Schülerinnen nur ein "porco zio" aus, aber das ist im Grunde nebensächlich. Wenn ein Pfaff das Bedürfnis hat, nach den Worte Jesu zu leben - "Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. (Matthäus 10,34)" - ist das seine Sache. Wenn er sich aber zum Prügeln genötigtMehr...
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Yvette Estermann und die Risiken der Homöopathie

Das Absingen des Schweizerpsalms ist für Yvette Estermann nicht Hobby genug. Die Homöopathin aus Kriens ist nicht nur seit einem halben Jahr Nationalrätin im Nebenerwerb sondern ganz neu auch Präsidentin der SVP des Kantons Luzern.

Sie ist die erste Frau, welche dieses ehrwürdige Amt bekleidet. Estermann sieht die SVP jedoch ausdrücklich nicht als Männerpartei, wie sie 20 Minuten gegenüber erklärt.

Woher auch der Verdacht, die SVP könne als Männerpartei wahrgenommen werden? Die 25-köpfike Luzerner Kantonsratsfraktion zählt schliesslich zweiMehr...
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Und nun grassiert Patriotismus auch noch bei der SP

Ist dies nun die sozialdemokratische Antwort auf die CVP-Forderung, Doppelbürger im Bundesparlament zu outen? Die Genfer SP sträubt sich dagegen, Ausländer zum Polizeidienst zuzulassen. Was für Verwaltungsbeamte, Lehrer und andere Angestellte der öffentlichen Hand wie auch für Pfaffen kein Problem darstellt, ist nach der Logik des SP-Grossrats Alberto Velasco bei Polizisten überaus heikel:

«Ich will keine Söldnerpolizei. Als Genfer Bürger würde es mich stören, wenn mich ein Polizist festnähme, der in der Schweiz keine politische Rechte besitzt.»



Dem Grossrat scheint erstens entgangen zu sein, dass Genf seit drei Jahren seine ausländischen Mitgbewohner auf kommunaler Ebene mitbestimmen lässt. Zudem hat er wahrscheinlich noch nicht mitgekriegt, dass in Basel 20 Ausländer zum dortigen Corps gehören, ohne dass irgend jemand darin eine patriotische Pflichtverletzung sieht.

Die Initianten der Vorlage, Grüne und Liberale, dürften im Rat für ihr Anliegen eine deutliche Mehrheit finden. Denn auch bei der SP können nicht alle Velascos Argumente nachvollziehen.
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CVP versucht sich im Patriotismus (und die FDP unterstützt sie dabei)

Die Forderung, aus dem Nationalrat ein einig Volk von Psalmensängern zu machen, kam natürlich von der SVP - wahrscheinlich zur besseren Integration der Motionärin, die ja blosse Papierlischwyzerin ist. CVP-Nationalrätin Kathy Riklin möchte nun aber offenbar die Stimmen der national orientierten Schweizer nicht ganz der SVP überlassen und fordert deshalb, dass National- und Ständeräte Zweitstaatsbürgerschaften deklarieren müssen.

Und offenbar verlangt FDP-Nationalrat Olivier Français, dass man seine Bürgerrechte ausschliesslich am Wohnort wahrnimmt. Was wohl die Kandidaten auf den Nationalratslisten der FDP-Auslandschweizer dazu meinen?

(via arlesheimrelaoded)
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Scientology mal wieder

Am liebsten verkaufen sie ja ihre überteuren Kurse. Zur Not preisen sie ihre krude Heilslehre aber auch gratis an. Ein dänischer Scientology-Verlag hat mehrere Schweizer Bibliotheken unaufgefordert mit dem Geschreibsel ihres Gründers Ron Hubbard "beglückt" - eine Solothurner Bibliothek erhielt gleich 18 Bücher. Als nächstes folgten folgten Kontrollbesuche und -anrufe. Die BestandesverwalterInnen horteten die Bücher jedoch lediglich während zweier Wochen und warfen sie anschliessend fort.

In einzelnen Gemeinden folgten anschliessend Beschwerdebriefe an Behörden. Gemäss Scientology-Pressesprecher war alles nur ein Missverständnis. Ist ja eigentlich auch undenkbar, dass Scientology derart aggressiv auftritt...

(Berner Zeitung via humanistischer Pressedienst)

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Die Kreuzritter des Kreationismus nun auch in Zürich aktiv

Es ist gerade mal fünf Tage her, da hatte der Berner Grosse Rat beschlossen, dass religiöse Mythen im Biologieunterricht nichts zu suchen haben. Mit 99 zu 23 wurde ein EDU-Vorstoss abgelehnt, der den Berner SchülerInnen die Schöpfungslehre als «Alternative zur Evolutionstheorie» um die Ohren schlagen wollte.

Der Grossratsentscheid liess hoffen, dass der Volksschule und der Politik weitere Kreationismusdebatten erspart würden. Doch weit gefehlt: Wie die Mehr...
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Das Ende der classe politique - selon Toni Brunner

Es scheint also zu stimmen: Toni Brunner kann kein französisch. Er wettert nicht wie sein geistiger Übervater gegen die «classe politique», sondern so teutonisch, wie's sein Wortschatz zulässt, gegen die «politische Klasse». Das Volk müsse die «Machtübernahme durch die politische Klasse» stoppen, predigte er seinen weissen Schäfchen an der heutigen SVP-Delegiertenversammlung.

Das klingt selbstredend besonders glaubwürdig aus dem Munde von jemandem, der nach jedem Partei- und Staatsamt griff, das in Reichweite lag...
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Uriella und der Gottesbeweis

Erbauendes (und wie immer überaus Wichtiges) vermeldet heute-online: Auf Göttliches Geheiss hin gibt Uriella, die nun schon ein Jahr schweigt, weiterhin keine Interviews.

Ach gütiger Gott, ja gibt es Dich vielleicht doch? Ja wenn Du schon dabei bist: Könntest Du vielleicht dafür sorgen, dass Madame Etoile künftig höchstens noch Wetterprognosen in den Äther trötet, Uri Geller vom Löffel biegen auf abgeben umsattelt, die Wachturm-Verteiler künftig Fahrbahnen statt Trottoirs blockieren und die Scientologen sich nach Hollywood zurückziehen?

Für so ein omnipotentes Wesen müsste das doch problemlos umsetzbar sein, oder? Sagen wir bis zum 10. März? So viel zielgerichtetes metaphysisches Eingreifen würde mir elendem Skeptiker als Gottesbeweis vollkommen genügen. Sollte das Datum aber ungenutzt verstreichen, gilt dieser Blog-Eintrag als Teilnahme am Blog-Karneval von Benjamin B. mit selbigem Stichdatum zum Thema «Wie hast Du's mit der Religion?».

Erwartungsvoll,
Andreas

Ein Blogkarneval ist eine Online-Umfrage eines Bloggers zu einem beliebigen Thema, die zumeist durch Erwähnung in weiteren Blogs im Schneeballsystem verbreitet wird.
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Viele, viele bunte Rechtssysteme? Zu den Plänen des Erzbischofs von Canterbury

«Achse der Religiösen» betitelt Reta Caspar in einem Kommentar zur NZZ-Berichterstattung den Vorschlag des Erzbischofs von Canterbury, für gewisse Streitigkeiten Sharia-Gerichtsbarkeit in Grossbritannien zuzulassen. Die Redaktorin des Magazins «frei denken» bringt es auf den Punkt: Religionsvertreter verbünden sich in ihrem Interesse, religiös begründetes Recht gegen säkulares Recht durchzusetzen. Im BBC-Radio-Interview spricht Rowan Williams denn auch von der Unzufriedenheit von Katholiken und Anglikalen mit der britischen Abtreibungsgesetzgebung.

Rowan Williams in seinem Lieblingskostüm
Rowan Williams: nicht nur die Kopfbedeckung ist karnevalesk (Foto: G. Fuller/Guardian)

Der Erzbischof zeigt grosses Verständnis für religiöse Sonderwünsche: «members of minority religious communities feel that the gap between their principles and the legal system of the state is so vast, the only option open to them is to opt out of the mainstream legal system».

Grossbritannien scheint ein geeignetes Versuchslabor für das Konzept von parallelen Rechtssystemen, hat es doch bereits lange Tradition. Ich denke dabei weniger an die jüdisch-orthodox Gerichte, die z.B. über Scheidungsbegehren entscheiden sondern an die Immunität für Angehörige des Königshauses und der Schutz vor Verhaftung bei Zivilklagen für Aristokraten, Pfaffen Parteispender und andere sogenannte Peers.

Die Reaktionen auf die Vorschläge des britischen Überhirten sind reihum kritisch. Die BBC zitiert den Vorsitzenden der Liberaldemokraten Nick Clegg, folgendermassen:

«Equality before the law is part of the glue that binds our society together. We cannot have a situation where there is one law for one person and different laws for another.»



Vielleicht verhilft diese Einsicht ja dazu, auch die bestehenden juristischen Ungleichheiten endlich abzuschaffen.
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When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches

Kinderbüchern haftet oft der Ruf an, sie seien reichlich moraltriefend, müssten mindestens so sehr erzieherisch wertvoll wie unterhaltsam sein. Als Beispiel möge Der Regenbogenfisch lernt teilen dienen. Den Anspruch, Kinder in die richtigen Bahnen zu leiten, haben sicherlich auch religiös ausgerichtete Kinderbücher. Solche sind in der aktuellen Amazon-Bestenliste in dieser Kategorie mit so erbauend klingenden Titeln vertreten wie «Ich bin das Licht, Komm freu Dich mit mir», «Du bist einmalig» oder «Ich will dir was erzählen, lieber Gott. Mit Kindern beten ist schön».

Man könnte leicht zynisch schlussfolgern, Kindern wird aus erzieherischen Gründen das selber Denken abgenommen. Dabei gibt es sehr wohl Kinder, die sich dieses Recht frech herausnehmen wollen - wie es im besten aller Kinderbücher anschaulich dokumentiert ist:

"Thinking again?" the Duchess asked, with another dig of her sharp little chin."I've a right to think," said Alice sharply, for she was beginning to feel a little worried."Just about as much right," said the Duchess, "as pigs have to fly...."



So sehr wie Schweine ein Recht zum Fliegen haben, wird also der kleinen Alice im Wunderland beschienen, habe sie ein Recht zu denken.

Den armen Schweinen wird ja neuerdings nicht nur das Recht zum Fliegen abgesprochen, Piglet wurde aus dem türkischen Fernsehen verbannt, die drei kleinen Schweinchen will man aus britischen Schulzimmer aussperren. Und nun soll es eben einem deutschsprachigen Ferkel an den Kragen gehen.

Doch dieses lässt sich nicht so einfach unterkriegen. Drei Tage nach dem Antrag des deutschen Familienministeriums, das religionskritische Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott?» fragte das kleine Ferkel zu verbieten, ist dieses in der deutschsprachigen Bücher-Bestsellerliste von amazon.de auf Platz 1 gelandet.

Die Schweine lassen lassen sich also das Fliegen nicht nehmen. Und die Kinder nicht das Denken. Das ist gut so. Dem Familienministerium kann man für die Beihilfe zu dieser Klärung eigentlich nur dankbar sein.
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Der schweinischen Zensur zweiter Teil

Schweine aus der Welt der Kinderbücher bedrohen die Zivilisation offenbar mit System. Erst letzte Woche Woche musste die staatliche britische Agentur für Lerntechnologie eine CD von einem Wettbewerb verbannen. Hatten es die Autoren doch gewagt, ihre Lern-Software auf der anstössigen Geschichte der drei kleinen Schweinchen zu basieren.

Nun mussten aus Gründen des Jugendschutzes auch deutsche Ordnungshüterinnen einschreiten, gegen ein Ferkel, das obszöne Fragen stellt, z.B. «Wo bitte geht's zu Gott?» Das Familienministerium möchte das religionskritische Kinderbuch des Schriftstellers Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke auf den Index setzen, es also für Kinder und Jugendliche so unzugänglich machen wie harte Pornographie und Nazi-Literatur.

Der Verlag und die humanistische Bruno Giordani-Stiftung haben nun eine Aktion "Rettet das Kleine Ferkel" gestartet.



Doch die Unterschriftenaktion greift eigentlich zu kurz. Denn neu ist der Trend nicht. Bereits 2006 hatte das staatliche türkische Fernsehen Winnie the Pooh verbannt wegen dessen enger Beziehung zu Piglet.

Es braucht wohl eine grössere Gegenbewegung. save-the-piglets.com vielleicht?
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"President Putin of Germany" - the world according to McCain

Man muss kein durchgeknallter Scientologe sein und auch keine geografisch herausgeforderte Fernsehquiz-Teilnehmerin um als AmerikanerIn bei den meisten Europäern durchzufallen.

Nein, die Rolle «republikanischer Präsidentschaftskandidat» genügt vollauf...


(Via 20min)
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Die politisch unkorrekten drei kleinen Schweinchen - religious tolerance gone bananas

Seit anfangs Dezember 2007 wissen wir, dass eine falsche Namensgebung für einen Teddybären schon Grundlage genug sein kann, um den ach so heiligen Frieden unter den Religionen zu gefährden.

Juroren der staatlichen britischen Agentur für Lerntechnologie (Becta) haben nun noch weitere bösartige Provokateure aus der Welt der Kinder entdeckt: Die drei kleinen Schweinchen.

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Bild BBC / Shoo Fly Verlag

Eine elektronisches Buch, das dieses Märchen zum Inhalt hatte, wurde von einem Wettbewerb ausgeschlossen, da es «kulturell problematisch» sei («the use of pigs raises cultural issues» ). Die CD, die zuvor bereits mehrfach prämiert worden war, könne der muslimischen Gemeinschaft nicht empfohlen werden.

Höchste Zeit also, britische Werke zu verbieten, die seit Jahrzehnten durch die Omnipräsenz von Schweinen religiösen Hass in den Kinderstuben verbreiten: allen voran die Muppet Show und Winnie the Pooh und Animal Farm sowieso.

(via humanistischer Pressedienst und BBC)
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Tom Cruise als Unfallhelfer? Bizarres aus dem Paralleluniversum von Scientology

Es soll schon vier Jahre alt sein, auf Youtube aufgetaucht ist es allerdings erst vor zwei Tagen: Das Werbefilmchen von Scientology, in welchem Tom Cruise wirres Zeugs daherredet (entdeckt via The Register).

"When you're a Scientologist, and you drive by an accident, you know you have to do something about it, because you know you're the only one who can really help."



Zu seinem Scientology-Dasein meinte er tiefgründig: "It's rough and tumble and it's wild and woolly and it's a blast." Und weiter: "We are the authorities on the mind." Sowie "Being a Scientologist, when you drive past an accident it's not like anyone else. As you drive past, you know you have to do something about it because you know you're the only one that can really help."
Tom Cruise in seiner bisher schlechtesten Rolle
Would you trust this guy? - Szene aus dem Scientology-Werbefilm

Treffend die Einschätzung von Nick Denton auf gawker.com: «If Tom Cruise jumping on Oprah's couch was an 8 on the scale of scary, this is a 10.» Man könnte noch ergänzen: Not always when scientologists freak out, do they intend to. Ich für meinen Teil verzichte jedenfalls gerne auf die Nothelfer von Scientology.
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Abtreten, Sämi!

Sämi Schmid, oberster Wachtmeister der Nation, glaubt offenbar, dass die abschreckende Wirkung der Armee weder durch Soldaten, welche Zivilpersonen abknallen, noch durch Offiziere, die mit der Dienstwaffe ihre Beziehungsproblem lösen, genügend demonstriert werden kann.

Deshalb hat er angeordnet, dass Soldaten den Wachtdienst neuerdings mit durchgeladener Waffe absolvieren müssen. Felix Endrich, der Mann, der als Armeesprecher für Schmid ganze Sätze formuliert, begründete dies gegenüber 10 vor 10 folgendermassen (Video): "Müsse ein Soldat im Ernstfall zuerst noch laden und entsichern, verliere er Zeit, die ihn das Leben kosten könne." (s. a. NZZ-Beitrag).

Ein, zwei Tote durch überforderte Soldaten an der EURO08 - und die Schweiz kann wohl nach Schmids Vorstellungen ihren Wehrwillen wieder mal so richtig demonstrieren...

Es wird Zeit, dass Schmid abtritt und durch jemanden ersetzt wird, der beim Wort "Bevölkerungsschutz" nicht nur an die Jungs in ihren Vierfrucht-Pijamas denkt.
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Die Falschsagungen der SterndeuterInnen

Sie sind fester Bestandteil der Jahresenderituale, die Rückblicke aufs vergangene Jahr. Und meistens sind sie stinklangweilig, da sie eben nur bereits Bekanntes Revue passieren lassen. Spannender wird's allerdings, wenn auf (angebliche) Weissagungen zurück geblickt wird. Eben dies machte Hugo Stamm in einem Tages-Anzeiger-Artikel. Er zieht Bilanz über die Trefferquote der beiden selbsternannten Star-Astrologinnen Monika Kissling und Elisabeth Tessier. Und das Ergebnis ist ernüchternd: Beide haben sich mit Vorhersagen aus dem Fenster gelehnt, die in keiner Form eintraten.

Die alte Banalität (wahrscheinlich von Niels Bohr, dies ist aber nicht unumstritten), dass es schwierig ist, Prognosen zu machen, besonders über die Zukunft, trifft also weiterhin zu. Ebenso der Umstand, dass das Gucken in den Sternenhimmel dabei kein Bisschen hilft.
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Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?

Zivildienstleistende sollen ab dem kommenden Frühjahr Konflikte im öffentlichen Raum entschärfen, das sieht das Projekt «Konfliktprävention im öffentlichen Raum durch Zivildienstleistende» vor. Der Regierungsrat unterstützt das Projekt mit 12'000 Franken, wie die NZZ berichtet. Zivildienstleistende sollen neu die Möglichkeit erhalten, als Friedensstifter für die Bewältigung niederschwelliger Konflikte ausgebildet zu werden. Die Schaffung eines solchen freiwilligen Ausbildungsangebotes (allerdings nicht auf wehrpflichtige Männer beschränkt) forderte vor zehn Jahren die Initiative «Solidarität schafft Sicherheit: Für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst». Beim Abstimmungskampf im Jahr 2001 wurde heftig gegen die Idee gewettert - und sie wurde als Teil eines Armeeabschaffungspaketes abgetan.

Erfreulich, dass die Diskussion versachlicht wird. Es ist gut, dass der Fokus zuerst auf die Bewältigung eigener Konfliktherde gelegt wird. Vielleicht kann die Schweiz aber dereinst sogar Friedensstifter ins Ausland entsenden, z.B. wenn sich in Bethlehem zur Weihnachtszeit wieder einmal Priester gegenseitig die Nasen einschlagen...

N.B. Nachdem ich nun die letzte wichtige Pendenz im alten Jahr abgehakt habe, das Bügeln herumliegender Kleiderberge, das Einreichen der überfälligen Steuererklärung, das Einsenden der Lösung zum NZZ-Folio-Rätsel, verabschiede ich mich für dieses Jahr aus dem Cyberspace. Wünsche allerseits einen guten Rutsch!
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Rassismusbekämpfung nach Armeeart

Die Armee fürchtet um ihr Image. Nein, nicht etwa weil sie Attentäter ausbildet. Sondern weil auf Youtube Filmchen erscheinen, in denen das lustige Soldatenleben zelebriert wird. Dummerweise sind es öfter mal sexistische, rassistische oder gewaltverherrlichende Aufnahmen.

Was macht nun die Armee folgerichtig? Exakt: Sie verbietet das Filmen im Militär, wie die NZZ berichtet: «Ab Anfang kommenden Jahres wird das Filmen und Fotografieren im Dienst ohne Einwilligung des militärischen Vorgesetzten verboten.»

Gegen sexistisches, rassistisches und gewaltverherrlichendes Agitieren im Dienst vorzugehen wäre schliesslich ungleich aufwändiger...

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Zum Schluss noch ein offtopic-Hinweis, nicht gehaltvoll genug für einen eigenen Blog-Eintrag, aber durchaus eine Darwin-Awards-Nomination wert - und erst noch günstiger als bei Dignitas.
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Von ungläubigen Teddybären und Eselsweisheiten

Mohammed ist kein gewöhnlicher Name. Ihn anderen Personen als Propheten zu verleihen ist aus muslimischer Sicht heikel, die Gratwanderung zwischen Ehrerweisung und Beleidigung ist schmal. Um genau abzuklären, wer sich denn mit dem Namen des Propheten schmücken dürfe und wer nicht, wurde jüngst im Sudan eine Feldstudie durchgeführt.

Die Untersuchungsfrage lautete: Welche dieser «Personen» ist befugt, den Namen «Mohammed» zu tragen?
Khalid Sheikh Mohammed Muhammad Ali Muhammad der Teddybär Mohammed Atef
Khalid Sheikh Mohammed Muhammad Ali Teddybär von Muhammad (7) Mohammed Atef
Mutmasslicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 Boxerlegende, Kriegs-dienstverweigerer und St. Sebastian-Double für Esquire (Foto typähnlich) Auf Wunsch des Teddy-Besitzers so benannt ehemaliger militärischer Führer von al-Qaida
 
Das gesunde Volksempfinden Sudans - mutmasslich unterstützt durch die Landesregierung - hat nun also entschieden: Einzig der Teddybär ist es, welcher den Islam und seinen Oberguru beleidigt. Folgerichtig wird der Tod einer Englischlehrerin gefordert, welche zuliess, dass sich ihre Klasse darauf einigte, dass ein Objekt mit nichts als Stroh im Kopf Mohammed getauft wurde (s. BBC-Berichterstattung zur Volksbefragung).

Solcherlei zu kommentieren steht eigentlich nur dem einzigen anerkannten Fachmann für Teddybärenverhaltensforschung zu. Eeyore, langjähriger Begleiter von Pooh dem Bären erkannte schon vor 80 Jahren: «People who don't think probably don't have brains; rather, they have grey fluff that's blown into their heads by mistake.»
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Sudan einfach!

So, so, Christophe Keckeis ist also gewillt, sich unter Auflagen an politische Entscheide zu halten. Zur Forderung, Armeewaffen und Munition in die Zeughäuser zu verbannen, lässt er verlauten:

«Ich füge mich aber dem politischen Willen, solange die Waffe Teil der persönlichen Ausrüstung bleibt.»



Und was will der der abtretende Armeechef tun, wenn Volk und Stände in ein paar Jahren die Initiative Schutz vor Waffengewalt annehmen? Putschen, vielleicht? Besser wäre, baldmöglichst einen Crash-Kurs in Staatsrecht zu belegen. Alternativ kann er natürlich auch selbst in den Sudan, wohin er jüngst zwei VBS-Leute auf Erkundungsmission schickte. Dort findet er als alternder Krieger vielleicht die Mitgestaltungsmöglichkeiten, die ihm in der Schweiz hoffentlich verwehrt bleiben.
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Menschen sind lebendige Verkehrsschikanen - SVP blogging goes hardcore

Seit einer Woche gibt es auf www.nzzvotum.ch einen parteiübergreifenden Blog. SchreiberInnen sind vor allem KantonsratskandidatInnen. (Eine erste Bilanz der Zeitungsredaktion gibt's hier zu lesen.)

Es ist ein wenig wie bei einer parteiübergreifenden Wahlveranstaltung. Die Kandidierenden unterhalten sich miteinander, echtes Publikum ist rar. Und grossmehrheitlich geht man und frau pfleglich miteinander um.

Es gibt aber auch die Hardcore-Beiträge - natürlich aus der zu erwartenden Ecke. Eine
Meldung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) über die im Vorjahresvergleich höhere Zahl an im Strassenverkehr getöteten Fussgängern aufgreifend, schlug SVP-Parteisekretär Claudio Zanetti vor, das Fussgängervortrittsrecht wieder rückgängig zu machen - weil es halt unvermeidbar scheint, dass Autofahrer sich nicht an Gesetze halten. Und ausserdem natürlich folgendes lästig ist (O-Ton Zanetti.:

«Leider ist es auch in der Stadt Zürich gang und gäbe, Menschen als lebendige Verkehrsschikanen einzusetzen, die den Verkehr beruhigen sollen.»



Einen Tag später doppelte SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner nach mit der Forderung, zurück zum alten Gesetz zu gehen.

Seltsam eigentlich, dass die einzig wahre law-and-order-Partei der Schweiz bei Gesetzesübertretungen im Strassenverkehr von ihren üblichen zero-tolerance-Parolen abweicht.

Ausserdem scheinen die SVP-Strategen Mühe zu haben mit Statistiken, die sie nicht selbst gefälscht haben:
Die Zahlen der auf Fussgängerstreifen getöteten bzw. schwer verletzten Fussgänger ist ungefähr halb so hoch wie vor der Einführung des Fussgängervortrittsrechts im Jahr 1994 (s. bfu-Statistik,
PDF). Aller Verkehrsrowdies zum Trotz hat die Gesetzesänderung doch ein Mehr an Sicherheit gebracht.
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When Greens lose their marbles - zur Sprachenpolitik der Europäischen Grünen

Rund 800 Delegierte aus rund 30 europäischen Ländern treffen sich vom 13. bis zum 15. Oktober in Genf zum Kongress der Europäischen Grünen. Unter anderem soll die Vision eines Grünen Europa skizziert werden. Alle Mitgliederorganisationen wurden eingeladen, Stellungnahmen zu einem Positionspapier abzugeben. Und weil die Grüne Bewegung so schön bunt ist, trafen bis zum Redaktionsschluss am 11. September 228 Änderungsanträge ein. Diese Anträge wurden inzwischen ausgewertet, knapp die Hälfte davon empfiehlt der Vorstand der Europäischen Grünen zur Annahme.

Für eine lebhafte Debatte ist also gesorgt - so denn die Delegierten mitreden können. Im Gegensatz zu früheren Kongressen wird die Veranstaltung in Genf nämlich einsprachig auf Englisch abgehalten - Simultanübersetzungen gibt es aus Kostengründen keine. Ausgerechnet an einem Kongress der Grünen, welche die kulturelle Vielfalt in Europa immer betonen und mit den Delegierten aus «nichtselbständigen Staaten» (Katalonien, Schottland) im EU-Parlament eine Fraktionsgemeinschaft bilden. Ausgerechnet in Genf, dem Sitz zahlreicher internationaler Organisationen und der Ecole de traduction et d’interprétation. Ausgerechnet in der mehrsprachigen Schweiz.

Dear organizers, let me tell you this: You have lost your marbles!


Nachtrag: Die Genfer Grünen kurzfristig selbst eine Simultanübersetzung organisiert und finanziert. Zwar nur englisch-französisch, aber immerhin.
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Mit der Dienstwaffe auf Einbrecher- und Terroristenjagd?

Samuel Schmid, oberster Schutzherr der freiwilligen und unfreiwilligen Schützen unter den Eidgenossen, hat wohl niemanden überrascht: Er hält es - im Einklang mit dem Gesamtbundesrat - für angebracht, dass Ordonnanzwaffen weiterhin in Schlafzimmerschränken aufbewahrt werden. Für Schmid, von Amtes wegen eigentlich mit dem Schutz der Bevölkerung beauftragt, sind Selbsttötungen und erschossene Familienangehörige offenbar vertretbare Kollateralschäden - so jedenfalls sein Tenor im Tagi-Interview vom 2.9. Dabei hatte eine wenige Tage zuvor publizierte Studie der Universität Zürich einen klaren Zusammenhang zwischen Schusswaffen im Haushalt und Suiziden aufgezeigt. Und für die Schweiz gilt: An knapp jedem zweiten Tag bringt sich jemand mit seiner Militärwaffe um. [...]

Offenbar bestärkt durch den bundesrätlichen Feuerschutz hat am Montag nun auch noch die sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates nachgedoppelt...Mehr...
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Was haben Junk-Bonds, V1agra und Ursula Gut gemeinsam?

Für alle drei wird mit Spam geworben. Die FDP ist sich nicht zu blöde, den offenbar noch immer niederen Bekanntheitsgrad von Ursula Gut mit Spam wettzumachen. Wahlkampfleiter Andreas Hammer verschickt Werbung für seine Möchtegern-Regierungsrätin an vermutlich eingekaufte (oder gar im Web gesammelte) Adressen, jedenfalls (auch) an solche von Personen, die sich mit Sicherheit noch nie bei der Partei gemeldet hatten.Mehr...
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Endlich: Feinstaubproblem gelöst!

Bemerkenswertes weiss heute der «Anzeiger von Uster» aus Dübendorf zu berichten:

Den Feinstaub wegwischenEine ganze Reihe von möglichen Massnahmen zählte Stadträtin Rita Bernoulli (fdp) gegen den Feinstaub auf. Unter anderem eine wirklich bahnbrechende Idee: «Die Stadt könnte neue Wischmaschinen anschaffen, die den Feinstaub aufnehmen können.»



Toll, dass sich die für Gesundheit und Umweltschutz zuständige Stadträtin so intensiv und fachkundig mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Aber überraschend ist das eigentlich nicht, wirbt sie doch auf ihrer Homepage (Dübendorf wählt am 19. März) mit dem Slogan «die neue Sachlichkeit ist Voraussetzung».
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