Steilvorlage für Bündner Ethik-Initiative? Berliner sagen klar «Nein» zu «Pro-Reli»
611’422 Ja-Stimmen - ein Viertel der Stimmberechtigten - und die Mehrheit an der Urne hätten die Befürworter benötigt. Beide Zielvorgaben wurden klar verfehlt. Nur 346’119 BerlinerInnen unterstützten das Volksbegehren. Aufgrund der tiefen Stimmbeteiligung machte das zwar immerhin 48.5% der UrnengängerInnen aus, doch das Ergebnis ist nur scheinbar knapp. Bereits im Vorfeld wurde vorausgesagt, dass ein Vertel der Stimmberechtigten ein unerreichbares Ziel sein würde. Aufgrund dieser Hürde im Abstimmungsverfahren konnten die Gegner auch zu Hause bleiben. Sieht man einmal von der tiefen Stimmbeteiligung ab, tut sich allerdings ein überwunden geglaubter Graben auf: Die Westberliner, die sich an die Urne bemühten, sagten mehrheitlich ja, im Ostteil der Stadt war die Ablehnung deutlich.
Quelle: tagesspiegel.de
Die Befürworter gingen übrigens gerichtlich gegen den Berliner Senat vor, weil er mit Staatsmitteln für ein «Nein» warb. Dass die Pro-Kampagne unter anderem mit Kirchensteuern finanziert wurde, störte die Kläger hingegen offensichtlich nicht.
Im Gegensatz zum geplanten Zürcher Schulfach «Religion und Kultur» werden im Berliner Ethik-Unterricht nicht nur Grundzüge der am meisten verbreiteten Religionen vermittelt sondern auch weltlich-humanistische Werte. Aus diesem Grund ist es in der Tat sinnvoll, dass alle SchülerInnen einer Klasse als Gemeinschaft denselben Unterricht besuchen. Die von den Pro-Reli-Vertretern angestrebte Segregation hätte die Zielsetzungen des Fachs unterlaufen.
Genau um dieselbe Entscheidung geht es am 17. Mai im Kanton Graubünden. Die von den Juso lancierte Ethik-Initiative will, dass künftig zwei Stunden Ethikunterricht angeboten werden, die den zumeist konfessionell getrennten Religionsunterricht ablösen sollen. Die Initiative gewinnt laufend an Unterstützung: Die Jungfreisinnigen, die SP und die Unia haben alle die Ja-Parole herausgegeben. Unterstützt wird die Initiative auch von der Freidenker-Vereinigung und einem Lehrerkomitee.
Dass das heutige Modell - ein obligatorischer Religionsunterricht mit Abmeldemöglichkeit - nicht mehr zeitgemäss ist, hat auch der Regierungsrat erkannt, der mit dem Gegenvorschlag «1+1» einen Mitelweg postuliert: Eine gemeinsame Ethikstunde für alle und eine Stunde Religionsunterricht, die wie bisher von den Kirchen organisiert wird. Die halbe Stundenzahl halbiert aber die Probleme nicht, wie Reta Caspar in der Mai-Ausgabe des «frei denken.» schreibt. Die Segregation würde nicht aufgehoben, zudem ist das Modell nur für die Oberstufe vorgesehen. In der Unterstufe soll sich nach den Vorstellungen des Regierungsrates nichts ändern.
Letztlich entscheiden die Bündner am 17. Mai also zwischen einem Auslaufmodell und einem erprobten, welches in Berlin eben von der Bevölkerung unterstützt wurde. Es ist zu hoffen, dass sie diese Steilvorlage aus dem Norden verwerten.
Katholische Moraltheorie: Holocaustleugner gut, Vergewaltigungsopfer schlecht
Die Exkommunion, so der alte Mann in der Narrenkappe, musste gar nicht extra angeordnet werden, die sei nämlich zwingend für alle, die an einer Abtreibung beteiligt sind, die leitende Ärztin und weiteres Spitalpersonal eingeschlossen. Das sei ein Gesetz Gottes, und dieses stehe immer über von Menschen definierten Regeln.
Nicht betroffen vom kirchlichen Rauswurf ist selbstredend der Täter. Für ihn gilt dasselbe wie für den Holocaust-Leugner Williamson: Er ist ein braves Schaf, wie es der Oberhirte im Himmel gerne hat.
Cardoso:
Die Narrenkappe ist Programm
Mohammed muss in die Schmuddelecke
Christen befürchten nun allerdings, dass Kinder sich künftig für Harry Potter oder die Dark Materials-Trilogie entscheiden könnten, wenn sie nicht mehr an die Bibel rankommen. Ungeklärt bleibt zudem, ob in den Leicestermer Bibliotheken auch die Bücher, in denen zum Jihad gegen Nichtmuslime aufgerufen wird, künftig in den obersten Regale untergebracht werden oder ob diese als Lebenshilfefibeln besser zugänglich bleiben müssen.
(via hpd.de)
Pokern für Jesus und beten gegen Schwule - die Zürcher Citychurch in Aktion
Gänzlich ohne irdische Freuden scheinen aber auch die City Churchianer nicht auskommen zu wollen. Die Kirche veranstaltet ab Ende März die Church Series of Poker. Und die Besucher sollen sich restlos wohl fühlen. Die Ankündigung im Netz jedenfalls verspricht:
Die Service-Girls bringen dir die Drinks und den Food direkt an den Platz.
Es werden wohl alles kirchlich geprüfte Heteras sein.
Agentur C will Gläubige mit neuen Plakaten aufrütteln
Die Agentur C hat einen göttlichen Auftrag: Mit ihrem Siebenjahresplan soll sie die Worte der Bibel in die entrückte Gesellschaft hinaustragen. Der Agentur wird zuweilen vorgeworfen, fundamentalistisch aufzutreten und gleichzeitig die unangenehmen Seiten der Bibel auszublenden. Nun reagiert sie auf diese Kritik.
Geschäftsleiter Peter Stucki erklärt: «Im Psalm 11 steht ‘Der HERR prüft den Gerechten und den Gottlosen’. Wir müssen also auch die schwer erklärbaren Botschaften der Bibel präsentieren. Nur wer auch diese erträgt, kann sich zu den Gerechten zählen. Den Gottlosen hingegen wird der HERR Feuer und Schwefel und Glutwind zum Lohne geben.»
Eine erste Auswahl der neuen Phase IV der Kampagne wird hier erstmalig abgebilet:



Einzelne Bibelquellen wurden hier bzw. hier gefunden. Eine derartige Plakataktion wurde bereits hier vorgeschlagen.
Von Business-Plänen und islamistischer Image-Werbung
Im US-Staat New York hat ein Mann seine Frau enthauptet, nachdem sie die Scheidung eingereicht hatte. [...]. Der Täter leitete einen Fernsehsender, mit dem er nach eigenen Angaben einem negativen Image von Muslimen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 entgegenwirken wollte.
Gemäss CNN kam die Idee zur Image-Werbung folgendermassen zustande:
Hassan came to America from Pakistan 25 years ago and became a successful banker, but he and his wife were troubled by the negative perception of Muslims, Voice of America reported in 2004. Speaking in December 2004, Hassan said his wife, then pregnant, was worried about that perception and «felt there should be an American Muslim media where her kids could grow up feeling really strong about their identity as an American Muslim.» «So she came up with the idea and turned to me and said, 'Why don't you do it?' » he said. «And I was like, I have no clue about television. I'm a banker. ... And her comment was, 'You have an MBA. Why don't you write a business plan?' »
Der Business Plan gilt nun wohl als gescheitert.
Die «Atheist Bus Campaign» kommt in die Schweiz
Der Spruch fordert auf, sich nicht von Unheilsverkündigungen und anderen verqueren Botschaften religiöser Organisationen einschüchtern zu lassen. Entsprechend lauten die Webauftritte der Kampagne www.geniess-das-leben.ch, www.profite-de-la-vie.ch und www.goditi-la-vita.ch.
In der Schweiz ist insbesondere die christliche Agentur C damit beschäftigt, ihre religiösen Botschaften dauerhaft hinauszuposaunen (s. Bild). Sie steckt gerade inmitten eines Sieben-Jahres-Plans zur «Verankerung Gottes Wort in der Schweiz». Die Hälfte dieser sieben dunklen Jahre sind allerdings verstrichen, ohne dass die Mehrheit der Bevölkerung vom Geheimplan viel mitgekriegt hätte. Die Atheist Bus Campaign ist als einmalige Aktion geplant. Es ist zu hoffen, dass sie besser wahrgenommen wird. Die Cover-Story in der heutigen 20 Minuten-Ausgabe ist schon mal ein guter Auftakt. Am Mittwoch folgt ein Rundschau-Beitrag.
Facebook-Cause zum Thema
08.02.2009 There's probably no limit - Businserate selbst gemacht
Die Welt verstehen - heute mit Pius-Bruder Franz Schmidberger
Diese Klärung verdanken wir Pater Franz Schmidberger, CEO der der deutschen Niederlassung der Priesterbruderschaft St. Pius X und gemäss dem SWR-Magazin Report Mainz ein enger Vertrauter von Gründervater Marcel Lefebvre. So hatte er diesen bei der Weihe der kürzlich vom Vatikan rehabilitierten vier Bischöfe assistiert.
Da stellt sich die Frage, wieso sich die Pius-Brüder überhaupt die Mühe machen, den Holocaust zu leugnen. Denn der war ja nur gegen Menschen, nicht gegen ihren Gott gerichtet. (via hpd.de.)
27.05.2008 Die Welt verstehen - heute mit Sharon Stone
There's probably no limit - Businserate selbst gemacht
Was im vergangenen Juni als verwegene Idee begonnen hatte, ist zum weltumspannenden Phänomen geworden. Der Aufruf der Guardian-Kolumnistin Ariane Sherine, Geld zu spenden, um Londoner Busse mit einem säkularen Inserat zu schmücken, fand unerwartete Resonanz: 5500 britische Pfund hatte man sich als Sammelziel gesetzt, vor wenigen Tagen wurde die Grenze von 150’000 Pfund überschritten. Seit Januar sind nun in ganz Grossbritannien (mit Ausnahme von - wen wundert’s? - Nordirland) Busse mit dem Slogan «There’s probably no god. Now stop worrying and enjoy your life.» unterwegs. Und bereits hat die Atheist Bus Campaign Nachahmer in Spanien, Kanada, den USA und anderswo gefunden.
Seit der Lancierung gab es immer wieder mal Debatten, welches der passendste Slogan sei. Es wurden dabei auch weitaus weniger zurückhaltende Varianten vorgeschlagen. Egal ob man’s lieber subtil oder überdeutlich mag, dank des Bus Slogan Generators kann nun jeder seine eigenen Businserate gestalten - zumindest virtuell:
Der Generator lässt sich natürlich auch verwenden, um weitaus weltlichere Autoritäten anzuzweifeln (Nein, Nicht-Informatiker müssen diesen Slogan nicht verstehen):
Von Gauklern, Scharlatanen und Scheinwissenschaftlern
Gute Gaukler sind wunderbare Kleinkünstler. Sie trumpfen als Akrobaten, Jongleure, Zauberer oder Gedächtniskünstler scheinbar mit übernatürlichen Fähigkeiten auf - aber eben nur scheinbar. Der Reiz fürs Publikum liegt genau darin, dass klar bleibt, dass die Künstler in Wirklichkeit solide Handwerker sind, die bestens eingeübte, aber kaum zu durchschauende Tricks vorführen.
Es gibt allerdings auch solche, die sich nicht als gewöhnliche Strassen- oder Bühnenkünstler präsentieren mögen, ihr Vorgaukeln geht einen Schritt weiter. Sie behaupten, tatsächlich Fähigkeiten zu besitzen, die sie nicht haben und verpacken ihre Darstellungen in abenteuerliche Geschichten. Im dafür gebräuchlichen Etikett «Scharlatan» versteckt sich das italienische ciarlare, schwatzen. Knaurs Universallexikon definiert den Begriff entsprechend als «jemand, der sich durch Redegewandtheit zu Unrecht den Ruf eines Fachmannes verschafft (bes. in der Med.)». Scheinheiler dürften wohl tatsächlich die Mehrheit unter den Scharlatanen ausmachen. Doch es gibt sie auch in anderen Disziplinen - und das ist beileibe kein neues Phänomen. Johann Burckhardt Mencke, der in zweiter Generation die erste wissenschaftliche Zeitschrift des deutschsprachigen Raums herausgab, schrieb schon 1713 von der Scharlatanierie der Gelehrten. Zwischen 1717 und 1742 veröffentlichte er Zusatzbände zu den Berufsgruppen der Ärzte, der Geistlichen und der Juristen).
Eine weit verbreitete moderne Form der Scharlatanerie ist, Glaubenskonstrukte scheinwissenschaftlich zu «beweisen». Hierbei wird der Wortschatz von Geistes- oder Naturwissenschaften übernommen und suggeriert, Schlüsse würden nach anerkannten Methoden gezogen. Zur Untermauerung der eigenen esoterischen oder religiösen Glaubenssätze werden allerdings elementare wissenschaftliche Regeln verletzt. Zum Beispiel erfolgen Interpretationen vor dem Durchführen von Beobachtungen oder es werden nicht falsifizierbare Behauptungen aufgestellt oder unschlüssige Beweisführungen aufgestellt. Dies ist auch bei dem Kreationisten der Fall, dem ich am 21.12.2008 einen Beitrag widmete. Wer keine andere anderen Erklärungsmodelle zulässt als bibelkonforme, betreibt Scheinwissenschaft. Dies muss durchaus nicht in böser Absicht erfolgen. Im Klappentext zum (leider vergriffenen) Buch Scharlatane: zehn Fallstudien von Gregor Eisenhauer wird dies verdeutlicht:
Die Lust am Betrug und am Selbstbetrug eint Täter und Opfer. Nicht selten glaubt der Scharlatan selbst, was er sagt; das lernt er im Lauf seiner Karriere - nicht zuletzt, weil seine Kundschaft ihm fanatisch anhängt. Dabei ahnen alle die Gefahr. Doch die Hoffnung auf eine wunderhafte Wendung scheint ihnen immer noch trostreicher als der Trott des gesunden Menschenverstandes.
Aus dem Umfeld des kritisierten Kreationisten kam die Aufforderung, die Bezeichnung «Scharlatan» zu entfernen. Dazu besteht kein Anlass. Aber der Begriff scheint - zumindest für einzelne - erklärungsbedürftig. Dies sei hiermit nachgeholt.
Bild: Pablo Picasso, Die Gauklerfamilie, 1905, National Gallery of Art, Washington D.C., USA
2009: Galileo und Darwin reloaded
Aus religiöser Sicht waren (und sind) die erfahrenen Kränkungen in der Tat fundamental: Unser Planet bildet mitnichten das Zentrum des Universums und der Mensch ist kein nach irgend einem göttlichen Ebenbild geschaffenes Wesen. Logisch, dass beide Wissenschafter von der jeweiligen Staatskirche bekämpft wurden. Galileo wurde durch die Inquisitoren gezwungen, seine Schlussfolgerungen zu widerrufen. Und Darwin wurde von Vertretern der anglikanischen Kirche geächtet.
Die beiden Forscher und ihre monumentalen Beiträge zu unserem naturwissenschaftlichen Verständnis werden dieses Jahr gebührlich gefeiert, 2009 ist zugleich das Internationale Jahr der Astronomie und das Darwin-Jahr.
Und so langsam scheinen sich auch die Kirchen daran zu gewöhnen, dass ihre eigenen Weltbilder reformbedürftig sind. «Bereits» 1979 hatte die katholische Kirche eine Kommission eingesetzt, um den «Fall Galileo» neu aufzurollen. Und blosse 12 Jahre später verkündete der Vatikan, dass Galileo mit seiner heliozentrischen Sicht tatsächlich richtig gelegen hatte. Und nun will die Kirche ihm gar in ihren Heiligtümern eine Statue errichten. Und rechtzeitig zum Jubiläum sendet auch ein Vertreter der Anglikanischen Kirche ein mea culpa aus. (Von einer Statue in der Canterbury Cathedral ist allerdings noch nicht die Rede...)
Mit oder ohne kirchlichen Segen, etliche Veranstaltungen im Rahmen der beiden Jubiläumsjahre sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Anlässe in der deutschsprachigen Schweiz zum Astronomiejahr sind hier aufgeführt und solche zum Darwin-Jahr hier (in Zürich) und hier (Bern).
Religulous - aktuelle Fallbeispiele
Ob’s an der Jahreszeit liegt? Religiöse Wirrköpfe bemühen sich aktuell mit besonders absurden Verlautbarungen um Schlagzeilen. In England verspricht der von Sozialhilfe lebende Imam und Rechtsanwalt Anjem Choudary seinen muslimischen Glaubensbrüdern die Verdammung in der Hölle, sollten sie an Weihnachtsfeiern teilnehmen. Und in der Schweiz betet Ex-Junkie und SVP-Aktivist Daniel Regli mit seiner putzigen Familienlobby für Regen während der nächstjährigen «Euro Pride», da er Homosexualität als Sünde betrachtet.
Vielleicht sollten sie’s mal mit der Strategie des Leipziger Theologieprofessors Peter Zimmerling versuchen. Er empfiehlt seinen Schäfchen, beim Missionieren eine nicht-religiöse Alltagsprache zu verwenden und an populäre Kultur, etwa an Kinofilme, anzuknüpfen.
Hervorragend dazu geeignet wäre beispielsweise der Film «Religulous», in dem der US-Amerikanische Satiriker und Bill Maher eine ganze Palette an religiösen Wirrköpfen präsentiert. Damit sollte ihnen sogar das gelingen, wonach sich Zimmerling so sehr sehnt: Mit Atheisten ins Gespräch zu kommen.
(Teile via SideEffects und humanistischer Pressedienst)
Frage an die muslimischen Verbände hier: Schaut Ihr auch mal fern?
Schaut Ihr auch mal fern? Und wenn ja, habt Ihr zu den Terroranschlägen in Mumbai so gar nichts zu sagen? Ein kleines Bisschen Ratlosigkeit oder Ablehnung, vielleicht gar eine klare Distanzierung? Damals, als Ihr euch über die Mohammed-Karikaturen empörtet, habt Ihr doch sogar eine Demo in Bern hingekriegt. Also seid doch bloss nicht so scheu, Ihr habt doch bestimmt eine Meinung zu den Vorfällen, oder?
Raufende Priester zum Dritten
Griechisch- und Armenisch-Orthdoxe Christen haben wieder mal auf gute alttestamentarische Art auszuloten versucht, wer in der so genannten Grabeskirche wann und wo das Sagen hat. Die Polizei schritt ein, bevor die Frage abschliessend geklärt werden konnte.
siehe auch:
20.04.08 Die Botschaft der Liebe - mit Fäusten überbracht
29.12.07 Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?
Und als Nächstes: Eine Atheistin als Präsidentin
Die überdeutliche Wahl setzt ermutigende Zeichen, aber da und dort wird vielleicht etwas gar früh frohlockt. Manfred Messmer beispielsweise meint:
Ich bin insofern froh darüber, dass mit Herrn Obama erstmals - im Wortsinn - ein Afro-Amerikaner ins Weisse Haus gewählt wurde, weil jetzt die Rassenkarte nicht mehr gespielt werden kann. Es ist in der Tat völlig egal, welche Hautfarbe der amerikanische Präsident oder sonst irgendjemand hat. Es ist auch völlig egal, welcher Religion jemand angehört.
Ihre rassistische Vergangenheit haben die USA mit dieser Wahl wohl tatsächlich witgehend hinter sich gelassen. Von einer ähnlichen Gelassenheit bei Glaubensfragen ist aber wenig zu spüren. Man muss sich nur Szenen aus dem Wahlkampf vergegenwärtigen, um zu sehen dass man Messmer nur Recht geben kann, wenn man seine Aussage so liest, wie er sie wohl nicht gemeint hat: «Es ist auch völlig egal, welcher Religion jemand angehört, solange er sich glaubhaft (sic!) zu irgendeiner bekennt.»
Wer sich die Welt ohne metaphysischen Überbau erklärt, wird in den USA weiterhin geächtet, wie die folgenden Beispiele illustrieren:
Die demokratische Senatorin Monique Davies aus der demokratischen Hochburg Illinois sagte zu einem Atheisten bei einem ihrer Wahlkampfauftritte:
What you have to spew and spread is extremely dangerous...it's dangerous for our children to even know that your philosophy exists! Get out of that seat...You have no right to be here! We believe in something. You believe in destroying!
Die eben abgewählte republikanische Senatorin Elizabeth Dole aus South Dakota schaltete Fernsehwerbung gegen ihre Herausfordererin Kay Hagan mit der Botschaft, dass diese sich im Geheimen vom «godless Americans pack» habe finanzieren lassen (Video). Hagan musste natürlich gleich ein Dementi schalten und kundtun, dass sie als ehemalige Sonntagsschullehrerin die Meinungen der Atheistengruppe, die für sie Geld sammelte, natürlich nicht teile und sie sich durch die Anschuldigung in ihren religiösen Gefühlen verletzt sehe.
Es ist also in spätestens acht Jahren Zeit für eine atheistische Präsidentin - damit auch die Glaubenskarte nicht mehr gespielt werden kann.
Nachtrag: Ihre Nachfolge sollte dann wohl ein gleichgeschlechtlich verheirateter Vegetarier antreten, denn wer dem Rindfleisch das Futter wegfrisst, macht sich in rural ‘merica politisch ebenfalls höchst verdächtig. (via Misanthrop).
Veranstaltungshinweis: Michael Schmidt-Salomon in Winterthur und Zürich
Der Autor, Michael Schmidt-Salomon bietet aber nicht nur Kindern Lektüre zum Nachdenken. Sein «Manifest des evolutionären Humanismus» wird als wichtiger Beitrag zur zeitgenössischen Wertedebatte empfohlen. Geistreich geschrieben ist auch sein Roman «Stollbergs Inferno».
Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz hat ihn zu einer Vortragsreihe an sechs Orten in der Deutschschweiz eingeladen. Die genauen Termine für den Raum Zürich:
- Donnerstag, 30. Oktober, 19:00 Uhr, Hotel Wartmann, Winterthur (beim Bahnhof)
- Freitag, 31. Oktober, 19:00 Uhr, Volkshaus, Blauer Saal, Zürich (beim Helvetiaplatz)
Die Gedanken sind frei - ausser bei gewissen Verkehrsbetrieben
«Der Mensch ist frei geboren
- konfessionsfrei» - diese
ungeheuerlich aufmüpfige Parole wollte die
Freidenker-Vereinigung der
Schweiz in diversen öffentlichen
Verkehrsmitteln in Form von Werbeplakaten
unterbringen.
Die Stadtberner, Thuner und St. Galler Verkehrsbetriebe winkten ab. Mit dem Plakat würden religiöse Gefühle verletzt, hiess es (20 Min). Die bedürfen offenbar besonders pfleglicher Behandlung, wird doch von all diesen Betrieben Werbung für Bibelgruppen, Kirchensorgentelefone, religiöse Veranstaltungen und dergleichen zugelassen. Über die Gefühle der Religionslosen wird offenbar wenig sinniert. Oder denken die Werbeverantwortlichen der diversen Verkehrsbetriebe, dass Atheisten etwas weniger mimosenhaft reagieren als ihre besonders gläubigen Zeitgenossen? Mit dieser These könnten sie Recht haben. Frei geboren zu sein befreit. Lebenslänglich.
Missionieren statt bilden - Religionsunterricht im Alltag
Dass zudem der Wille fehlt, das Missionieren wirklich aussen vor zu lassen, sei an einem Beispiel aus St. Gallen erläutert, über das 20min.ch heute berichtet:
Den Frauenklöstern in der Ostschweiz sterben die Nonnen weg. Weit und breit ist kein Nachwuchs in Sicht. Werbung soll nun junge Frauen ins Kloster locken.[...] Im Religionsunterricht in der Primarschule stehen Klosterbesuche inzwischen auf dem Programm.
Genau hier hört der Spass auf. Das Anwerben von GlaubensgenossInnen hat gefälligst ausserhalb der Räumlichkeiten öffentlicher Schulen zu erfolgen. Könnte sich die St. Galler Politik da bitte mal drum kümmern? Danke.
Nur ein wenig Schöpfungslehre für Zürcher Schüler
«Eine Anpassung des Lehrplans im Sinne des Postulats würde die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie das Gebot der konfessionellen und weltanschaulichen Neutralität der öffentlichen Schulen verletzen.»
Folgerrichtig beantragt er dem Kantonsrat, das Postulat nicht zu überweisen. Dies heisst allerings nach Ansicht des Regierungsrates nicht etwa, dass die Schule für die Vermittlung wissenschaftlicher Erklärungen zuständig sein soll und die Kirchen ihre Geschichten in den eigenen Räumen und ausserhalb der Schulzeiten anzupreisen hätten:
«Schöpfungslehre bzw. Intelligent Design sind dem Fach Religion und Kultur zuzuordnen. Der Lehrplan für Religion und Kultur sieht vor, dass Schülerinnen und Schülern auf der Primarstufe die biblischen Urgeschichten von Schöpfung und Paradies sowie Schöpfungstexte verschiedener Kulturen vermittelt werden. Auf der Sekundarstufe I werden Mythen der Schöpfung und des Wertverständnisses im Thema Gottesbilder und Weltbilder altersgemäss erschlossen.»
Das Mystische erhält damit wohl stärker Einzug in den obligatorischen Zürcher Schulunterricht als was die EDU-Postulanten in ihren kühnsten Gebeten glaubten, herausholen zu können.
Der Regierungsrat legte seine Haltung (PDF) übrigens bereits am 9. Juli fest, er verzichtete aber auf eine Medienmitteilung. So blieb die Stellungnahme beinahe unentdeckt. Zum Glück liest der Humanistische Pressedienst bei der religiösen Konkurrenz mit (das Umgekehrte trifft - wie hier jüngst berichtet - ebenfalls zu).
«Brutale atheistische Aggression» - der kreuz.net-Zug gegen das kleine Ferkel und seinen Schöpfer
Kath.net berichtet unter dem Titel «brutale atheistische Aggression» von der Klage des «notorischen deutschen Gottlosen» und «Haßpredigers» Schmidt-Salomon, die von seinem «rabiaten Verleger» Gunnar Schedel, der kommunisitische Schlächter rechtfertige (weil er das faschistische Franco-Regime anprangerte) voll und ganz gestützt wird. Weil Schmid-Salomon sich für ein Recht auf Abtreibung ausspricht, ist er in den Augen der kath.net-Sektierer «ein Verfechter der Kindstötung».
Was war überhaupt vorgefallen? Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig hatte in einer Predigt den Inhalt des Kinderbuches völlig verzerrt wiedergegeben und Schmidt-Salomon unterstellt, ethische Werte grundsätzlich abzulehnen:
Man brauche doch gar keine Ethik, keine humanistische Auswirkung unseres christlichen Gottesglaubens. Der Mensch sei doch verfügbar für den anderen Menschen. Warum sollten Kindstötung, Abtreibung oder therapeutisches Klonen verboten sein?
Die Aussagen sind allerdings frei erfunden, Schmidt-Salomon vertritt klare ethische Prinzipien, die sich in seinem Manifest des evolutionären Humanismus nachlesen lassen.
Nach der Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, tauschte das Bistum Regensburg die online verfügbare Rede durch eine entschärfte, «autorisierte» Fassung aus, sieht aber Sermone als «persönliche Verkündigung des Predigenden» und, so Schmidt-Salomon, die Glaubensfreiheit offenbar als Freibrief für Verleumdungen aller Art. Kath.net scheint das dringende Bedürfnis zu verspüren, diese Annahme zu untermauern. Eines sollten sich deren Schreiber aber vielleicht merken: Schmidt-Salomon dürfte das Etikett «notorischer Atheist» eher als Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes denn als Beleidigung verstehen.
Michael Schmidt-Salomon ist übrigens diesen Herbst zu Gast bei öffentlichen Veranstaltungen der Schweizer Freidenker:
- Montag, 27. Oktober, Bern (Ort noch offen), 20 Uhr
- Dienstag, 28. Oktober, Solothurn, Konzertsaal, 20 Uhr
- Mittwoch, 29. Oktober, Basel, Merian Saal, Hotel Merian/Café Spitz, 20 Uhr
- Donnerstag, 30. Oktober, Winterthur, Hotel Wartmann, 20 Uhr
- Freitag, 31. Oktober 2008, Zürich, Zentrum «Karl der Grosse», 20 Uhr.
Zur Auseinandersetzung um das Kinderbuch siehe auch die früheren Einträge
• When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches
• Kein Maulkorb für Igel und Ferkel
Blasphemie oder göttliche Botschaft?
Das Wort zum Sonntag
Wann stellen ein paar zittrig-krumme Linien eine göttliche Botschaft dar und wann pure Blasphemie? Zwei vordergründig vergleichbare Fälle werden durch Islam-Gelehrte völlig unterschiedlich eingestuft: Holzwurmlöcher, die dem Schriftbild für Mohammed ähneln, sind eindeutig ein göttliches Zeichen.
Ein symbolisiertes Glacé-Häubchen, das einer Allah-Kalligrafie ähnelt, hingegen beleidigt den properen Gläubigen.
Quellen: badastronomy.com (via burnttongue.net) und jihadwatch.org
Muss man nun daraus ableiten, dass nur das, wo der Wurm drin ist, für religiöse Symbolik taugt? Bitte um gelehrigen Rat.
Die Welt verstehen - heute mit Sharon Stone
Mehr..."I’m not happy about the way that the Chinese are treating the Tibetans. [...] Then all this earthquake and all this stuff happened, and I thought, is that karma? When you’re not nice, that the bad things happen to you?"
Don Camilotto im Kampf gegen das Böse
Gemäss Berichterstattung tauschten die Schülerinnen nur ein "porco zio" aus, aber das ist im Grunde nebensächlich. Wenn ein Pfaff das Bedürfnis hat, nach den Worte Jesu zu leben - "Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. (Matthäus 10,34)" - ist das seine Sache. Wenn er sich aber zum Prügeln genötigtMehr...
Bei Allah! Greenwich Mean Time ist schuld an Blutkreislaufstörungen
Bereits im Dezember 2006 hatte der ägyptische Forscher Abd al-Baset al-Sayyid festgestellt, dass auf Greenwich basierende Zeitrechnungen zuMehr...
Die Botschaft der Liebe - mit Fäusten überbracht
Die jüdisch-christliche Entwicklung hat durch Jesus die Botschaft der Liebe in die Welt gebracht.
Selbsternannte Gralshüter dieser Botschaft haben heute wieder einmal gezeigt, wie dies zu verstehen ist: Griechisch-orthodoxe und armenische Priester versuchten in der Grabeskirche von Jerusalem einander mit Fäusten zu zeigen, wo ihr Gott hockt - ein offenbar beliebtes Ritual unter den beiden Glaubensgemeinschaften, liegt die letzte derartige Zeremonie doch keine vier Monate zurück.
Quelle: 20 Minuten/AP
Damals schlug ich vor, Zivildienstleistende zur Befriedung der Situation zu entsenden. Aber vielleicht sollte man die beiden Lager viel eher mal anständig bewaffnen. Solange die nur mit Besenstielen aufeinander los prügeln, hört das wohl nie auf...
Die Kreuzritter des Kreationismus nun auch in Zürich aktiv
Der Grossratsentscheid liess hoffen, dass der Volksschule und der Politik weitere Kreationismusdebatten erspart würden. Doch weit gefehlt: Wie die Mehr...
Kein Maulkorb für Igel und Ferkel
Es ist zu hoffen, dass das Familienministerium, welches den Zensurierungsantrag gestellt hatte, künftig auf solcherlei unnötigen Aktivismus verzichtet.
When Pigs fly - vom überraschenden Erfolg eines religionskritischen Kinderbuches
Man könnte leicht zynisch schlussfolgern, Kindern wird aus erzieherischen Gründen das selber Denken abgenommen. Dabei gibt es sehr wohl Kinder, die sich dieses Recht frech herausnehmen wollen - wie es im besten aller Kinderbücher anschaulich dokumentiert ist:
"Thinking again?" the Duchess asked, with another dig of her sharp little chin."I've a right to think," said Alice sharply, for she was beginning to feel a little worried."Just about as much right," said the Duchess, "as pigs have to fly...."
So sehr wie Schweine ein Recht zum Fliegen haben, wird also der kleinen Alice im Wunderland beschienen, habe sie ein Recht zu denken.
Den armen Schweinen wird ja neuerdings nicht nur das Recht zum Fliegen abgesprochen, Piglet wurde aus dem türkischen Fernsehen verbannt, die drei kleinen Schweinchen will man aus britischen Schulzimmer aussperren. Und nun soll es eben einem deutschsprachigen Ferkel an den Kragen gehen.
Doch dieses lässt sich nicht so einfach unterkriegen. Drei Tage nach dem Antrag des deutschen Familienministeriums, das religionskritische Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott?» fragte das kleine Ferkel zu verbieten, ist dieses in der deutschsprachigen Bücher-Bestsellerliste von amazon.de auf Platz 1 gelandet.
Die Schweine lassen lassen sich also das Fliegen nicht nehmen. Und die Kinder nicht das Denken. Das ist gut so. Dem Familienministerium kann man für die Beihilfe zu dieser Klärung eigentlich nur dankbar sein.
Der schweinischen Zensur zweiter Teil
Nun mussten aus Gründen des Jugendschutzes auch deutsche Ordnungshüterinnen einschreiten, gegen ein Ferkel, das obszöne Fragen stellt, z.B. «Wo bitte geht's zu Gott?» Das Familienministerium möchte das religionskritische Kinderbuch des Schriftstellers Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke auf den Index setzen, es also für Kinder und Jugendliche so unzugänglich machen wie harte Pornographie und Nazi-Literatur.
Der Verlag und die humanistische Bruno Giordani-Stiftung haben nun eine Aktion "Rettet das Kleine Ferkel" gestartet.
Doch die Unterschriftenaktion greift eigentlich zu kurz. Denn neu ist der Trend nicht. Bereits 2006 hatte das staatliche türkische Fernsehen Winnie the Pooh verbannt wegen dessen enger Beziehung zu Piglet.
Es braucht wohl eine grössere Gegenbewegung. save-the-piglets.com vielleicht?
Tom Cruise als Unfallhelfer? Bizarres aus dem Paralleluniversum von Scientology
"When you're a Scientologist, and you drive by an accident, you know you have to do something about it, because you know you're the only one who can really help."
Zu seinem Scientology-Dasein meinte er tiefgründig: "It's rough and tumble and it's wild and woolly and it's a blast." Und weiter: "We are the authorities on the mind." Sowie "Being a Scientologist, when you drive past an accident it's not like anyone else. As you drive past, you know you have to do something about it because you know you're the only one that can really help."
Would you trust this guy? - Szene aus dem Scientology-Werbefilm
Treffend die Einschätzung von Nick Denton auf gawker.com: «If Tom Cruise jumping on Oprah's couch was an 8 on the scale of scary, this is a 10.» Man könnte noch ergänzen: Not always when scientologists freak out, do they intend to. Ich für meinen Teil verzichte jedenfalls gerne auf die Nothelfer von Scientology.
Ziviler Friedensdienst - ein Mittel gegen raufende Priester?
Erfreulich, dass die Diskussion versachlicht wird. Es ist gut, dass der Fokus zuerst auf die Bewältigung eigener Konfliktherde gelegt wird. Vielleicht kann die Schweiz aber dereinst sogar Friedensstifter ins Ausland entsenden, z.B. wenn sich in Bethlehem zur Weihnachtszeit wieder einmal Priester gegenseitig die Nasen einschlagen...
N.B. Nachdem ich nun die letzte wichtige Pendenz im alten Jahr abgehakt habe,
Von ungläubigen Teddybären und Eselsweisheiten
Die Untersuchungsfrage lautete: Welche dieser «Personen» ist befugt, den Namen «Mohammed» zu tragen?
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| Khalid Sheikh Mohammed | Muhammad Ali | Teddybär von Muhammad (7) | Mohammed Atef |
| Mutmasslicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 | Boxerlegende, Kriegs-dienstverweigerer und St. Sebastian-Double für Esquire | (Foto typähnlich) Auf Wunsch des Teddy-Besitzers so benannt | ehemaliger militärischer Führer von al-Qaida |
Solcherlei zu kommentieren steht eigentlich nur dem einzigen anerkannten Fachmann für Teddybärenverhaltensforschung zu. Eeyore, langjähriger Begleiter von Pooh dem Bären erkannte schon vor 80 Jahren: «People who don't think probably don't have brains; rather, they have grey fluff that's blown into their heads by mistake.»
Minarettinitiative ungültig - aber Zwangskirchensteuer für juristische Personen legal?
Im Kanton Zürich will man aber aktuell einen Verstoss gegen diese Religionsfreiheit zementieren: Das revidierte Kirchengesetz, welches demnächst zur zweiten Lesung in den Kantonsrat geht, will an den obligatorischen Kirchensteuern für juristische Personen festhalten. Versuche, diese Abgabenleistung für freiwillig zu erklären oder eine allgemeine Sozialsteuer einzuführen, bei der die Unternehmen hätten mitbestimmen können, wohin ihr Geld fliessen soll, sind gescheitert.
Für den Erhalt der Zwangssteuer wurde vor allem mit zwei Argumenten geworben: Erstens tue die Kirche viel Gutes und der Staat sei geradezu auf diese Leitungen angewiesen und zweitens hätte das Bundesgericht im Jahr 2000 die Verfassungsmässigkeit der Zwangsabgabe bestätigt. Ersteres kann man sehr wohl gelten lassen, nur könnte eine Abgeltung der nichtkultischen Tätigkeiten der Kirche sehr wohl über Leistungsaufträge erfolgen. Keine nichtstaatliche Organisation, die Leistungen im Auftrag des Staates erbringt, kommt in den Genuss solcher Privilegien. Bei der Verfassungsmässigkeit ist die Sachlage allerdings weitaus weniger klar: Im Jahr 2001 - also nach dem Bundesgerichtsentscheid - hat Bundesrat beschlossen, dass er den Uno-Pakt II ebenfalls als zwingendes Völkerrecht ansieht. Das müsste für die Gerichte künftig Masstab sein.
Als Freidenker, der klarere Trennlinien zwischen Kirchen Staat sehen will, müsste ich fast - so zynisch es klingt - auf ein Zustandekommen der Minarett-Initiative hoffen. Damit sie dann mit dem Hinweis auf die völkerrechtlich garantierte Religionsfreiheit für ungültig erklärt werden kann. Und damit dieser Entscheid bei künftigen Debatten, bei der es um den Status der Staatskirchen geht, den Rahmen setzt - eben auch bei der Frage, ob nichtfreiwillige Kirchensteuern für juristische Personen legal sind.
Wählt atheistische Politiker!
Das Wort zum Sonntag
«Wählt atheistische Politiker!» titelte vor zwei Wochen Beda M. Stadler seine Gastkolumne in der NZZ am Sonntag. Selbst bei mir als Nichtgläubigem rief das erstmal Nasenrümpfen hervor. Wieso sollte die Gretchenfrage bei Wahlen alle anderen Selektionskriterien überwiegen?
Bei den in ihrem Glauben herausgeforderten LeserbriefschreiberInnen gingen die Reaktionen allerdings deutlich übers Naserümpfen hinaus: Da wurden in ihren letztwöchigen Repliken die Gottlosen schon mal zu Unmenschen, die zu moralischem Handeln grundsätzlich nicht in der Lage seien. Eine zweite Runde Leserbriefe blieb heute aus, entweder weil das Thema aus Sicht der Redaktion keinen zusätzlichen Raum verdiente - oder aber vielleicht, weil die Nichtgläubigen ihre eigene Haltung nicht gleichermassen erbittert zu verteidigen pflegen.
Zurück zur Frage also: Braucht es bekennende Atheisten in der Politik? Für Stadler ist der Fall klar:
Die Säkularisation ist bei uns noch nicht abgeschlossen, wenn Gott in der Verfassung vorkommt oder in der Asyldebatte das Kirchenrecht höher als das Staatsrecht hängt. Es wäre also von einigem Interesse zu erfahren, wer Atheist ist, da bei religiös angehauchten Politikern die Meinung zu Minaretten, Adventskränzen in den Schulen, oder ganz praktischen Fragen wie die Ladenöffnungszeiten gemacht ist.
Wenn man sieht, dass auch auf nzzvotum einzelne Blogger die zehn Gebote eher als gesellschaftlichen Rahmen akzeptieren als unsere Verfassung und wenn man an die kantonsrätliche Debatte zum Lehrplan «Religion und Kultur» zurückdenkt, bei der einzig und allein Esther Guyer (Grüne) die Friede-Freude-Eierkuchenstimmung etwas störte mit ihrem Hinweis, dass das Weglassen jeglicher weltlicher Aspekte im Lehrplan problematisch sei, ist man geneigt, Stadler recht zu geben: Ja, es braucht auch VolksvertreterInnen, die sich deutlich für säkulare Werte einsetzen.
Deshalb: Wählt atheistische Politiker und Politikerinnen!
Als hätte die Aufklärung nie
stattgefunden - zum vorgeschlagenen Lehrplan
'Religion und Kultur'
Das Wort zum Sonntag
Nun hat der Bildungsrat seinen Lehrplanvorschlag (PDF) präsentiert, welcher als indirekter Gegenvorschlag zur Bibelinitiative zu sehen ist. VertreterInnen der dominanten Religionen, die sich zu Rundtischgesprächen treffen, wurden in die Erarbeitung einbezogen - aber eben nur die. Was nun - wenig überraschenderweise - im Vorschlag völlig fehlt, ist eine Würdigung weltlicher Aspekte.
Man mag ja befürworten, dass eine solche Auslegeordnung von Glaubens- und Wertesystemen präsentiert wird. Und es lässt sich vielleicht auch rechtfertigen, dass dies schon (in stufengerechter Form) in den Primarschulunterricht integriert wird.
Es kann aber nicht sein, dass in unserer weitgehend säkularisierten Gesellschaft nun den Kindern der Eindruck gegeben wird, dass Religion zwingend zum Leben eines jeden Einzelnen gehört. Wenn ein solcher Lehrplan dazu verwendet werden soll, gegenseitige Rücksichtnahme und gegenseitiges Verständnis zu vermitteln, muss auch klar sein, dass es völlig normal ist, sich dem Religiösen zu entziehen und trotzdem ein anständiger Mensch zu sein, der z.B. moralisch handeln kann auch ohne Angst vor einem Fegefeuer oder aus reiner Gottesgefälligkeit.
Selbstverständlich kann ein Lehrer in einer solchen Stunde keine philosophischen Fragen angehen, aber so zu tun, als hätte unser Kulturraum nie eine Aufklärung durchgemacht, ist unerhört. Dieser Entwurf bedarf einer Überarbeitung - und dazu sind gefälligst Personen einzubeziehen, die befähigt sind, ein humanistisches Verständnis einzubringen. Ein runder Tisch, der ausschliesslich aus den Religionen besteht, die hier am lautstärksten um Aufmerksamkeit buhlen, ist dazu offenbar nicht in der Lage.
Von Schwertkämpfern und Friedensstiftern
Vielleicht sollte der Papst mal die Bibel lesen... Wird doch der Christliche Religiongründer von Matthäus (10:34) zitiert: "Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert".Mehr...
Anti-Karikaturen-Demonstration in Bern: Ein erster Schritt zu einer sinnvollen Politdebatte?
Rund 1000 Demonstranten haben heute auf dem Bundesplatz gegen die Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Jyllands-Posten (JP) und anderen, vor allem europäischen, Zeitungen friedlich protestiert. Eine durchaus eindrückliche Zahl. In Berlin wurde ein vergleichbarer Aufruf gestern von nur rund 150 Personen verfolgt.
Die Berner Demonstration hat die Debatte um die Karikaturen in der Schweiz erstmalig auf die Strasse gebracht, bisher wurde sie vor allem in Kommentarspalten von Zeitungen auf blogs und auf diplomatischer Ebene abgehalten. Die vorgetragenen Forderungen glichen denjenigen, die zuvor schon von Muslimen von Europa bis Australien vorgebracht worden waren: Religiöse Beleidigungen seien zu verbieten und für die erfolgten Veröffentlichungen seien Entschuldigungen auszusprechen.
«Satire darf alles> – dies forderte Tucholsky unbescheidenerweise ein. Wohl noch nie wie in den vergangenen Tagen wurde dieser Maxime mit nicht zu überbietender Vehemenz widersprochen.
Die kritisierten Mohammed-Karikaturen erschienen bereits Ende September vergangenen Jahres in der dänischen Jyllands-Posten (JP), gänzlich unkontrolliert wurde die Welle der Empörung aber erst in den letzten Tagen. Zweierlei wird von islamischer Seite vor allem geltend gemacht: 1. dass der Koran es grundsätzlich verbietet, vom Propheten ein Bildnis zu machen und 2. dass die Bilder eine gezielte und rassistisch motivierte Provokation war.
Grund genug, diesen Vorwürfen und der westlichen Reaktion darauf, dem Verweis auf die Pressefreiheit, ein paar Zeilen zu widmen:
Mohammed wurde im Westen wie im islamischen Raum durch die Epochen immer wieder bildhaft dargestellt, wie eine aktuelle Zusammenstellung aufzeigt:
Persische oder zentralasiatische Abbildung von Mohammed beim Predigen (Quelle: http://www.zombietime.com/mohammed_image_archive/)
Das alte Testament kennt das Gebot, sich kein Bildnis zu machen, in ähnlicher Form. Dagegen verstossen westliche Illustratoren ständig, aber auch beispielsweise der in Kalifornien lebende und in Marokko und Algerien aufgewachsene arabische Cartoonist Bendib nimmt sich die Freiheit heraus, den Gott der Juden und Christen abzubilden - und zwar nicht eben auf vorteilhafte Art.
Sacrifice me a Muslim son, or else! (Quelle: http://www.jcpa.org/phas/phas-21.htm)
Gottes- oder Prophetenbilder wurden und werden also zahlreich erstellt und erscheinen keinesfalls nur in religiösen Werken. Neu scheint die hingegen Absolutheit, in der das Erscheinungsverbot eingefordert wird - zumindest für Abbildungen, die Mohammed betreffen.
Nach der weitgehenden freiwilligen Selbstzensur in den westeuropäischen Medien drängen sich einige Fragen auf: Wird Tucholskys Maxime von der Politik geteilt und getragen? Muss Satire auch alles, was sie darf? Und: Verdient jede Strichzeichnung das Etikett «Satire» sowie Wie steht's den um die konkret kritisierten Zeichungen?
Zweitletzteres ist einfach zu verneinen, die antisemitische Nazi-Propaganda in den 30er-Jahren bediente sich bekanntermassen auch dieses «Stilmittels». Rassistische Hetze kann also genauso gut mit Zeichungen wie mit Worten (oder Filmen usw) betrieben werden. Und diese «Freiheit» hat Tucholsky wohl nicht gemeint.
Die Frage, wie die JP-Zeichnungen einzuordnen sind, ist weniger einfach zu beantworten, erstens weil sie hierzulande kaum zu Gesicht kriegen waren, zweitens, weil deren Einordung natürlich eine höchst subjektive Sache ist. Nach einigem online-Suchen bin ich auf die vollständige Liste der zwölf Auftragskarikaturen und den Originalartikel* gestossen. Meine höchst subjektive Bilanz: Die meisten Zeichungen sind eher dümmlich, von mässig zeichnerischer Qualität - und (vermeintlich) eigentlich kaum der Rede wert. Aber das tut im Grunde nichts zur Sache. Wenn mediokre Qualität ein Zensurgrund wäre, müsste wohl so manche Tageszeitung auf Wochenrhythmus umstellen. Im besten Fall...
Das Recht zu beleidigen darf den Satirikern aber nicht genommen werden. Die Meinungsäusserungsfreiheit muss auch für diejenigen gelten, die auf unfeine Art Widerspruch einlegen und Kritik üben! Es darf nicht sein, dass das, was politische Parteien, deren Vertreter, ja ganze Regierungen als Teil der öffentlichen Auseinandersetzung über sich ergehen lassen müssen, für Religionen grundsätzlich ein Tabu ist. Religiöse Prinzipien und Religionsvertreter müssen genauso beleidigt und karikiert werden dürfen. Es ist selbstredend nicht immer nötig, dies zu tun. Aber einen generellen Schutz vor dem Lächerlichmachen darf es nicht geben. Fordern wir diese Narrenfreiheit den Religionen gegenüber nicht ein, wird die Meinungsäusserungfreiheit über kurz oder lang auch anderswo eingeschränkt werden. Und das gilt es zu verhindern - schnurzegal, ob es dünnhäutige Individuen schlecht ertragen oder nicht.
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