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Von Piraten und subventionierten Reedereien

Geadelt werden sie nicht mehr, die Piraten von heute. Da hatte es Francis Drake (Bild), Plünderer on Her Majesty’s Service, noch besser. Selbst mit der hollywoodesken Romantisierung dieser Berufsgruppe ist’s vorbei. Nun werden sie bekämpft - allerdings äusserst selektiv: Die Piratenfischer aus Europa und Asien, welche seit Jahren Somalias Meeresschätze illegal plündern, können ihren Geschäften weitgehend unbehelligt nachgehen. Zumindest war dies der Fall, bis sich somalische Fischer mit Waffengewallt gegen die ausländischen Trawler zu wehren begannen. Gemäss diesem äusserst lesenswerten Zeit-Artikel schätzt die Welternährungsorganisation, dass jedes Jahr rund 700 Schiffe ohne Lizenz vor Somalia vor allem Thunfischbestände ausbeuten.

Aus der Notwehr wurde schnell ein florierendes und brutales Geschäft, das weitere Akteure anzog und nun den internationalen Warenhandel erschwert. Seit wenigen Tagen interessiert sich auch die offizielle Schweiz für das Problem. Und das hat einen ganz bestimmten Grund: Sie ist um «ihre» Schiffe besorgt, genauer, um die rund drei Dutzend Schiffe, die unter Schweizer Flagge auf den Weltmeeren verkehren. Sie gehören allesamt kommerziellen Reedereien, die als ganz normale Transportdienstleister operieren, oftmals auch im Namen anderer Staaten. Die allerwenigsten Güter, die sie von Kontinent zu Kontinent verschieben, haben irgendetwas mit dem schweizerischen Import- oder Exportgeschäft zu tun. Das Schweizer Kreuz an ihren Masten lassen sie sich fürstlich bezahlen, in der Form von Bundesbürgschaften. Vor einem Jahr erhöhte das Parlament den entsprechenden Kredit von 600 Millionen auf 1.1 Milliarden Franken.

Dass sich die Schweiz eine Hochseeflotte leistet, wird mit den Sandkastenspielen des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung BWL begründet. Die Schiffe könnten «im Falle einer Krise in den Dienst der Landesversorgung gestellt werden». Wie eine solche Krise aussehen könnte, beschrieb der Bundesrat in seiner letztjährigen Botschaft:

Die hohen Erdölpreise lassen es zusehends interessanter erscheinen – wenn auch vorerst noch in bescheidenem Rahmen –, Erdölprodukte teilweise durch Treib- und Brennstoffe zu substituieren, welche aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. In grösserem Umfang werden diese aber insbesondere in überseeischen Gebieten Südamerikas und Asiens angebaut. Die Möglichkeit, dadurch gleichzeitig handelbare Umweltzertifikate zu erwerben, lassen dieses Geschäft immer attraktiver erscheinen. [...] Die ökonomischen Vorteile des weltweiten Güteraustauschs und die herausragende Rolle, die der Seeverkehr dabei spielt, sind unbestritten. Dieser kann aber in kritischen Situationen gerade wegen weitgehend fehlender Alternativen rasch zum Nadelöhr werden.

Die Schweiz hält sich also subventionierte Frachtschiffe, damit hier künftig Autos mit den Nahrungsmitteln anderer herumfahren können. Und gleichzeitig wundern wir uns, dass die Piraterie zunimmt? Nun ja, vielleicht geht ja dadurch wenigstens die Klimaerwärmung wieder zurück...

s.a. 06.12.2007: Bürgschaften für Alternativenergieanlagen statt für die Hochseeflotte