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Das Wort zum Sonntag

Bern: FDP und GFL go religulous

Das Wort zum Sonntag

Die Stadtberner Parlamentarier der Grünen Freien Liste und der EVP, die zusammen eine Fraktionsgemeinschaft bilden, haben ein gravierendes gesellschaftliches Problem entdeckt: Viele Schüler wissen nicht, wieso sie an Feiertagen frei haben. Dies ist ihnen ungeheuer und sie lieferten in der Form einer dringenden Motion eine Lösung: Die Lehrer - wer denn sonst? - sollen’s richten. Sie wollen die Lehrkräfte aller Klassen der Volksschule dazu verpflichten, «jedes Jahr vor jedem gesetzlichen Feiertag die Schülerinnen und Schüler kurz über den Sinn und Inhalt des Feiertages zu informieren».

Die Motionäre stören sich an der Verweltlichung der ehemals christlichen Feiertage und meinen, es könne nicht angehen, «dass Schulabgänger Ostern in erster Linie mit Osterhasen und Eiern assoziieren.» Die Schule soll also zwangskorrigieren, was die Aussenwelt vermittelt. Die Motion wurde am vergangenen Donnerstagabend tatsächlich mit 32 zu 29 Stimmen überwiesen - unter anderem dank der fleissigen Unterstützung der Freisinnigen. Liebe GFL- und FDP-Parlamentarier: Nehmt doch den geschenkten Feiertag zum Anlass, darüber zu sinnieren, was das Wort «frei» in Euren Parteinamen eigentlich bedeutet. Wenn es nur noch in der Zusammensetzung "sinnfrei" Verwendung findet, solltet Ihr vielleicht mal über das Streichen des Begriffs nachdenken.

Adäquat auf das Überweisen der Motion reagierten die beiden Grünliberalen Michael Köpfli und Claude Grosjean: Sie verlangen in einem Postulat, in diesem Darwin-Jubiläumsjahr an der Schule einen Evolutionstag einzuführen, denn es könne nicht angehen, «dass Schulabgängerinnen und Schulabgänger das Leben und dessen Entwicklung und Vielfalt mit irrationalen wissenschaftlich nicht begründbaren Theorien in Verbindung bringen.»

Schöne Pfingsten allerseits - aus welchem Grund auch immer. Zur Einstimmung ein Lied von Christoph und Lollo:

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Agentur C will Gläubige mit neuen Plakaten aufrütteln

Das Wort zum Sonntag

Die Agentur C hat einen göttlichen Auftrag: Mit ihrem Siebenjahresplan soll sie die Worte der Bibel in die entrückte Gesellschaft hinaustragen. Der Agentur wird zuweilen vorgeworfen, fundamentalistisch aufzutreten und gleichzeitig die unangenehmen Seiten der Bibel auszublenden. Nun reagiert sie auf diese Kritik.

Geschäftsleiter Peter Stucki erklärt: «Im Psalm 11 steht ‘Der HERR prüft den Gerechten und den Gottlosen’. Wir müssen also auch die schwer erklärbaren Botschaften der Bibel präsentieren. Nur wer auch diese erträgt, kann sich zu den Gerechten zählen. Den Gottlosen hingegen wird der HERR Feuer und Schwefel und Glutwind zum Lohne geben.»

Eine erste Auswahl der neuen Phase IV der Kampagne wird hier erstmalig abgebilet:

1. Buch Samuel 18, 274. Buch Mose 31, 174. Buch Mose 15, 32
Exodus 44, 44Römer 13, 1

Einzelne Bibelquellen wurden hier bzw. hier gefunden. Eine derartige Plakataktion wurde bereits hier vorgeschlagen.
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Abstammungslehre und persönliche Präferenzen

Das Wort zum Sonntag

«Ich stamme lieber von Gott ab als von einem Affen» meint ein Kommentator des Tages-Anzeiger-Interviews mit Pius-Bruder Franz dem Schrecklichen. Die Wunschäusserung hat zwar wenig mit dem Interview-Inhalt zu tun, ist aber irgendwie nachvollziehbar. Den Primaten wurde durch die Evolution ein überdimensionierter Frontallappen mit auf den Weg gegeben. Die damit verbundenen kognitiven Fähigkeiten bringen einen allerdings zuweilen arg ins Grübeln. Die Leichtigkeit des Seins erreicht wohl eher, wer frei von derlei Ballast ist.
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Religulous - aktuelle Fallbeispiele

Das Wort zum Sonntag

Ob’s an der Jahreszeit liegt? Religiöse Wirrköpfe bemühen sich aktuell mit besonders absurden Verlautbarungen um Schlagzeilen. In England verspricht der von Sozialhilfe lebende Imam und Rechtsanwalt Anjem Choudary seinen muslimischen Glaubensbrüdern die Verdammung in der Hölle, sollten sie an Weihnachtsfeiern teilnehmen. Und in der Schweiz betet Ex-Junkie und SVP-Aktivist Daniel Regli mit seiner putzigen Familienlobby für Regen während der nächstjährigen «Euro Pride», da er Homosexualität als Sünde betrachtet.

Selbstredend begründen sowohl Choudary wie auch Regli ihre Positionen mit Verweisen auf ihre jeweiligen religiösen Lieblingstexte. Entsprechend lau blieb die gesellschaftliche Unterstützung für die Sektierer.

Vielleicht sollten sie’s mal mit der Strategie des Leipziger Theologieprofessors Peter Zimmerling versuchen. Er empfiehlt seinen Schäfchen, beim Missionieren eine nicht-religiöse Alltagsprache zu verwenden und an populäre Kultur, etwa an Kinofilme, anzuknüpfen.

Hervorragend dazu geeignet wäre beispielsweise der Film «Religulous», in dem der US-Amerikanische Satiriker und Bill Maher eine ganze Palette an religiösen Wirrköpfen präsentiert. Damit sollte ihnen sogar das gelingen, wonach sich Zimmerling so sehr sehnt: Mit Atheisten ins Gespräch zu kommen.

(Teile via SideEffects und humanistischer Pressedienst)
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Raufende Priester zum Dritten

Die Geschichte ist zwar schon sechs Tage alt, aber da die Berichterstattung über derlei Ereignisse hier schon fast Tradition hat und es ausserdem gleich Sonntag und schon bald Weihnachten ist, kriegt dieser kleine Bericht aus Jerusalem doch noch einen Eintrag:

Griechisch- und Armenisch-Orthdoxe Christen haben wieder mal auf gute alttestamentarische Art auszuloten versucht, wer in der so genannten Grabeskirche wann und wo das Sagen hat. Die Polizei schritt ein, bevor die Frage abschliessend geklärt werden konnte.



siehe auch:

20.04.08 Die Botschaft der Liebe - mit Fäusten überbracht
29.12.07 Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?
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Und als Nächstes: Eine Atheistin als Präsidentin

Es mag unangebracht wirken, am Tag nach seiner Wahl und noch vor seinem Einzug ins Weisse Haus schon über Obamas Nachfolge zu sinnieren. Er soll selbstredend erst mal eine oder zwei Amtsperioden Zeit haben, den angestrebten Wandel zu erreichen.

Die überdeutliche Wahl setzt ermutigende Zeichen, aber da und dort wird vielleicht etwas gar früh frohlockt. Manfred Messmer beispielsweise meint:

Ich bin insofern froh darüber, dass mit Herrn Obama erstmals - im Wortsinn - ein Afro-Amerikaner ins Weisse Haus gewählt wurde, weil jetzt die Rassenkarte nicht mehr gespielt werden kann. Es ist in der Tat völlig egal, welche Hautfarbe der amerikanische Präsident oder sonst irgendjemand hat. Es ist auch völlig egal, welcher Religion jemand angehört.


Ihre rassistische Vergangenheit haben die USA mit dieser Wahl wohl tatsächlich witgehend hinter sich gelassen. Von einer ähnlichen Gelassenheit bei Glaubensfragen ist aber wenig zu spüren. Man muss sich nur Szenen aus dem Wahlkampf vergegenwärtigen, um zu sehen dass man Messmer nur Recht geben kann, wenn man seine Aussage so liest, wie er sie wohl nicht gemeint hat: «Es ist auch völlig egal, welcher Religion jemand angehört, solange er sich glaubhaft (sic!) zu irgendeiner bekennt.»

Wer sich die Welt ohne metaphysischen Überbau erklärt, wird in den USA weiterhin geächtet, wie die folgenden Beispiele illustrieren:

Die demokratische Senatorin Monique Davies aus der demokratischen Hochburg Illinois sagte zu einem Atheisten bei einem ihrer Wahlkampfauftritte:

What you have to spew and spread is extremely dangerous...it's dangerous for our children to even know that your philosophy exists! Get out of that seat...You have no right to be here! We believe in something. You believe in destroying!


Die eben abgewählte republikanische Senatorin Elizabeth Dole aus South Dakota schaltete Fernsehwerbung gegen ihre Herausfordererin Kay Hagan mit der Botschaft, dass diese sich im Geheimen vom «godless Americans pack» habe finanzieren lassen (Video). Hagan musste natürlich gleich ein Dementi schalten und kundtun, dass sie als ehemalige Sonntagsschullehrerin die Meinungen der Atheistengruppe, die für sie Geld sammelte, natürlich nicht teile und sie sich durch die Anschuldigung in ihren religiösen Gefühlen verletzt sehe.

Es ist also in spätestens acht Jahren Zeit für eine atheistische Präsidentin - damit auch die Glaubenskarte nicht mehr gespielt werden kann.

Nachtrag: Ihre Nachfolge sollte dann wohl ein gleichgeschlechtlich verheirateter Vegetarier antreten, denn wer dem Rindfleisch das Futter wegfrisst, macht sich in rural ‘merica politisch ebenfalls höchst verdächtig. (via Misanthrop).
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Blasphemie oder göttliche Botschaft?

Das Wort zum Sonntag


Wann stellen ein paar zittrig-krumme Linien eine göttliche Botschaft dar und wann pure Blasphemie? Zwei vordergründig vergleichbare Fälle werden durch Islam-Gelehrte völlig unterschiedlich eingestuft: Holzwurmlöcher, die dem Schriftbild für Mohammed ähneln, sind eindeutig ein göttliches Zeichen.

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Ein symbolisiertes Glacé-Häubchen, das einer Allah-Kalligrafie ähnelt, hingegen beleidigt den properen Gläubigen.


Quellen: badastronomy.com (via burnttongue.net) und jihadwatch.org

Muss man nun daraus ableiten, dass nur das, wo der Wurm drin ist, für religiöse Symbolik taugt? Bitte um gelehrigen Rat.
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Wählt atheistische Politiker!

Das Wort zum Sonntag


«Wählt atheistische Politiker!» titelte vor zwei Wochen Beda M. Stadler seine Gastkolumne in der NZZ am Sonntag. Selbst bei mir als Nichtgläubigem rief das erstmal Nasenrümpfen hervor. Wieso sollte die Gretchenfrage bei Wahlen alle anderen Selektionskriterien überwiegen?

Bei den in ihrem Glauben herausgeforderten LeserbriefschreiberInnen gingen die Reaktionen allerdings deutlich übers Naserümpfen hinaus: Da wurden in ihren letztwöchigen Repliken die Gottlosen schon mal zu Unmenschen, die zu moralischem Handeln grundsätzlich nicht in der Lage seien. Eine zweite Runde Leserbriefe blieb heute aus, entweder weil das Thema aus Sicht der Redaktion keinen zusätzlichen Raum verdiente - oder aber vielleicht, weil die Nichtgläubigen ihre eigene Haltung nicht gleichermassen erbittert zu verteidigen pflegen.

Zurück zur Frage also: Braucht es bekennende Atheisten in der Politik? Für Stadler ist der Fall klar:

Die Säkularisation ist bei uns noch nicht abgeschlossen, wenn Gott in der Verfassung vorkommt oder in der Asyldebatte das Kirchenrecht höher als das Staatsrecht hängt. Es wäre also von einigem Interesse zu erfahren, wer Atheist ist, da bei religiös angehauchten Politikern die Meinung zu Minaretten, Adventskränzen in den Schulen, oder ganz praktischen Fragen wie die Ladenöffnungszeiten gemacht ist.



Wenn man sieht, dass auch auf nzzvotum einzelne Blogger die zehn Gebote eher als gesellschaftlichen Rahmen akzeptieren als unsere Verfassung und wenn man an die kantonsrätliche Debatte zum Lehrplan «Religion und Kultur» zurückdenkt, bei der einzig und allein Esther Guyer (Grüne) die Friede-Freude-Eierkuchenstimmung etwas störte mit ihrem Hinweis, dass das Weglassen jeglicher weltlicher Aspekte im Lehrplan problematisch sei, ist man geneigt, Stadler recht zu geben: Ja, es braucht auch VolksvertreterInnen, die sich deutlich für säkulare Werte einsetzen.

Deshalb: Wählt atheistische Politiker und Politikerinnen!
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