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Religionskritik

Steilvorlage für Bündner Ethik-Initiative? Berliner sagen klar «Nein» zu «Pro-Reli»

Berlin hat entschieden: Der 2005 im Bundesland eingeführte Ethkunterricht wird nicht ausgehebelt. Das vorwiegend christlich zusammengesetzte Komitee «Pro Reli» wollte via Volksbegehren eine Wahlfreiheit zwischen Ethik- und Religionsunterricht erzwingen. Die Berliner liessen sich aber nicht durch die Pro-Kampagne mit Prominenten beirren, an der unter anderem der Gesichtsvermieter (Jauch über Jauch) und Wahl-Potsdamer (und somit in dieser Sache nicht Stimmberechtigte) Günther Jauch beteiligt war.

611’422 Ja-Stimmen - ein Viertel der Stimmberechtigten - und die Mehrheit an der Urne hätten die Befürworter benötigt. Beide Zielvorgaben wurden klar verfehlt. Nur 346’119 BerlinerInnen unterstützten das Volksbegehren. Aufgrund der tiefen Stimmbeteiligung machte das zwar immerhin 48.5% der UrnengängerInnen aus, doch das Ergebnis ist nur scheinbar knapp. Bereits im Vorfeld wurde vorausgesagt, dass ein Vertel der Stimmberechtigten ein unerreichbares Ziel sein würde. Aufgrund dieser Hürde im Abstimmungsverfahren konnten die Gegner auch zu Hause bleiben. Sieht man einmal von der tiefen Stimmbeteiligung ab, tut sich allerdings ein überwunden geglaubter Graben auf: Die Westberliner, die sich an die Urne bemühten, sagten mehrheitlich ja, im Ostteil der Stadt war die Ablehnung deutlich.

272352_1_Pro_Reli_Nein_Bezirke
Quelle: tagesspiegel.de

Die Befürworter gingen übrigens gerichtlich gegen den Berliner Senat vor, weil er mit Staatsmitteln für ein «Nein» warb. Dass die Pro-Kampagne unter anderem mit Kirchensteuern finanziert wurde, störte die Kläger hingegen offensichtlich nicht.

Im Gegensatz zum geplanten Zürcher Schulfach «Religion und Kultur» werden im Berliner Ethik-Unterricht nicht nur Grundzüge der am meisten verbreiteten Religionen vermittelt sondern auch weltlich-humanistische Werte. Aus diesem Grund ist es in der Tat sinnvoll, dass alle SchülerInnen einer Klasse als Gemeinschaft denselben Unterricht besuchen. Die von den Pro-Reli-Vertretern angestrebte Segregation hätte die Zielsetzungen des Fachs unterlaufen.

Genau um dieselbe Entscheidung geht es am 17. Mai im Kanton Graubünden. Die von den Juso lancierte Ethik-Initiative will, dass künftig zwei Stunden Ethikunterricht angeboten werden, die den zumeist konfessionell getrennten Religionsunterricht ablösen sollen. Die Initiative gewinnt laufend an Unterstützung: Die Jungfreisinnigen, die SP und die Unia haben alle die Ja-Parole herausgegeben. Unterstützt wird die Initiative auch von der Freidenker-Vereinigung und einem Lehrerkomitee.

Dass das heutige Modell - ein obligatorischer Religionsunterricht mit Abmeldemöglichkeit - nicht mehr zeitgemäss ist, hat auch der Regierungsrat erkannt, der mit dem Gegenvorschlag «1+1» einen Mitelweg postuliert: Eine gemeinsame Ethikstunde für alle und eine Stunde Religionsunterricht, die wie bisher von den Kirchen organisiert wird. Die halbe Stundenzahl halbiert aber die Probleme nicht, wie Reta Caspar in der Mai-Ausgabe des «frei denken.» schreibt. Die Segregation würde nicht aufgehoben, zudem ist das Modell nur für die Oberstufe vorgesehen. In der Unterstufe soll sich nach den Vorstellungen des Regierungsrates nichts ändern.

Letztlich entscheiden die Bündner am 17. Mai also zwischen einem Auslaufmodell und einem erprobten, welches in Berlin eben von der Bevölkerung unterstützt wurde. Es ist zu hoffen, dass sie diese Steilvorlage aus dem Norden verwerten.
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Katholische Moraltheorie: Holocaustleugner gut, Vergewaltigungsopfer schlecht

Der misogyne Altherrenclub, der unter dem Namen «Katholische Kirche» auftritt, schlägt wieder einmal zu: Der brasilianische Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho teilte am Mittwoch mit, dass die Mutter eines neunjährigen Mädchens, welches von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde, von der Kirche ausgeschlossen wird. Der Grund: Die Tochter wurde durch dieses Verbrechen mit Zwillingen schwanger, die Mutter folgte dem Rat der Ärzte und stimmte einer Abtreibung zu.

Die Exkommunion, so der alte Mann in der Narrenkappe, musste gar nicht extra angeordnet werden, die sei nämlich zwingend für alle, die an einer
Katholischer Erznarr Jose Cardoso Sobrinho
Abtreibung beteiligt sind, die leitende Ärztin und weiteres Spitalpersonal eingeschlossen. Das sei ein Gesetz Gottes, und dieses stehe immer über von Menschen definierten Regeln.

Nicht betroffen vom kirchlichen Rauswurf ist selbstredend der Täter. Für ihn gilt dasselbe wie für den Holocaust-Leugner Williamson: Er ist ein braves Schaf, wie es der Oberhirte im Himmel gerne hat.

Cardoso:
Die Narrenkappe ist Programm

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Mohammed muss in die Schmuddelecke

Muslime haben in der englischen Stadt Leicester verlangt, dass der Koran in Bibliotheken nicht inmitten profaner Literatur untergebracht wird, nur das oberste Regal werde der Bedeutung des Buches gerecht. Der städtische Bibliotheksrat gab deshalb eine Weisung heraus, die sämtliche religiöse Schriften auf die top shelves verbannt - eine kluge Entscheidung, denn Briten wissen von den Auslagen der Zeitschriftenhändler, dass dort Werke zu finden sind, welche für Kinder und Jugendliche ungeeignet sind.

Christen befürchten nun allerdings, dass Kinder sich künftig für Harry Potter oder die Dark Materials-Trilogie entscheiden könnten, wenn sie nicht mehr an die Bibel rankommen. Ungeklärt bleibt zudem, ob in den Leicestermer Bibliotheken auch die Bücher, in denen zum Jihad gegen Nichtmuslime aufgerufen wird, künftig in den obersten Regale untergebracht werden oder ob diese als Lebenshilfefibeln besser zugänglich bleiben müssen.

(via hpd.de)
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Pokern für Jesus und beten gegen Schwule - die Zürcher Citychurch in Aktion

Die christlichen Fundamentalisten, die Lesben und Schwulen eine Party missgönnen, erhalten Verstärkung, wie der Tages-Anzeiger heute berichtet: Die Stadtzürcher City Church ruft ihre 170 Mitglieder auf, gegen die Europride anzubeten. In einer aufgrund der Zeitungsrecherche vom Netz genommenen Predigtaufnahme wurde gegen die homosexuelle Verschwörung, deren Drahtzieher «ein sexuell-strategisches Spinnennetz über die Welt ausbreiten» wollten, gewettert.

Gänzlich ohne irdische Freuden scheinen aber auch die City Churchianer nicht auskommen zu wollen. Die Kirche veranstaltet ab Ende März die Church Series of Poker. Und die Besucher sollen sich restlos wohl fühlen. Die Ankündigung im Netz jedenfalls verspricht:

Die Service-Girls bringen dir die Drinks und den Food direkt an den Platz.


Es werden wohl alles kirchlich geprüfte Heteras sein.
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Agentur C will Gläubige mit neuen Plakaten aufrütteln

Das Wort zum Sonntag

Die Agentur C hat einen göttlichen Auftrag: Mit ihrem Siebenjahresplan soll sie die Worte der Bibel in die entrückte Gesellschaft hinaustragen. Der Agentur wird zuweilen vorgeworfen, fundamentalistisch aufzutreten und gleichzeitig die unangenehmen Seiten der Bibel auszublenden. Nun reagiert sie auf diese Kritik.

Geschäftsleiter Peter Stucki erklärt: «Im Psalm 11 steht ‘Der HERR prüft den Gerechten und den Gottlosen’. Wir müssen also auch die schwer erklärbaren Botschaften der Bibel präsentieren. Nur wer auch diese erträgt, kann sich zu den Gerechten zählen. Den Gottlosen hingegen wird der HERR Feuer und Schwefel und Glutwind zum Lohne geben.»

Eine erste Auswahl der neuen Phase IV der Kampagne wird hier erstmalig abgebilet:

1. Buch Samuel 18, 274. Buch Mose 31, 174. Buch Mose 15, 32
Exodus 44, 44Römer 13, 1

Einzelne Bibelquellen wurden hier bzw. hier gefunden. Eine derartige Plakataktion wurde bereits hier vorgeschlagen.
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Von Business-Plänen und islamistischer Image-Werbung

Aus einer AP-Kurzmeldung von gestern Abend (erschienen bei 20 Min):

Im US-Staat New York hat ein Mann seine Frau enthauptet, nachdem sie die Scheidung eingereicht hatte. [...]. Der Täter leitete einen Fernsehsender, mit dem er nach eigenen Angaben einem negativen Image von Muslimen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entgegenwirken wollte.


Gemäss CNN kam die Idee zur Image-Werbung folgendermassen zustande:

Hassan came to America from Pakistan 25 years ago and became a successful banker, but he and his wife were troubled by the negative perception of Muslims, Voice of America reported in 2004. Speaking in December 2004, Hassan said his wife, then pregnant, was worried about that perception and «felt there should be an American Muslim media where her kids could grow up feeling really strong about their identity as an American Muslim.» «So she came up with the idea and turned to me and said, 'Why don't you do it?' » he said. «And I was like, I have no clue about television. I'm a banker. ... And her comment was, 'You have an MBA. Why don't you write a business plan?' »


Der Business Plan gilt nun wohl als gescheitert.
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Die «Atheist Bus Campaign» kommt in die Schweiz

Die Schweizerischen Freidenker übernehmen die Britische Kampagne und zeigen, dass es sich auch in der Schweiz gottlos glücklich leben lässt. «Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge - geniess das Leben» lautet die deutschsprachige Adaption.



Der Spruch fordert auf, sich nicht von Unheilsverkündigungen und anderen verqueren Botschaften religiöser Organisationen einschüchtern zu lassen. Entsprechend lauten die Webauftritte der Kampagne www.geniess-das-leben.ch, www.profite-de-la-vie.ch und www.goditi-la-vita.ch.

Agentur C: Verbale Kreuzritter
In der Schweiz ist insbesondere die christliche Agentur C damit beschäftigt, ihre religiösen Botschaften dauerhaft hinauszuposaunen (s. Bild). Sie steckt gerade inmitten eines Sieben-Jahres-Plans zur «Verankerung Gottes Wort in der Schweiz». Die Hälfte dieser sieben dunklen Jahre sind allerdings verstrichen, ohne dass die Mehrheit der Bevölkerung vom Geheimplan viel mitgekriegt hätte. Die Atheist Bus Campaign ist als einmalige Aktion geplant. Es ist zu hoffen, dass sie besser wahrgenommen wird. Die Cover-Story in der heutigen 20 Minuten-Ausgabe ist schon mal ein guter Auftakt. Am Mittwoch folgt ein Rundschau-Beitrag.

Facebook-Cause zum Thema
08.02.2009
There's probably no limit - Businserate selbst gemacht
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Die Welt verstehen - heute mit Pius-Bruder Franz Schmidberger

Es gibt unterschiedliche Schweregrade der Sünde. Die schlimmste ist die Gotteslästerung. Weniger schlimm ist die Beleidigung seiner Geschöpfe. Deshalb ist das Abreissen eines Armes einer Jesus-Statue «objektiv eine schwerere Sünde als der Terroranschlag von New York».

Diese Klärung verdanken wir Pater Franz Schmidberger, CEO der der deutschen Niederlassung der Priesterbruderschaft St. Pius X und gemäss dem SWR-Magazin Report Mainz ein enger Vertrauter von Gründervater Marcel Lefebvre. So hatte er diesen bei der Weihe der kürzlich vom Vatikan rehabilitierten vier Bischöfe assistiert.

Da stellt sich die Frage, wieso sich die Pius-Brüder überhaupt die Mühe machen, den Holocaust zu leugnen. Denn der war ja nur gegen Menschen, nicht gegen ihren Gott gerichtet. (via hpd.de.)

27.05.2008 Die Welt verstehen - heute mit Sharon Stone
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There's probably no limit - Businserate selbst gemacht

Das Wort zum Sonntag

Was im vergangenen Juni als verwegene Idee begonnen hatte, ist zum weltumspannenden Phänomen geworden. Der Aufruf der Guardian-Kolumnistin Ariane Sherine, Geld zu spenden, um Londoner Busse mit einem säkularen Inserat zu schmücken, fand unerwartete Resonanz: 5500 britische Pfund hatte man sich als Sammelziel gesetzt, vor wenigen Tagen wurde die Grenze von 150’000 Pfund überschritten. Seit Januar sind nun in ganz Grossbritannien (mit Ausnahme von - wen wundert’s? - Nordirland) Busse mit dem Slogan «There’s probably no god. Now stop worrying and enjoy your life.» unterwegs. Und bereits hat die Atheist Bus Campaign Nachahmer in Spanien, Kanada, den USA und anderswo gefunden.

Seit der Lancierung gab es immer wieder mal Debatten, welches der passendste Slogan sei. Es wurden dabei auch weitaus weniger zurückhaltende Varianten vorgeschlagen. Egal ob man’s lieber subtil oder überdeutlich mag, dank des Bus Slogan Generators kann nun jeder seine eigenen Businserate gestalten - zumindest virtuell:



Der Generator lässt sich natürlich auch verwenden, um weitaus weltlichere Autoritäten anzuzweifeln (Nein, Nicht-Informatiker müssen diesen Slogan nicht verstehen):

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Von Gauklern, Scharlatanen und Scheinwissenschaftlern

Pablo Picasso, Die Gauklerfamilie
Das Wort zum Tag

Gute Gaukler sind wunderbare Kleinkünstler. Sie trumpfen als Akrobaten, Jongleure, Zauberer oder Gedächtniskünstler scheinbar mit übernatürlichen Fähigkeiten auf - aber eben nur scheinbar. Der Reiz fürs Publikum liegt genau darin, dass klar bleibt, dass die Künstler in Wirklichkeit solide Handwerker sind, die bestens eingeübte, aber kaum zu durchschauende Tricks vorführen.

Es gibt allerdings auch solche, die sich nicht als gewöhnliche Strassen- oder Bühnenkünstler präsentieren mögen, ihr Vorgaukeln geht einen Schritt weiter. Sie behaupten, tatsächlich Fähigkeiten zu besitzen, die sie nicht haben und verpacken ihre Darstellungen in abenteuerliche Geschichten. Im dafür gebräuchlichen Etikett «Scharlatan» versteckt sich das italienische ciarlare, schwatzen. Knaurs Universallexikon definiert den Begriff entsprechend als «jemand, der sich durch Redegewandtheit zu Unrecht den Ruf eines Fachmannes verschafft (bes. in der Med.)». Scheinheiler dürften wohl tatsächlich die Mehrheit unter den Scharlatanen ausmachen. Doch es gibt sie auch in anderen Disziplinen - und das ist beileibe kein neues Phänomen. Johann Burckhardt Mencke, der in zweiter Generation die erste wissenschaftliche Zeitschrift des deutschsprachigen Raums herausgab, schrieb schon 1713 von der Scharlatanierie der Gelehrten. Zwischen 1717 und 1742 veröffentlichte er Zusatzbände zu den Berufsgruppen der Ärzte, der Geistlichen und der Juristen).

Eine weit verbreitete moderne Form der Scharlatanerie ist, Glaubenskonstrukte scheinwissenschaftlich zu «beweisen». Hierbei wird der Wortschatz von Geistes- oder Naturwissenschaften übernommen und suggeriert, Schlüsse würden nach anerkannten Methoden gezogen. Zur Untermauerung der eigenen esoterischen oder religiösen Glaubenssätze werden allerdings elementare wissenschaftliche Regeln verletzt. Zum Beispiel erfolgen Interpretationen vor dem Durchführen von Beobachtungen oder es werden nicht falsifizierbare Behauptungen aufgestellt oder unschlüssige Beweisführungen aufgestellt. Dies ist auch bei dem Kreationisten der Fall, dem ich am 21.12.2008 einen Beitrag widmete. Wer keine andere anderen Erklärungsmodelle zulässt als bibelkonforme, betreibt Scheinwissenschaft. Dies muss durchaus nicht in böser Absicht erfolgen. Im Klappentext zum (leider vergriffenen) Buch Scharlatane: zehn Fallstudien von Gregor Eisenhauer wird dies verdeutlicht:

Die Lust am Betrug und am Selbstbetrug eint Täter und Opfer. Nicht selten glaubt der Scharlatan selbst, was er sagt; das lernt er im Lauf seiner Karriere - nicht zuletzt, weil seine Kundschaft ihm fanatisch anhängt. Dabei ahnen alle die Gefahr. Doch die Hoffnung auf eine wunderhafte Wendung scheint ihnen immer noch trostreicher als der Trott des gesunden Menschenverstandes.


Aus dem Umfeld des kritisierten Kreationisten kam die Aufforderung, die Bezeichnung «Scharlatan» zu entfernen. Dazu besteht kein Anlass. Aber der Begriff scheint - zumindest für einzelne - erklärungsbedürftig. Dies sei hiermit nachgeholt.

Bild: Pablo Picasso, Die Gauklerfamilie, 1905, National Gallery of Art, Washington D.C., USA
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2009: Galileo und Darwin reloaded

Sie stehen stellvertretend für die beiden ersten fundamentalen Kränkungen des Menschen: Galileo Galilei und Charles Darwin. Ersterer bestätigte vor 400 Jahren mit seinen Beobachtungen des Sternenhimmels durch ein Teleskop Kopernikus’ These, dass die Erde um die Sonne kreise. Zweiterer präsentierte vor 150 Jahren mit seinem Werk On the Origin of Species eine schlüssige Erklärung für die Entwicklung der Arten.

Aus religiöser Sicht waren (und sind) die erfahrenen Kränkungen in der Tat fundamental: Unser Planet bildet mitnichten das Zentrum des Universums und der Mensch ist kein nach irgend einem göttlichen Ebenbild geschaffenes Wesen. Logisch, dass beide Wissenschafter von der jeweiligen Staatskirche bekämpft wurden. Galileo wurde durch die Inquisitoren gezwungen, seine Schlussfolgerungen zu widerrufen. Und Darwin wurde von Vertretern der anglikanischen Kirche geächtet.

Die beiden Forscher und ihre monumentalen Beiträge zu unserem naturwissenschaftlichen Verständnis werden dieses Jahr gebührlich gefeiert, 2009 ist zugleich das Internationale Jahr der Astronomie und das Darwin-Jahr.

Und so langsam scheinen sich auch die Kirchen daran zu gewöhnen, dass ihre eigenen Weltbilder reformbedürftig sind. «Bereits» 1979 hatte die katholische Kirche eine Kommission eingesetzt, um den «Fall Galileo» neu aufzurollen. Und blosse 12 Jahre später verkündete der Vatikan, dass Galileo mit seiner heliozentrischen Sicht tatsächlich richtig gelegen hatte. Und nun will die Kirche ihm gar in ihren Heiligtümern eine Statue errichten. Und rechtzeitig zum Jubiläum sendet auch ein Vertreter der Anglikanischen Kirche ein mea culpa aus. (Von einer Statue in der Canterbury Cathedral ist allerdings noch nicht die Rede...)

Mit oder ohne kirchlichen Segen, etliche Veranstaltungen im Rahmen der beiden Jubiläumsjahre sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Anlässe in der deutschsprachigen Schweiz zum Astronomiejahr sind hier aufgeführt und solche zum Darwin-Jahr hier (in Zürich) und hier (Bern).

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Religulous - aktuelle Fallbeispiele

Das Wort zum Sonntag

Ob’s an der Jahreszeit liegt? Religiöse Wirrköpfe bemühen sich aktuell mit besonders absurden Verlautbarungen um Schlagzeilen. In England verspricht der von Sozialhilfe lebende Imam und Rechtsanwalt Anjem Choudary seinen muslimischen Glaubensbrüdern die Verdammung in der Hölle, sollten sie an Weihnachtsfeiern teilnehmen. Und in der Schweiz betet Ex-Junkie und SVP-Aktivist Daniel Regli mit seiner putzigen Familienlobby für Regen während der nächstjährigen «Euro Pride», da er Homosexualität als Sünde betrachtet.

Selbstredend begründen sowohl Choudary wie auch Regli ihre Positionen mit Verweisen auf ihre jeweiligen religiösen Lieblingstexte. Entsprechend lau blieb die gesellschaftliche Unterstützung für die Sektierer.

Vielleicht sollten sie’s mal mit der Strategie des Leipziger Theologieprofessors Peter Zimmerling versuchen. Er empfiehlt seinen Schäfchen, beim Missionieren eine nicht-religiöse Alltagsprache zu verwenden und an populäre Kultur, etwa an Kinofilme, anzuknüpfen.

Hervorragend dazu geeignet wäre beispielsweise der Film «Religulous», in dem der US-Amerikanische Satiriker und Bill Maher eine ganze Palette an religiösen Wirrköpfen präsentiert. Damit sollte ihnen sogar das gelingen, wonach sich Zimmerling so sehr sehnt: Mit Atheisten ins Gespräch zu kommen.

(Teile via SideEffects und humanistischer Pressedienst)
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Frage an die muslimischen Verbände hier: Schaut Ihr auch mal fern?

Ich weiss, einen wirklichen Dachverband hab Ihr nicht, und Ihr seid vor allem damit beschäftigt, Euch voneinander abzugrenzen. Aber dennoch, werte Öffentlichkeitsverantwortliche der Ligue des Musulmans de Suisse, des Forums für einen fortschrittlichen Islam, der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, der Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz, der (im Cyberspace offenbar inexistenten) «Koordinationsstelle Islamischer Organisationen Schweiz» und ähnlicher Vereinigungen, erlaubt mir eine Frage:
Schaut Ihr auch mal fern? Und wenn ja, habt Ihr zu den Terroranschlägen in Mumbai so gar nichts zu sagen? Ein kleines Bisschen Ratlosigkeit oder Ablehnung, vielleicht gar eine klare Distanzierung? Damals, als Ihr euch über die Mohammed-Karikaturen empörtet, habt Ihr doch sogar eine Demo in Bern hingekriegt. Also seid doch bloss nicht so scheu, Ihr habt doch bestimmt eine Meinung zu den Vorfällen, oder?
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Raufende Priester zum Dritten

Die Geschichte ist zwar schon sechs Tage alt, aber da die Berichterstattung über derlei Ereignisse hier schon fast Tradition hat und es ausserdem gleich Sonntag und schon bald Weihnachten ist, kriegt dieser kleine Bericht aus Jerusalem doch noch einen Eintrag:

Griechisch- und Armenisch-Orthdoxe Christen haben wieder mal auf gute alttestamentarische Art auszuloten versucht, wer in der so genannten Grabeskirche wann und wo das Sagen hat. Die Polizei schritt ein, bevor die Frage abschliessend geklärt werden konnte.



siehe auch:

20.04.08 Die Botschaft der Liebe - mit Fäusten überbracht
29.12.07 Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?
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Und als Nächstes: Eine Atheistin als Präsidentin

Es mag unangebracht wirken, am Tag nach seiner Wahl und noch vor seinem Einzug ins Weisse Haus schon über Obamas Nachfolge zu sinnieren. Er soll selbstredend erst mal eine oder zwei Amtsperioden Zeit haben, den angestrebten Wandel zu erreichen.

Die überdeutliche Wahl setzt ermutigende Zeichen, aber da und dort wird vielleicht etwas gar früh frohlockt. Manfred Messmer beispielsweise meint:

Ich bin insofern froh darüber, dass mit Herrn Obama erstmals - im Wortsinn - ein Afro-Amerikaner ins Weisse Haus gewählt wurde, weil jetzt die Rassenkarte nicht mehr gespielt werden kann. Es ist in der Tat völlig egal, welche Hautfarbe der amerikanische Präsident oder sonst irgendjemand hat. Es ist auch völlig egal, welcher Religion jemand angehört.


Ihre rassistische Vergangenheit haben die USA mit dieser Wahl wohl tatsächlich witgehend hinter sich gelassen. Von einer ähnlichen Gelassenheit bei Glaubensfragen ist aber wenig zu spüren. Man muss sich nur Szenen aus dem Wahlkampf vergegenwärtigen, um zu sehen dass man Messmer nur Recht geben kann, wenn man seine Aussage so liest, wie er sie wohl nicht gemeint hat: «Es ist auch völlig egal, welcher Religion jemand angehört, solange er sich glaubhaft (sic!) zu irgendeiner bekennt.»

Wer sich die Welt ohne metaphysischen Überbau erklärt, wird in den USA weiterhin geächtet, wie die folgenden Beispiele illustrieren:

Die demokratische Senatorin Monique Davies aus der demokratischen Hochburg Illinois sagte zu einem Atheisten bei einem ihrer Wahlkampfauftritte:

What you have to spew and spread is extremely dangerous...it's dangerous for our children to even know that your philosophy exists! Get out of that seat...You have no right to be here! We believe in something. You believe in destroying!


Die eben abgewählte republikanische Senatorin Elizabeth Dole aus South Dakota schaltete Fernsehwerbung gegen ihre Herausfordererin Kay Hagan mit der Botschaft, dass diese sich im Geheimen vom «godless Americans pack» habe finanzieren lassen (Video). Hagan musste natürlich gleich ein Dementi schalten und kundtun, dass sie als ehemalige Sonntagsschullehrerin die Meinungen der Atheistengruppe, die für sie Geld sammelte, natürlich nicht teile und sie sich durch die Anschuldigung in ihren religiösen Gefühlen verletzt sehe.

Es ist also in spätestens acht Jahren Zeit für eine atheistische Präsidentin - damit auch die Glaubenskarte nicht mehr gespielt werden kann.

Nachtrag: Ihre Nachfolge sollte dann wohl ein gleichgeschlechtlich verheirateter Vegetarier antreten, denn wer dem Rindfleisch das Futter wegfrisst, macht sich in rural ‘merica politisch ebenfalls höchst verdächtig. (via Misanthrop).
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Veranstaltungshinweis: Michael Schmidt-Salomon in Winterthur und Zürich

Vor einem Jahr erschien das Kinderbuch «Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel», und es sorgte schon kurz nach seiner Veröffentlichung für Aufruhr. Das deutsche Familienministerium wollte das Buch als jugendgefährdend taxieren und es so faktisch verbieten. Es kam anders, wohl gerade wegen des Zensurantrages wurde es zum Bestseller.

Der Autor, Michael Schmidt-Salomon bietet aber nicht nur Kindern Lektüre zum Nachdenken. Sein «Manifest des evolutionären Humanismus» wird als wichtiger Beitrag zur zeitgenössischen Wertedebatte empfohlen. Geistreich geschrieben ist auch sein Roman «Stollbergs Inferno».

Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz hat ihn zu einer Vortragsreihe an sechs Orten in der Deutschschweiz eingeladen. Die genauen Termine für den Raum Zürich:
  • Donnerstag, 30. Oktober, 19:00 Uhr, Hotel Wartmann, Winterthur (beim Bahnhof)
  • Freitag, 31. Oktober, 19:00 Uhr, Volkshaus, Blauer Saal, Zürich (beim Helvetiaplatz)
Hingehen!
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Die Gedanken sind frei - ausser bei gewissen Verkehrsbetrieben

Der Mensch ist frei geboren - konfessionsfrei«Der Mensch ist frei geboren - konfessionsfrei» - diese ungeheuerlich aufmüpfige Parole wollte die Freidenker-Vereinigung der Schweiz in diversen öffentlichen Verkehrsmitteln in Form von Werbeplakaten unterbringen.

Die Stadtberner, Thuner und St. Galler Verkehrsbetriebe winkten ab. Mit dem Plakat würden religiöse Gefühle verletzt, hiess es (20 Min). Die bedürfen offenbar besonders pfleglicher Behandlung, wird doch von all diesen Betrieben Werbung für Bibelgruppen, Kirchensorgentelefone, religiöse Veranstaltungen und dergleichen zugelassen. Über die Gefühle der Religionslosen wird offenbar wenig sinniert. Oder denken die Werbeverantwortlichen der diversen Verkehrsbetriebe, dass Atheisten etwas weniger mimosenhaft reagieren als ihre besonders gläubigen Zeitgenossen? Mit dieser These könnten sie Recht haben. Frei geboren zu sein befreit. Lebenslänglich.
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Missionieren statt bilden - Religionsunterricht im Alltag

«Was spricht dagegen?» fragte ein Kommentator zu meinem neulichen Blogeintrag zum neuen Zürcher Schulfach «Religion und Kultur». Die Absichtserklärungen klingen ja durchaus redlich, «teaching about religion», nicht «teaching religion» - so wird es neudeutsch erläutert - sei das Ziel. Der Lehrplan enthält allerdings - wie in meinem Kommentar erwähnt - keinerlei weltliche Sichtweisen, so dass die zwingende Neutralität des Unterrichts kaum zu erreichen ist.

Dass zudem der Wille fehlt, das Missionieren wirklich aussen vor zu lassen, sei an einem Beispiel aus St. Gallen erläutert, über das 20min.ch heute berichtet:
Den Frauenklöstern in der Ostschweiz sterben die Nonnen weg. Weit und breit ist kein Nachwuchs in Sicht. Werbung soll nun junge Frauen ins Kloster locken.[...] Im Religionsunterricht in der Primarschule stehen Klosterbesuche inzwischen auf dem Programm.

Genau hier hört der Spass auf. Das Anwerben von GlaubensgenossInnen hat gefälligst ausserhalb der Räumlichkeiten öffentlicher Schulen zu erfolgen. Könnte sich die St. Galler Politik da bitte mal drum kümmern? Danke.
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Nur ein wenig Schöpfungslehre für Zürcher Schüler

Der Zürcher Regierungsat will nicht, dass christliche Schöpfungsmythen gleichwertig neben Urknall- und Evolutionstheorie unterrichtet werden. In seiner Stellungnahme zu einem EDU-Postulat schreibt er:

«Eine Anpassung des Lehrplans im Sinne des Postulats würde die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie das Gebot der konfessionellen und weltanschaulichen Neutralität der öffentlichen Schulen verletzen.»



Folgerrichtig beantragt er dem Kantonsrat, das Postulat nicht zu überweisen. Dies heisst allerings nach Ansicht des Regierungsrates nicht etwa, dass die Schule für die Vermittlung wissenschaftlicher Erklärungen zuständig sein soll und die Kirchen ihre Geschichten in den eigenen Räumen und ausserhalb der Schulzeiten anzupreisen hätten:

«Schöpfungslehre bzw. Intelligent Design sind dem Fach Religion und Kultur zuzuordnen. Der Lehrplan für Religion und Kultur sieht vor, dass Schülerinnen und Schülern auf der Primarstufe die biblischen Urgeschichten von Schöpfung und Paradies sowie Schöpfungstexte verschiedener Kulturen vermittelt werden. Auf der Sekundarstufe I werden Mythen der Schöpfung und des Wertverständnisses im Thema Gottesbilder und Weltbilder altersgemäss erschlossen.»



Das Mystische erhält damit wohl stärker Einzug in den obligatorischen Zürcher Schulunterricht als was die EDU-Postulanten in ihren kühnsten Gebeten glaubten, herausholen zu können.

Der Regierungsrat legte seine Haltung (PDF) übrigens bereits am 9. Juli fest, er verzichtete aber auf eine Medienmitteilung. So blieb die Stellungnahme beinahe unentdeckt. Zum Glück liest der Humanistische Pressedienst bei der religiösen Konkurrenz mit (das Umgekehrte trifft - wie hier jüngst berichtet - ebenfalls zu).
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«Brutale atheistische Aggression» - der kreuz.net-Zug gegen das kleine Ferkel und seinen Schöpfer

Die Macher des online-Portals für ultraorthodoxen Katholizismus, kreuz.net, lesen gerne bei der säkularen Konkurrenz mit. Beim Humanistischen Pressedienst entdeckten sie, dass der Autor des Kinderbuches «Das kleine Ferkel», Michael Schmidt-Salomon, gegen einen Regensburger Bischof klagt.

Kath.net berichtet unter dem Titel «brutale atheistische Aggression» von der Klage des «notorischen deutschen Gottlosen» und «Haßpredigers» Schmidt-Salomon, die von seinem «rabiaten Verleger» Gunnar Schedel, der kommunisitische Schlächter rechtfertige (weil er das faschistische Franco-Regime anprangerte) voll und ganz gestützt wird. Weil Schmid-Salomon sich für ein Recht auf Abtreibung ausspricht, ist er in den Augen der kath.net-Sektierer «ein Verfechter der Kindstötung».

Was war überhaupt vorgefallen? Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig hatte in einer Predigt den Inhalt des Kinderbuches völlig verzerrt wiedergegeben und Schmidt-Salomon unterstellt, ethische Werte grundsätzlich abzulehnen:

Man brauche doch gar keine Ethik, keine humanistische Auswirkung unseres christlichen Gottesglaubens. Der Mensch sei doch verfügbar für den anderen Menschen. Warum sollten Kindstötung, Abtreibung oder therapeutisches Klonen verboten sein?



Die Aussagen sind allerdings frei erfunden, Schmidt-Salomon vertritt klare ethische Prinzipien, die sich in seinem Manifest des evolutionären Humanismus nachlesen lassen.

Nach der Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, tauschte das Bistum Regensburg die online verfügbare Rede durch eine entschärfte, «autorisierte» Fassung aus, sieht aber Sermone als «persönliche Verkündigung des Predigenden» und, so Schmidt-Salomon, die Glaubensfreiheit offenbar als Freibrief für Verleumdungen aller Art. Kath.net scheint das dringende Bedürfnis zu verspüren, diese Annahme zu untermauern. Eines sollten sich deren Schreiber aber vielleicht merken: Schmidt-Salomon dürfte das Etikett «notorischer Atheist» eher als Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes denn als Beleidigung verstehen.

Michael Schmidt-Salomon ist übrigens diesen Herbst zu Gast bei öffentlichen Veranstaltungen der Schweizer Freidenker:
  • Montag, 27. Oktober, Bern (Ort noch offen), 20 Uhr
  • Dienstag, 28. Oktober, Solothurn, Konzertsaal, 20 Uhr
  • Mittwoch, 29. Oktober, Basel, Merian Saal, Hotel Merian/Café Spitz, 20 Uhr
  • Donnerstag, 30. Oktober, Winterthur, Hotel Wartmann, 20 Uhr
  • Freitag, 31. Oktober 2008, Zürich, Zentrum «Karl der Grosse», 20 Uhr.

Zur Auseinandersetzung um das Kinderbuch siehe auch die früheren Einträge
When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches
Kein Maulkorb für Igel und Ferkel
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Blasphemie oder göttliche Botschaft?

Das Wort zum Sonntag


Wann stellen ein paar zittrig-krumme Linien eine göttliche Botschaft dar und wann pure Blasphemie? Zwei vordergründig vergleichbare Fälle werden durch Islam-Gelehrte völlig unterschiedlich eingestuft: Holzwurmlöcher, die dem Schriftbild für Mohammed ähneln, sind eindeutig ein göttliches Zeichen.

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Ein symbolisiertes Glacé-Häubchen, das einer Allah-Kalligrafie ähnelt, hingegen beleidigt den properen Gläubigen.


Quellen: badastronomy.com (via burnttongue.net) und jihadwatch.org

Muss man nun daraus ableiten, dass nur das, wo der Wurm drin ist, für religiöse Symbolik taugt? Bitte um gelehrigen Rat.
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Die Welt verstehen - heute mit Sharon Stone

Die Welt scheint oftmals unergründlich. Aber da sind ja die Religionen, die es uns ermöglichen, verborgene Zusammenhänge zu sehen. Zum Beispiel, dass die Erdbeben in China wohl die Folge eines schlechten Karma sind, wie Sharon Stone vermutet:

"I’m not happy about the way that the Chinese are treating the Tibetans. [...] Then all this earthquake and all this stuff happened, and I thought, is that karma? When you’re not nice, that the bad things happen to you?"

Mehr...
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Don Camilotto im Kampf gegen das Böse

Don Camilotto ist Pfarrer und Religionslehrer am Liceo 1 in Lugano. Und er unterrichtet offenbar mit mehr Hand als Herz und Verstand. Jedenfalls schlug er auf dem Pausenplatz auf zwei dreizehnjährige Schülerinnen ein, da er meinte, von ihnen ein "porco dio" gehört zu haben.

Gemäss Berichterstattung tauschten die Schülerinnen nur ein "porco zio" aus, aber das ist im Grunde nebensächlich. Wenn ein Pfaff das Bedürfnis hat, nach den Worte Jesu zu leben - "Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. (Matthäus 10,34)" - ist das seine Sache. Wenn er sich aber zum Prügeln genötigtMehr...
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Bei Allah! Greenwich Mean Time ist schuld an Blutkreislaufstörungen

Muslimische Wissenschafter und Geistliche möchten das Wohlbefinden auf der Erde erhöhen. Zum Wohle der ganzen Menschheit forderten sie deshalb an einer Konferenz in Qatar, der imperialistischen Zeitmessung endlich ein Ende zu setzen und die Mekka-Zeit einzuführen. Denn, das wahre Zentrum der Erde liege in der saudischen Hauptstadt und Mekkas Längengrad sei - ganz im Gegensatz zu demjenigen von Greenwich - perfekt auf den magnetischen Norden ausgerichtet.

Bereits im Dezember 2006 hatte der ägyptische Forscher Abd al-Baset al-Sayyid festgestellt, dass auf Greenwich basierende Zeitrechnungen zuMehr...
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Die Botschaft der Liebe - mit Fäusten überbracht

Frank A Meier durfte heute im Sonntagsblick predigen. Unter anderem lässt er uns wissen:

Die jüdisch-christliche Entwicklung hat durch Jesus die Botschaft der Liebe in die Welt gebracht.



Selbsternannte Gralshüter dieser Botschaft haben heute wieder einmal gezeigt, wie dies zu verstehen ist: Griechisch-orthodoxe und armenische Priester versuchten in der Grabeskirche von Jerusalem einander mit Fäusten zu zeigen, wo ihr Gott hockt - ein offenbar beliebtes Ritual unter den beiden Glaubensgemeinschaften, liegt die letzte derartige Zeremonie doch keine vier Monate zurück.


Quelle: 20 Minuten/AP

Damals schlug ich vor, Zivildienstleistende zur Befriedung der Situation zu entsenden. Aber vielleicht sollte man die beiden Lager viel eher mal anständig bewaffnen. Solange die nur mit Besenstielen aufeinander los prügeln, hört das wohl nie auf...
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Die Kreuzritter des Kreationismus nun auch in Zürich aktiv

Es ist gerade mal fünf Tage her, da hatte der Berner Grosse Rat beschlossen, dass religiöse Mythen im Biologieunterricht nichts zu suchen haben. Mit 99 zu 23 wurde ein EDU-Vorstoss abgelehnt, der den Berner SchülerInnen die Schöpfungslehre als «Alternative zur Evolutionstheorie» um die Ohren schlagen wollte.

Der Grossratsentscheid liess hoffen, dass der Volksschule und der Politik weitere Kreationismusdebatten erspart würden. Doch weit gefehlt: Wie die Mehr...
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Kein Maulkorb für Igel und Ferkel

«Nun ist es gewissermaßen „amtlich": Auch Kinder dürfen über religiöse Aussagen, die ihnen komisch erscheinen, lachen.» So beginnt die Mitteilung des Humanistischen Pressedienstes zum Entscheid der deutschen Bundesprüfstelle, das Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel» nicht zu verbieten. Buchhandlungen und Kinderzimmer werden in Deutschland also nicht zu Tabuzonen für Religionskritik.

Es ist zu hoffen, dass das Familienministerium, welches den Zensurierungsantrag gestellt hatte, künftig auf solcherlei unnötigen Aktivismus verzichtet.
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When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches

Kinderbüchern haftet oft der Ruf an, sie seien reichlich moraltriefend, müssten mindestens so sehr erzieherisch wertvoll wie unterhaltsam sein. Als Beispiel möge Der Regenbogenfisch lernt teilen dienen. Den Anspruch, Kinder in die richtigen Bahnen zu leiten, haben sicherlich auch religiös ausgerichtete Kinderbücher. Solche sind in der aktuellen Amazon-Bestenliste in dieser Kategorie mit so erbauend klingenden Titeln vertreten wie «Ich bin das Licht, Komm freu Dich mit mir», «Du bist einmalig» oder «Ich will dir was erzählen, lieber Gott. Mit Kindern beten ist schön».

Man könnte leicht zynisch schlussfolgern, Kindern wird aus erzieherischen Gründen das selber Denken abgenommen. Dabei gibt es sehr wohl Kinder, die sich dieses Recht frech herausnehmen wollen - wie es im besten aller Kinderbücher anschaulich dokumentiert ist:

"Thinking again?" the Duchess asked, with another dig of her sharp little chin."I've a right to think," said Alice sharply, for she was beginning to feel a little worried."Just about as much right," said the Duchess, "as pigs have to fly...."



So sehr wie Schweine ein Recht zum Fliegen haben, wird also der kleinen Alice im Wunderland beschienen, habe sie ein Recht zu denken.

Den armen Schweinen wird ja neuerdings nicht nur das Recht zum Fliegen abgesprochen, Piglet wurde aus dem türkischen Fernsehen verbannt, die drei kleinen Schweinchen will man aus britischen Schulzimmer aussperren. Und nun soll es eben einem deutschsprachigen Ferkel an den Kragen gehen.

Doch dieses lässt sich nicht so einfach unterkriegen. Drei Tage nach dem Antrag des deutschen Familienministeriums, das religionskritische Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott?» fragte das kleine Ferkel zu verbieten, ist dieses in der deutschsprachigen Bücher-Bestsellerliste von amazon.de auf Platz 1 gelandet.

Die Schweine lassen lassen sich also das Fliegen nicht nehmen. Und die Kinder nicht das Denken. Das ist gut so. Dem Familienministerium kann man für die Beihilfe zu dieser Klärung eigentlich nur dankbar sein.
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Der schweinischen Zensur zweiter Teil

Schweine aus der Welt der Kinderbücher bedrohen die Zivilisation offenbar mit System. Erst letzte Woche Woche musste die staatliche britische Agentur für Lerntechnologie eine CD von einem Wettbewerb verbannen. Hatten es die Autoren doch gewagt, ihre Lern-Software auf der anstössigen Geschichte der drei kleinen Schweinchen zu basieren.

Nun mussten aus Gründen des Jugendschutzes auch deutsche Ordnungshüterinnen einschreiten, gegen ein Ferkel, das obszöne Fragen stellt, z.B. «Wo bitte geht's zu Gott?» Das Familienministerium möchte das religionskritische Kinderbuch des Schriftstellers Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke auf den Index setzen, es also für Kinder und Jugendliche so unzugänglich machen wie harte Pornographie und Nazi-Literatur.

Der Verlag und die humanistische Bruno Giordani-Stiftung haben nun eine Aktion "Rettet das Kleine Ferkel" gestartet.



Doch die Unterschriftenaktion greift eigentlich zu kurz. Denn neu ist der Trend nicht. Bereits 2006 hatte das staatliche türkische Fernsehen Winnie the Pooh verbannt wegen dessen enger Beziehung zu Piglet.

Es braucht wohl eine grössere Gegenbewegung. save-the-piglets.com vielleicht?
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Tom Cruise als Unfallhelfer? Bizarres aus dem Paralleluniversum von Scientology

Es soll schon vier Jahre alt sein, auf Youtube aufgetaucht ist es allerdings erst vor zwei Tagen: Das Werbefilmchen von Scientology, in welchem Tom Cruise wirres Zeugs daherredet (entdeckt via The Register).

"When you're a Scientologist, and you drive by an accident, you know you have to do something about it, because you know you're the only one who can really help."



Zu seinem Scientology-Dasein meinte er tiefgründig: "It's rough and tumble and it's wild and woolly and it's a blast." Und weiter: "We are the authorities on the mind." Sowie "Being a Scientologist, when you drive past an accident it's not like anyone else. As you drive past, you know you have to do something about it because you know you're the only one that can really help."
Tom Cruise in seiner bisher schlechtesten Rolle
Would you trust this guy? - Szene aus dem Scientology-Werbefilm

Treffend die Einschätzung von Nick Denton auf gawker.com: «If Tom Cruise jumping on Oprah's couch was an 8 on the scale of scary, this is a 10.» Man könnte noch ergänzen: Not always when scientologists freak out, do they intend to. Ich für meinen Teil verzichte jedenfalls gerne auf die Nothelfer von Scientology.
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Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?

Zivildienstleistende sollen ab dem kommenden Frühjahr Konflikte im öffentlichen Raum entschärfen, das sieht das Projekt «Konfliktprävention im öffentlichen Raum durch Zivildienstleistende» vor. Der Regierungsrat unterstützt das Projekt mit 12'000 Franken, wie die NZZ berichtet. Zivildienstleistende sollen neu die Möglichkeit erhalten, als Friedensstifter für die Bewältigung niederschwelliger Konflikte ausgebildet zu werden. Die Schaffung eines solchen freiwilligen Ausbildungsangebotes (allerdings nicht auf wehrpflichtige Männer beschränkt) forderte vor zehn Jahren die Initiative «Solidarität schafft Sicherheit: Für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst». Beim Abstimmungskampf im Jahr 2001 wurde heftig gegen die Idee gewettert - und sie wurde als Teil eines Armeeabschaffungspaketes abgetan.

Erfreulich, dass die Diskussion versachlicht wird. Es ist gut, dass der Fokus zuerst auf die Bewältigung eigener Konfliktherde gelegt wird. Vielleicht kann die Schweiz aber dereinst sogar Friedensstifter ins Ausland entsenden, z.B. wenn sich in Bethlehem zur Weihnachtszeit wieder einmal Priester gegenseitig die Nasen einschlagen...

N.B. Nachdem ich nun die letzte wichtige Pendenz im alten Jahr abgehakt habe, das Bügeln herumliegender Kleiderberge, das Einreichen der überfälligen Steuererklärung, das Einsenden der Lösung zum NZZ-Folio-Rätsel, verabschiede ich mich für dieses Jahr aus dem Cyberspace. Wünsche allerseits einen guten Rutsch!
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Von ungläubigen Teddybären und Eselsweisheiten

Mohammed ist kein gewöhnlicher Name. Ihn anderen Personen als Propheten zu verleihen ist aus muslimischer Sicht heikel, die Gratwanderung zwischen Ehrerweisung und Beleidigung ist schmal. Um genau abzuklären, wer sich denn mit dem Namen des Propheten schmücken dürfe und wer nicht, wurde jüngst im Sudan eine Feldstudie durchgeführt.

Die Untersuchungsfrage lautete: Welche dieser «Personen» ist befugt, den Namen «Mohammed» zu tragen?
Khalid Sheikh Mohammed Muhammad Ali Muhammad der Teddybär Mohammed Atef
Khalid Sheikh Mohammed Muhammad Ali Teddybär von Muhammad (7) Mohammed Atef
Mutmasslicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 Boxerlegende, Kriegs-dienstverweigerer und St. Sebastian-Double für Esquire (Foto typähnlich) Auf Wunsch des Teddy-Besitzers so benannt ehemaliger militärischer Führer von al-Qaida
 
Das gesunde Volksempfinden Sudans - mutmasslich unterstützt durch die Landesregierung - hat nun also entschieden: Einzig der Teddybär ist es, welcher den Islam und seinen Oberguru beleidigt. Folgerichtig wird der Tod einer Englischlehrerin gefordert, welche zuliess, dass sich ihre Klasse darauf einigte, dass ein Objekt mit nichts als Stroh im Kopf Mohammed getauft wurde (s. BBC-Berichterstattung zur Volksbefragung).

Solcherlei zu kommentieren steht eigentlich nur dem einzigen anerkannten Fachmann für Teddybärenverhaltensforschung zu. Eeyore, langjähriger Begleiter von Pooh dem Bären erkannte schon vor 80 Jahren: «People who don't think probably don't have brains; rather, they have grey fluff that's blown into their heads by mistake.»
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Minarettinitiative ungültig - aber Zwangskirchensteuer für juristische Personen legal?

Die Minarett-Initiative der SVP ist überflüssig wie ein Kropf, daran besteht kein Zweifel. Gemäss Auffassung von Rechtsexperten müsste sie für ungültig erklärt werden, da sie zwingendes Völkerrecht verletzt - so der Tages-Anzeiger von heute. Springender Punkt dabei ist, dass der Bundesrat die «notstandsfesten Garantien des Internationalen Paktes über die bürgerlichen und politischen Rechte» ebenfalls zum Völkerrecht zählt. Diesem «Uno-Pakt II» ist die Schweiz 1990 beigetreten. Er schreibt vor, dass - nebst anderem - die Religionsfreiheit nicht ausser Kraft gesetzt werden darf. So weit, so gut.

Im Kanton Zürich will man aber aktuell einen Verstoss gegen diese Religionsfreiheit zementieren: Das revidierte Kirchengesetz, welches demnächst zur zweiten Lesung in den Kantonsrat geht, will an den obligatorischen Kirchensteuern für juristische Personen festhalten. Versuche, diese Abgabenleistung für freiwillig zu erklären oder eine allgemeine Sozialsteuer einzuführen, bei der die Unternehmen hätten mitbestimmen können, wohin ihr Geld fliessen soll, sind gescheitert.

Für den Erhalt der Zwangssteuer wurde vor allem mit zwei Argumenten geworben: Erstens tue die Kirche viel Gutes und der Staat sei geradezu auf diese Leitungen angewiesen und zweitens hätte das Bundesgericht im Jahr 2000 die Verfassungsmässigkeit der Zwangsabgabe bestätigt. Ersteres kann man sehr wohl gelten lassen, nur könnte eine Abgeltung der nichtkultischen Tätigkeiten der Kirche sehr wohl über Leistungsaufträge erfolgen. Keine nichtstaatliche Organisation, die Leistungen im Auftrag des Staates erbringt, kommt in den Genuss solcher Privilegien. Bei der Verfassungsmässigkeit ist die Sachlage allerdings weitaus weniger klar: Im Jahr 2001 - also nach dem Bundesgerichtsentscheid - hat Bundesrat beschlossen, dass er den Uno-Pakt II ebenfalls als zwingendes Völkerrecht ansieht. Das müsste für die Gerichte künftig Masstab sein.

Als Freidenker, der klarere Trennlinien zwischen Kirchen Staat sehen will, müsste ich fast - so zynisch es klingt - auf ein Zustandekommen der Minarett-Initiative hoffen. Damit sie dann mit dem Hinweis auf die völkerrechtlich garantierte Religionsfreiheit für ungültig erklärt werden kann. Und damit dieser Entscheid bei künftigen Debatten, bei der es um den Status der Staatskirchen geht, den Rahmen setzt - eben auch bei der Frage, ob nichtfreiwillige Kirchensteuern für juristische Personen legal sind.
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Wählt atheistische Politiker!

Das Wort zum Sonntag


«Wählt atheistische Politiker!» titelte vor zwei Wochen Beda M. Stadler seine Gastkolumne in der NZZ am Sonntag. Selbst bei mir als Nichtgläubigem rief das erstmal Nasenrümpfen hervor. Wieso sollte die Gretchenfrage bei Wahlen alle anderen Selektionskriterien überwiegen?

Bei den in ihrem Glauben herausgeforderten LeserbriefschreiberInnen gingen die Reaktionen allerdings deutlich übers Naserümpfen hinaus: Da wurden in ihren letztwöchigen Repliken die Gottlosen schon mal zu Unmenschen, die zu moralischem Handeln grundsätzlich nicht in der Lage seien. Eine zweite Runde Leserbriefe blieb heute aus, entweder weil das Thema aus Sicht der Redaktion keinen zusätzlichen Raum verdiente - oder aber vielleicht, weil die Nichtgläubigen ihre eigene Haltung nicht gleichermassen erbittert zu verteidigen pflegen.

Zurück zur Frage also: Braucht es bekennende Atheisten in der Politik? Für Stadler ist der Fall klar:

Die Säkularisation ist bei uns noch nicht abgeschlossen, wenn Gott in der Verfassung vorkommt oder in der Asyldebatte das Kirchenrecht höher als das Staatsrecht hängt. Es wäre also von einigem Interesse zu erfahren, wer Atheist ist, da bei religiös angehauchten Politikern die Meinung zu Minaretten, Adventskränzen in den Schulen, oder ganz praktischen Fragen wie die Ladenöffnungszeiten gemacht ist.



Wenn man sieht, dass auch auf nzzvotum einzelne Blogger die zehn Gebote eher als gesellschaftlichen Rahmen akzeptieren als unsere Verfassung und wenn man an die kantonsrätliche Debatte zum Lehrplan «Religion und Kultur» zurückdenkt, bei der einzig und allein Esther Guyer (Grüne) die Friede-Freude-Eierkuchenstimmung etwas störte mit ihrem Hinweis, dass das Weglassen jeglicher weltlicher Aspekte im Lehrplan problematisch sei, ist man geneigt, Stadler recht zu geben: Ja, es braucht auch VolksvertreterInnen, die sich deutlich für säkulare Werte einsetzen.

Deshalb: Wählt atheistische Politiker und Politikerinnen!
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Als hätte die Aufklärung nie stattgefunden - zum vorgeschlagenen Lehrplan 'Religion und Kultur'

Das Wort zum Sonntag

Der Kantonsrat machte am 26. September 2005 Druck: Die Motion, welche einen obligatorischen Unterricht über Geschichten und Bräuche der am meisten verbreiteten Religionen forderte, wurde für dringlich erklärt. Grund für die Hektik war in erster Linie die eingereichte Initiative zum Erhalt der biblischen Geschichte. Den Motionärinnen schien es unsinnig, an einem religionsübergreifenden Lehrplan zu werken, ohne zu wissen, ob in Folge eines möglichen Volksentscheides nur mehr christliche Heilslehre vermittelt werden dürfte.

Nun hat der Bildungsrat seinen Lehrplanvorschlag (PDF) präsentiert, welcher als indirekter Gegenvorschlag zur Bibelinitiative zu sehen ist. VertreterInnen der dominanten Religionen, die sich zu Rundtischgesprächen treffen, wurden in die Erarbeitung einbezogen - aber eben nur die. Was nun - wenig überraschenderweise - im Vorschlag völlig fehlt, ist eine Würdigung weltlicher Aspekte.

Man mag ja befürworten, dass eine solche Auslegeordnung von Glaubens- und Wertesystemen präsentiert wird. Und es lässt sich vielleicht auch rechtfertigen, dass dies schon (in stufengerechter Form) in den Primarschulunterricht integriert wird.

Es kann aber nicht sein, dass in unserer weitgehend säkularisierten Gesellschaft nun den Kindern der Eindruck gegeben wird, dass Religion zwingend zum Leben eines jeden Einzelnen gehört. Wenn ein solcher Lehrplan dazu verwendet werden soll, gegenseitige Rücksichtnahme und gegenseitiges Verständnis zu vermitteln, muss auch klar sein, dass es völlig normal ist, sich dem Religiösen zu entziehen und trotzdem ein anständiger Mensch zu sein, der z.B. moralisch handeln kann auch ohne Angst vor einem Fegefeuer oder aus reiner Gottesgefälligkeit.

Selbstverständlich kann ein Lehrer in einer solchen Stunde keine philosophischen Fragen angehen, aber so zu tun, als hätte unser Kulturraum nie eine Aufklärung durchgemacht, ist unerhört. Dieser Entwurf bedarf einer Überarbeitung - und dazu sind gefälligst Personen einzubeziehen, die befähigt sind, ein humanistisches Verständnis einzubringen. Ein runder Tisch, der ausschliesslich aus den Religionen besteht, die hier am lautstärksten um Aufmerksamkeit buhlen, ist dazu offenbar nicht in der Lage.
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Von Schwertkämpfern und Friedensstiftern

Offenbar können auch von Amtes wegen Unfehlbare in Fettnäpfe treten: Paparatzi hat islamisch Gläubige verärgert, weil er den byzantinischen Kaiser Manuel Palaleogos zitierte, welcher nur Negatives über Mohammed zu berichten wurde, da dieser seine Religion mit dem Schwert verbreiten wollte.

Vielleicht sollte der Papst mal die Bibel lesen... Wird doch der Christliche Religiongründer von Matthäus (10:34) zitiert: "Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert".Mehr...
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Anti-Karikaturen-Demonstration in Bern: Ein erster Schritt zu einer sinnvollen Politdebatte?


Rund 1000 Demonstranten haben heute auf dem Bundesplatz gegen die Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Jyllands-Posten (JP) und anderen, vor allem europäischen, Zeitungen friedlich protestiert. Eine durchaus eindrückliche Zahl. In Berlin wurde ein vergleichbarer Aufruf gestern von nur rund 150 Personen verfolgt.

Die Berner Demonstration hat die Debatte um die Karikaturen in der Schweiz erstmalig auf die Strasse gebracht, bisher wurde sie vor allem in Kommentarspalten von Zeitungen auf blogs und auf diplomatischer Ebene abgehalten. Die vorgetragenen Forderungen glichen denjenigen, die zuvor schon von Muslimen von Europa bis Australien vorgebracht worden waren: Religiöse Beleidigungen seien zu verbieten und für die erfolgten Veröffentlichungen seien Entschuldigungen auszusprechen.

«Satire darf alles> – dies forderte Tucholsky unbescheidenerweise ein. Wohl noch nie wie in den vergangenen Tagen wurde dieser Maxime mit nicht zu überbietender Vehemenz widersprochen.

Die kritisierten Mohammed-Karikaturen erschienen bereits Ende September vergangenen Jahres in der dänischen Jyllands-Posten (JP), gänzlich unkontrolliert wurde die Welle der Empörung aber erst in den letzten Tagen. Zweierlei wird von islamischer Seite vor allem geltend gemacht: 1. dass der Koran es grundsätzlich verbietet, vom Propheten ein Bildnis zu machen und 2. dass die Bilder eine gezielte und rassistisch motivierte Provokation war.

Grund genug, diesen Vorwürfen und der westlichen Reaktion darauf, dem Verweis auf die Pressefreiheit, ein paar Zeilen zu widmen:
Mohammed wurde im Westen wie im islamischen Raum durch die Epochen immer wieder bildhaft dargestellt, wie eine aktuelle Zusammenstellung aufzeigt:
Mohammed: Nicht immer gesichtslos
Persische oder zentralasiatische Abbildung von Mohammed beim Predigen (Quelle: http://www.zombietime.com/mohammed_image_archive/)

Das alte Testament kennt das Gebot, sich kein Bildnis zu machen, in ähnlicher Form. Dagegen verstossen westliche Illustratoren ständig, aber auch beispielsweise der in Kalifornien lebende und in Marokko und Algerien aufgewachsene arabische Cartoonist Bendib nimmt sich die Freiheit heraus, den Gott der Juden und Christen abzubilden - und zwar nicht eben auf vorteilhafte Art.
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Sacrifice me a Muslim son, or else! (Quelle: http://www.jcpa.org/phas/phas-21.htm)

Gottes- oder Prophetenbilder wurden und werden also zahlreich erstellt und erscheinen keinesfalls nur in religiösen Werken. Neu scheint die hingegen Absolutheit, in der das Erscheinungsverbot eingefordert wird - zumindest für Abbildungen, die Mohammed betreffen.

Nach der weitgehenden freiwilligen Selbstzensur in den westeuropäischen Medien drängen sich einige Fragen auf: Wird Tucholskys Maxime von der Politik geteilt und getragen? Muss Satire auch alles, was sie darf? Und: Verdient jede Strichzeichnung das Etikett «Satire» sowie Wie steht's den um die konkret kritisierten Zeichungen?

Zweitletzteres ist einfach zu verneinen, die antisemitische Nazi-Propaganda in den 30er-Jahren bediente sich bekanntermassen auch dieses «Stilmittels». Rassistische Hetze kann also genauso gut mit Zeichungen wie mit Worten (oder Filmen usw) betrieben werden. Und diese «Freiheit» hat Tucholsky wohl nicht gemeint.

Die Frage, wie die JP-Zeichnungen einzuordnen sind, ist weniger einfach zu beantworten, erstens weil sie hierzulande kaum zu Gesicht kriegen waren, zweitens, weil deren Einordung natürlich eine höchst subjektive Sache ist. Nach einigem online-Suchen bin ich auf die vollständige Liste der zwölf Auftragskarikaturen und den Originalartikel* gestossen. Meine höchst subjektive Bilanz: Die meisten Zeichungen sind eher dümmlich, von mässig zeichnerischer Qualität - und (vermeintlich) eigentlich kaum der Rede wert. Aber das tut im Grunde nichts zur Sache. Wenn mediokre Qualität ein Zensurgrund wäre, müsste wohl so manche Tageszeitung auf Wochenrhythmus umstellen. Im besten Fall...

Das Recht zu beleidigen darf den Satirikern aber nicht genommen werden. Die Meinungsäusserungsfreiheit muss auch für diejenigen gelten, die auf unfeine Art Widerspruch einlegen und Kritik üben! Es darf nicht sein, dass das, was politische Parteien, deren Vertreter, ja ganze Regierungen als Teil der öffentlichen Auseinandersetzung über sich ergehen lassen müssen, für Religionen grundsätzlich ein Tabu ist. Religiöse Prinzipien und Religionsvertreter müssen genauso beleidigt und karikiert werden dürfen. Es ist selbstredend nicht immer nötig, dies zu tun. Aber einen generellen Schutz vor dem Lächerlichmachen darf es nicht geben. Fordern wir diese Narrenfreiheit den Religionen gegenüber nicht ein, wird die Meinungsäusserungfreiheit über kurz oder lang auch anderswo eingeschränkt werden. Und das gilt es zu verhindern - schnurzegal, ob es dünnhäutige Individuen schlecht ertragen oder nicht.



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