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Grossbritannien

Das Ende von Labour [update]

Update vom 1. Juni: Die Resultate der heute publizierten Umfrage von YouGov (PDF) sind in die untenstehende Grafik eingefügt. Sie bestätigen den allgemeinen Trend. Diese jüngste Umfrage basiert auf den Rückmeldungen von 5016 Personen und erlaubt deshalb auch regionale Prognosen. Erwähnenswert: In Schottland werden der SNP 29% der Stimmen vorausgesagt (2004: 20%), in London kommen die Grünen auf 12%, Labour und die Liberaldemokraten auf je 16%.

Vom 4. bis zum 7. Juni wird das Europaparlament neu gewählt. Ein Blick über den Ärmelkanal lohnt sich gleich mehrfach: Das Vereinigte Königreich ist nebst den Niederlanden das einzige EU-Mitglied, das seine Urnen am ersten dieser vier Wahltage öffnet. Die Europawahlen (sowie die in zahlreichen Regionen gleichzeitig stattfinden Lokalwahlen) gelten zudem als Lackmus-Test für die Labour-Regierung, die nicht erst seit den zahlreichen Schlagzeilen über missbräuchliche Spesenabrechnungen von Parlamentsmitgliedern unter Beschuss ist.

Umfragen zu den Wahlabsichten zeigen, dass sich Premier Gordon Brown warm anziehen muss, sehr warm: Zwei aktuelle Prognosen - von Populus für die heutige Times und von ICM für den morgigen Sunday Telegraph - gehen davon aus, dass Labour (Lab) auf den dritten Platz zurückfällt. Der Niedergang, der bereits unter der Führung des bekennenden Thatcher-Verehrers und Kriegsrhetorikers Tony Blair einsetzte, dauert also unvermindert an. Die Regierung Brown ist faktisch am Ende, auch wenn Brown Erneuerungswahlen noch bis Juni 2010 hinauszögern kann.

2009_eu_election_poll_uk.png
Labour im Krebsgang, wahrscheinliche Sitzgewinne für die Grünen
(Prognosen der Umfrageinstitute Populus und ICM)

Leicht zulegen im Vergleich zu 2004 dürften die Konservativen (Con). Widersprüchlich sind die Prognosen für die Liberaldemokraten (Ldem): Populus sagt einen Rückgang um drei, ICM eine Zuwachs um fünf Prozentpunkte voraus. Die jüngeren Enthüllungen von Spesenmissbräuchen auch von Liberaldemokraten mögen ein Grund für die uneinheitlichen Prognosen sein, es mag aber auch Abbild unterschiedlicher Erhebungsmethoden sein. Auch bei der rechtspopulistischen UK Independence Party (UKIP) ist der Trend nicht eindeutig. Zu den klaren Gewinnern gehören gemäss beiden Instituten die Grünen. Stagnieren dürfte hingegen die rechtsextreme British National Party (BNP).

Die Prognosen berücksichtigen regionale Unterschiede nicht, lassen also beispielsweise keine Voraussagen zu den Erfolgen der walisischen Plaid Cymru oder der Scottish National Party zu. Auch innerhalb Englands ist die Ausgangslage uneinheitlich, nicht nur, weil in den einzelnen Wahlkreisen unterschiedlich viele Sitze zu vergeben sind. Die BNP konzentriert sich in ihrer Kampagne auf den Wahlkreis «Nordwest». Die Grünen bringen sich dort als fünfte Kraft ins Spiel, mit dem konkreten Ziel, zu verhindern, dass der BNP-Parteiführer Nick Griffin die Wahl ins EU-Parlament schafft. Sie fordern deshalb Wechselwähler auf, ihre Stimme den Grünen und ihrem Spitzenkandidaten Peter Cranie zu geben - und zeigen in einem Kurzfilm, wieso dies aufgrund des Wahlverfahrens und der Umfragewerte Sinn macht.

Das D’Hondt-Wahlverfahren (auch als Hagenbach-Bischoff-System bekannt) kurz erklärt.
Quelle: www.stopnickgriffin.org.uk
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Mohammed muss in die Schmuddelecke

Muslime haben in der englischen Stadt Leicester verlangt, dass der Koran in Bibliotheken nicht inmitten profaner Literatur untergebracht wird, nur das oberste Regal werde der Bedeutung des Buches gerecht. Der städtische Bibliotheksrat gab deshalb eine Weisung heraus, die sämtliche religiöse Schriften auf die top shelves verbannt - eine kluge Entscheidung, denn Briten wissen von den Auslagen der Zeitschriftenhändler, dass dort Werke zu finden sind, welche für Kinder und Jugendliche ungeeignet sind.

Christen befürchten nun allerdings, dass Kinder sich künftig für Harry Potter oder die Dark Materials-Trilogie entscheiden könnten, wenn sie nicht mehr an die Bibel rankommen. Ungeklärt bleibt zudem, ob in den Leicestermer Bibliotheken auch die Bücher, in denen zum Jihad gegen Nichtmuslime aufgerufen wird, künftig in den obersten Regale untergebracht werden oder ob diese als Lebenshilfefibeln besser zugänglich bleiben müssen.

(via hpd.de)
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Feindbilderökonomie: Es gibt nur noch pädophile Terroristen

Die Welt scheint momentan ungewöhnlich verworren und nur noch schwer zu verstehen. Dass erst die Teilverstaatlichung der Bankenwelt den Kapitalismus so richtig zum Erblühen bringt, steht jedenfalls noch nicht in den Lehrbüchern.

Umso trostvoller, dass anderweitig Komplexität reduziert wird. Die staatlichen Allüberwacher brauchen fortan nur noch ein einziges Feindbild zu bemühen: Pädophile Terroristen. Die «Times» berichtet, dass islamische Terroristen ihre Angriffspläne am liebsten auf Pädophilen-Websites verstecken. Mittels Steganografie - dem Anreichern von Bilddaten mit fürs Auge unsichtbaren aber mittels Software auslesbaren Botschaften - werden geheime Informationen auf Kinderporno-Sites untergebracht. So jedenfalls die Annahme der Kriminologen, nachdem bei mehreren Personen, gegen die Razzien wegen Teilnahme an terroristischen Gruppierungen liefen, Tausende oder gar Zehntausende solcher Bilder gefunden wurden.

Der Bericht zeigt durch tiefgründige Analyse, dass sich die Täterprofile von Terroristen und Pädophilen frappant ähneln:

Another area investigators will want to explore is the similarity between the personalities of paedophiles and terrorists. “If they are going out, a lot of time is spent by going to the mosque or going off to internet cafés,” the source said.


Die entdeckte Verbindung wird von der Politik mit Interesse wahrgenommen. Beide Parteivertreter, welche die Times zitiert, Labour-Vertreter Andrew Dismore und die Tory-Frau Pauline Neville-Jones, sprechen den Erkenntnissen von Scotland Yard grosse Bedeutung zu. Schliesslich sind sie beide verlässliche Terroristen-Jäger. Dismore stimmte brav für den Irak-Krieg und die Labourschen Überwachungsgesetze, die in Grossbritannien unter dem Namen «anti-terrorism laws» eingeführt wurden - aber selbstredend gegen eine parlamentarische Untersuchung des Irakkrieges. Und Neville-Jones war Verwaltungsrätin beim staatseigenen Rüstungskonzern, QinetiQ, der am Irakkrieg verdiente.

Und die politischen Schlussfolgerungen? Nun, fürs Erste steht im Bericht nur dies:

Experts say that the advancement in encryption technology is outpacing the authorities’ abilities to monitor suspected terrorists and paedophiles.


Die Lösung dürfte die sein, die Grossbritannien seit geraumer Zeit mit Verve verfolgt: Wenn Überwachung nicht reicht, braucht’s mehr Überwachung. Aber das steht wohl erst morgen in der Zeitung. Schliesslich wollen derlei Botschaften mit Bedacht vermittelt werden. Dank der neuen Feindbildökonomie dürfte es etwas einfacher geworden sein.
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Das Ende der narrenfreien Marktwirtschaft

Im Februar wurde die Intervention noch als notwendige Ausnahme von der Regel angekündigt: Die Britische Bank «Northern Rock» wurde verstaatlicht, der Verwaltungsrat rausgeschmissen und der CEO von der Regierung bestimmt. Am 29. September folgte dann der zweite Verstoss gegen die reine marktwirtschaftliche Lehre: Auch «Bradford & Bingley» wurde mit Staatsgeldern vor dem Kollaps gerettet.

Heute verabschiedet sich Grossbritannien endgültig von der Illusion der selbstheilenden Kräfte der Finanzmärkte. Staatsmittel gibt’s nun für alles was im British Banking Rang und Namen hat: Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered (siehe BBC-Bericht).

Die wahre Ausnahme von der Regel: Die Nummer sieben unter den (bis heute nichtstaatlichen) Banken, die Co-operative Bank scheint ohne Subventionen der Steuerzahler über die Runden zu kommen. Mit ihren ethischen Prinzipien übt sie sich in freiwilliger Selbstbeschränkung - eine offenbar auch ökonomisch äusserst gesunde Praxis. Die britischen Steuerzahler und Stimmbürger müssten es ihr eigentlich zu danken wissen.
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England vor der Revolution! Richter legen Perücken ab

England und Wales modernisieren das Justizwesen! Kleine Unvollkommenheiten wie die fehlende Trennung von Legislative und Judikative bleiben zwar bestehen. Aber die Richter wollen sich volkstümlicher geben und haben sich deshalb von der Londoner Designerin Betty Jackson eine neue Arbeitsuniform schneidern lassen. Schlichter als das Vorgängermodell, das 300 Jahre den Standard setzte, kommt es daher. Und - unglaublich - die Richter verzichten künftig gar auf ihre Perücke. (Disclaimer: Die Neuerungen gelten nur für Zivilrichter. Strafrichter brauchen die Perücke weiterhin zum Persönlichkeitsschutz.)

Bei diesem Reformtempo werden aus Britannien (oder seinen Nachfolgerstaaten) womöglich innert weniger Jahrhunderte moderne Republiken.
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England sucht den Super-Belästiger

Die britische Labour-Regierung hat ein Problem. Sie dürfte bei den nächsten nationalen Wahlen aus dem Amt gefegt werden. Jedenfalls klatscht das Elektorat fleissig, wenn die Tories im Herrschaftsgebiet von Lizzy II für Ruhe und Ordnung sorgen wollen. Also versucht Labour die Konkurrenz beständig rechts zu überholen - was gar nicht so einfach ist bei Vorschlägen wie Benimm- und Marschierunterricht an (üblicherweise schulfreien) Samstagen für nichtkonforme Kinder (ein erstes Versprechen des neuen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson).

Doch Labour gibt sich noch nicht geschlagen. Jacqui Smith, Ministerin für innere Sicherheit, will nun staatliche Stalking- und Mobbing-Truppen aufMehr...
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Wenn Überwachung nichts bringt, muss man - mehr überwachen

Das britische Visual Images, Identifications and Detections Office zieht Bilanz (s. Guardian):

Massive investment in CCTV cameras to prevent crime in the UK has failed to have a significant impact, despite billions of pounds spent on the new technology, a senior police officer piloting a new database has warned. Only 3 percent of street robberies in London were solved using CCTV images, despite the fact that Britain has more security cameras than any other country in Europe.

Das beinahe lückenlose Überziehen der Heimat Orwells mit Überwachungskameras hat also ausser Milliardenspesen nichts gebracht.Mehr...
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Die Wahlen in England

Bis 22 Uhr Lokalzeit sind die Wahllokale in England noch geöffnet. Am meisten Aufmerksamkeit findet die Ausmarchung um den Sitz des Londoner Bürgermeisters1. Doch neu zu vergeben sind auch die 25 Sitze des Londoner Parlaments und rund 4000 Exekutivmandate in 159 weiteren Gemeinden.

Mein britisches Stimmrecht hab ich längst verloren, zu lange bin ich schon nicht mehr auf der Insel wohnhaft. Eigentlich hätte ich schon so meine Präferenzen (s.a dieses sehr gelungene Wahlvideo), allerdings bin ich eben bei einem Kandidaten einer weitaus traditionelleren englischen Partei auf ein überzeugendes Fünfpunkteprogramm gestossen, das doch sehrMehr...
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Bei Allah! Greenwich Mean Time ist schuld an Blutkreislaufstörungen

Muslimische Wissenschafter und Geistliche möchten das Wohlbefinden auf der Erde erhöhen. Zum Wohle der ganzen Menschheit forderten sie deshalb an einer Konferenz in Qatar, der imperialistischen Zeitmessung endlich ein Ende zu setzen und die Mekka-Zeit einzuführen. Denn, das wahre Zentrum der Erde liege in der saudischen Hauptstadt und Mekkas Längengrad sei - ganz im Gegensatz zu demjenigen von Greenwich - perfekt auf den magnetischen Norden ausgerichtet.

Bereits im Dezember 2006 hatte der ägyptische Forscher Abd al-Baset al-Sayyid festgestellt, dass auf Greenwich basierende Zeitrechnungen zuMehr...
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Wieviele Polizisten braucht es, um Frieden und Völkerverbundenheit zu symbolisieren?

Die olympische Fackel wurde heute also durch London getragen. 2000 Polizisten und ein Rudel chinesischer Sicherheitsbeamter waren nötig, um sicherzustellen dass dem Symbol des Friedens und der Verbundenheit zwischen den Völkern das Licht nicht ausging.

In London scheiterten die Versuche von Demonstranten, die Fackel zu ergreifen oder mit einem Feuerlöscher auszublasen.


Chinesische Sicherheitsbeamte und britische Polizisten im gemeinsamen Kampf gegen einen Feuerdieb. Foto Yui Mok/The Associated Press, Quelle: International Herald Tribune

Morgen ist Paris an der Reihe, auch dort dürften ein paar Überraschungen auf die Stafettenläufer im Dienste Beijings warten. Es ist also durchaus möglich, dass während der 123 noch verbleibenden Tage das olympische Feuer doch noch irgendwo auf der Strecke bleibt, auch wenn für die Jintaoiade natürlich nichts dem Zufall überlassen wird. (1936 misslangen die zahlreichen Versuche, das Feuer für die Hitleriade zu löschen.)

Die Vereinten Nationen haben übrigens beschlossen, dass ihre Mitarbeiter nicht am Fackellauf in Nordkorea teilnehmen sollen, aus Angst die Regierung von Kim Jong-il könnte den Anlass für Propagandazwecke missbrauchen. Neiaberau, dass es tatsächlich solche Regierungen gibt auf der Welt...
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Das Buhlen um die Wählerstimmen der Londoner

Ken Livingstone, Erfinder des Londoner Road-Pricing, möchte Bürgermeister seiner Wohnstadt bleiben. Als "Red Ken" gewann er die Wahlen in den 1980er Jahren spielend, bis Pinochet-Freundin Thatcher das Lokalparlament abschaffte. Auch im Jahr 2000, als das Amt wieder eingeführt wurde, liess er die Kandidaten von Konservativen, Labour und LiberaldemokratenMehr...
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High-impact junk science

Das British Medical Journal ist eine altehrwürdige medizinische Fachzeitschrift, mit respektablem Impact factor. Wie bei einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift üblich, werden eingereichte Artikel von Fachleuten vorgeprüft und nur abgedruckt, wenn sie die Anforderungen der Reviewer erfüllen - ausser bei der Rubrik Personal View, offenbar Gefäss für Junk science: Co-Herausgeberin Trish Groves klärt die Leserschaft in der aktuellen Ausgabe (Auszug, voller Text für Abonnenten) über den wahren Grund für übermässigen Alkoholkonsum in Grossbritannien auf.

Schuld an der masslosen Sauferei - zumindest unter der englischen Mittelklasse - ist die 0.75l-Weinflasche:Mehr...
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Viele, viele bunte Rechtssysteme? Zu den Plänen des Erzbischofs von Canterbury

«Achse der Religiösen» betitelt Reta Caspar in einem Kommentar zur NZZ-Berichterstattung den Vorschlag des Erzbischofs von Canterbury, für gewisse Streitigkeiten Sharia-Gerichtsbarkeit in Grossbritannien zuzulassen. Die Redaktorin des Magazins «frei denken» bringt es auf den Punkt: Religionsvertreter verbünden sich in ihrem Interesse, religiös begründetes Recht gegen säkulares Recht durchzusetzen. Im BBC-Radio-Interview spricht Rowan Williams denn auch von der Unzufriedenheit von Katholiken und Anglikalen mit der britischen Abtreibungsgesetzgebung.

Rowan Williams in seinem Lieblingskostüm
Rowan Williams: nicht nur die Kopfbedeckung ist karnevalesk (Foto: G. Fuller/Guardian)

Der Erzbischof zeigt grosses Verständnis für religiöse Sonderwünsche: «members of minority religious communities feel that the gap between their principles and the legal system of the state is so vast, the only option open to them is to opt out of the mainstream legal system».

Grossbritannien scheint ein geeignetes Versuchslabor für das Konzept von parallelen Rechtssystemen, hat es doch bereits lange Tradition. Ich denke dabei weniger an die jüdisch-orthodox Gerichte, die z.B. über Scheidungsbegehren entscheiden sondern an die Immunität für Angehörige des Königshauses und der Schutz vor Verhaftung bei Zivilklagen für Aristokraten, Pfaffen Parteispender und andere sogenannte Peers.

Die Reaktionen auf die Vorschläge des britischen Überhirten sind reihum kritisch. Die BBC zitiert den Vorsitzenden der Liberaldemokraten Nick Clegg, folgendermassen:

«Equality before the law is part of the glue that binds our society together. We cannot have a situation where there is one law for one person and different laws for another.»



Vielleicht verhilft diese Einsicht ja dazu, auch die bestehenden juristischen Ungleichheiten endlich abzuschaffen.
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When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches

Kinderbüchern haftet oft der Ruf an, sie seien reichlich moraltriefend, müssten mindestens so sehr erzieherisch wertvoll wie unterhaltsam sein. Als Beispiel möge Der Regenbogenfisch lernt teilen dienen. Den Anspruch, Kinder in die richtigen Bahnen zu leiten, haben sicherlich auch religiös ausgerichtete Kinderbücher. Solche sind in der aktuellen Amazon-Bestenliste in dieser Kategorie mit so erbauend klingenden Titeln vertreten wie «Ich bin das Licht, Komm freu Dich mit mir», «Du bist einmalig» oder «Ich will dir was erzählen, lieber Gott. Mit Kindern beten ist schön».

Man könnte leicht zynisch schlussfolgern, Kindern wird aus erzieherischen Gründen das selber Denken abgenommen. Dabei gibt es sehr wohl Kinder, die sich dieses Recht frech herausnehmen wollen - wie es im besten aller Kinderbücher anschaulich dokumentiert ist:

"Thinking again?" the Duchess asked, with another dig of her sharp little chin."I've a right to think," said Alice sharply, for she was beginning to feel a little worried."Just about as much right," said the Duchess, "as pigs have to fly...."



So sehr wie Schweine ein Recht zum Fliegen haben, wird also der kleinen Alice im Wunderland beschienen, habe sie ein Recht zu denken.

Den armen Schweinen wird ja neuerdings nicht nur das Recht zum Fliegen abgesprochen, Piglet wurde aus dem türkischen Fernsehen verbannt, die drei kleinen Schweinchen will man aus britischen Schulzimmer aussperren. Und nun soll es eben einem deutschsprachigen Ferkel an den Kragen gehen.

Doch dieses lässt sich nicht so einfach unterkriegen. Drei Tage nach dem Antrag des deutschen Familienministeriums, das religionskritische Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott?» fragte das kleine Ferkel zu verbieten, ist dieses in der deutschsprachigen Bücher-Bestsellerliste von amazon.de auf Platz 1 gelandet.

Die Schweine lassen lassen sich also das Fliegen nicht nehmen. Und die Kinder nicht das Denken. Das ist gut so. Dem Familienministerium kann man für die Beihilfe zu dieser Klärung eigentlich nur dankbar sein.
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Der schweinischen Zensur zweiter Teil

Schweine aus der Welt der Kinderbücher bedrohen die Zivilisation offenbar mit System. Erst letzte Woche Woche musste die staatliche britische Agentur für Lerntechnologie eine CD von einem Wettbewerb verbannen. Hatten es die Autoren doch gewagt, ihre Lern-Software auf der anstössigen Geschichte der drei kleinen Schweinchen zu basieren.

Nun mussten aus Gründen des Jugendschutzes auch deutsche Ordnungshüterinnen einschreiten, gegen ein Ferkel, das obszöne Fragen stellt, z.B. «Wo bitte geht's zu Gott?» Das Familienministerium möchte das religionskritische Kinderbuch des Schriftstellers Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke auf den Index setzen, es also für Kinder und Jugendliche so unzugänglich machen wie harte Pornographie und Nazi-Literatur.

Der Verlag und die humanistische Bruno Giordani-Stiftung haben nun eine Aktion "Rettet das Kleine Ferkel" gestartet.



Doch die Unterschriftenaktion greift eigentlich zu kurz. Denn neu ist der Trend nicht. Bereits 2006 hatte das staatliche türkische Fernsehen Winnie the Pooh verbannt wegen dessen enger Beziehung zu Piglet.

Es braucht wohl eine grössere Gegenbewegung. save-the-piglets.com vielleicht?
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Die politisch unkorrekten drei kleinen Schweinchen - religious tolerance gone bananas

Seit anfangs Dezember 2007 wissen wir, dass eine falsche Namensgebung für einen Teddybären schon Grundlage genug sein kann, um den ach so heiligen Frieden unter den Religionen zu gefährden.

Juroren der staatlichen britischen Agentur für Lerntechnologie (Becta) haben nun noch weitere bösartige Provokateure aus der Welt der Kinder entdeckt: Die drei kleinen Schweinchen.

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Bild BBC / Shoo Fly Verlag

Eine elektronisches Buch, das dieses Märchen zum Inhalt hatte, wurde von einem Wettbewerb ausgeschlossen, da es «kulturell problematisch» sei («the use of pigs raises cultural issues» ). Die CD, die zuvor bereits mehrfach prämiert worden war, könne der muslimischen Gemeinschaft nicht empfohlen werden.

Höchste Zeit also, britische Werke zu verbieten, die seit Jahrzehnten durch die Omnipräsenz von Schweinen religiösen Hass in den Kinderstuben verbreiten: allen voran die Muppet Show und Winnie the Pooh und Animal Farm sowieso.

(via humanistischer Pressedienst und BBC)
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